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Eddie Irvine fuhr von 1996 bis 1999 für die Scuderia Ferrari © getty

Sowohl Ex-Pilot Eddie Irvine als auch Lotus-Fahrer Jarno Trulli sehen Bernie Ecclestones neueste Ideen äußerst kritisch.

Von Sebastian Binder

München - Bernie Ecclestone ist schon immer eine streitbare Person gewesen. Und auch die neuesten Vorschläge des Formel-1-Zampanos stoßen auf breites Unverständnis in der Szene.

Ecclestones Idee, das Abkürzen bis zu fünfmal pro Rennen zu erlauben, um das Überholen zu erleichtern, finden frühere und aktive Fahrer einfach nur lächerlich.

"Das macht überhaupt keinen Sinn", regte sich der frühere Ferrari-Pilot Eddie Irvine gegenüber "BBC Radio 5 Live" auf.

"Es ist noch nicht einmal besonders originell, sondern einfach nur schrecklich. In der Formel 1 geht es doch gerade darum, dass das Überholen schwierig ist. Es ist eben etwas Besonderes."

Auch Trulli gegen Abkürzungen

Auch der neue Lotus-Fahrer Jarno Trulli ist strikt gegen den Vorschlag: "Bernie hat oft klare Vorstellungen, aber Abkürzungen sind einfach undenkbar. Das ist kein Spiel, sondern ein Sport", wie er laut der Nachrichtenagentur "Reuters" sagte.

Irvine empfindet die Regeländerungswut in der Königsklasse generell als Unsitte: "Das Problem bei der Formel 1 ist doch, dass man immer wieder die Regeln ändert, um sie zu verbessern - dabei ist doch überhaupt gar nichts verkehrt daran."

Der Nordire macht dies vor allem an zwei Beispielen fest: "Letztendlich wurde der ganze Sport doch gerade dadurch zerstört, dass sie das Qualifying und das Punktesystem verändert haben. Man hat den Sport seiner Geschichte beraubt und die Formel 1 hatte eine großartige Geschichte."

"Müssen nichts neu erfinden"

Trulli teilt diese Meinung: "Wir müssen den Sport interessanter machen, mehr Spektakel schaffen. Wir müssen Rad-an-Rad-Duelle sehen - solche Dinge. Aber wir müssen doch nichts neu erfinden."

Allerdings seien auch nicht alle Regeländerungen schlecht, wie sogar "Chefkritiker" Irvine zugibt.

Das Nachtank-Verbot sei eine interessante Sache, denn: "Diese Geschichte wird das Überholen viel glaubhafter machen, weil die Rennwagen nun ein unterschiedliches Potenzial haben. Einige Autos werden besser mit einer großen Spritladung klarkommen, andere haben ihre Stärke vielleicht gerade bei wenig Benzin im Tank."

Dies werde vor allem die Unterschiede zwischen den einzelnen Piloten deutlicher hervortreten lassen: "Es wird auch Piloten geben, die viel härter mit ihren Reifen umgehen als andere. Der Verschleiß der Fahrzeuge wird durch das Nachtankverbot ebenfalls größer sein."

Früher war alles besser...

Auf der anderen Seite scheint Irvine dennoch ein Anhänger der "Früher-war-alles-besser"-Mentalität zu sein.

"Es gab Statistiken, anhand derer die Piloten sagen konnten: 'Ich hatte so und so viele Punkte. Ich kann mich mit den Jungs aus den 1970er- und 1980er-Jahren vergleichen.' Die Fans konnten diese Geschichte sehen, doch jetzt ist alles anders, jetzt ist alles Mist", wetterte "Crazy Eddie".

Die Lösung der Misere sei ganz einfach: "Sie müssten einfach nur sagen: 'Okay, damals war der Sport richtig klasse. Belassen wir es dabei.'"

"Man hat Schindluder getrieben"

Trulli stimmt dem Ex-Scuderia-Piloten in dieser Hinsicht durchaus zu und verweist auf das Erfolgsrezept einer anderen Rennserie: "Die NASCAR-Serie war so clever und hat die Regeln über lange Zeit stabil gehalten. Sie hat nicht viel geändert, sonst wären die Zuschauer verwirrt worden."

Genau das wünscht sich Ex-Pilot Irvine für die Formel 1: "Man muss nur einfach wieder an den Punkt zurückkehren, wo man vor zehn Jahren war - und verstehen, dass man in der Vergangenheit sein Schindluder mit etwas getrieben hat, das absolut in Ordnung war."

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