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Alt trifft jung: Michael Schumacher und Sebastian Vettel (r.) in Bahrain © getty

Sebastian Vettel hofft nach seiner Pole in Bahrain auf ein ruhiges Rennen, Michael Schumacher wünscht sich die frühere Form.

Von Marc Ellerich

München/Manama - Die rasante Fahrt zur Pole Position in Bahrain wurde durch eine gehörige Portion Wut beflügelt (SERVICE: Das Qualiergebnis).

"Ich war der Meinung, dass wir ein gutes Auto haben", leitete Sebastian Vettel seine Analyse nach dem ersten Qualifying (212530Bilder) der neuen Saison ein: "Aber gestern Abend hatte ich ehrlich gesagt so einen Hals, weil es nicht richtig funktioniert hat."

Vettel spielte auf die Bremsprobleme seines Red Bull RB6 an, die dem Vize-Weltmeister von 2009 das Freitagstraining gründlich verhagelt hatten. Man kann nur ahnen, wie viele Mechaniker sich in der Wüste die Nacht um die Ohren geschlagen haben, um Vettels Renner zum ersten wirklich wichtigen Termin des Formel-1-Jahres wieder in Schwung zu bekommen (BERICHT: Pole für Vettel - Dämpfer für Schumi).

"Nicht viel Schlaf"

"Es war eine lange Nacht, besonders die Mechaniker hatten nicht viel Schlaf", verriet der Deutsche. Und am Ende zahlten sich die Anstrengungen aus . (EXKLUSIV: Vettel im Sport1.de-Interview).

Nachdem am Samstag um 14 Uhr Ortszeit die Zeitenjagd eröffnet war, konnte der 22-Jährige seinem Red Bull problemlos das Maximaltempo abverlangen.

Und keiner der 23 Konkurrenten war schneller: Nicht die beiden hoch einzuschätzenden Ferrari-Piloten Felipe Massa und Fernando Alonso, die als Zweiter und Dritter in den ersten Grand Prix gehen, nicht das McLaren-Weltmeister-Duo Lewis Hamilton (4.) und Jenson Button (8.).

Rosberg vor Schumacher

Und auch nicht das Mercedes-Gespann Nico Rosberg und Michael Schumacher. Im "deutschen Nationalteam" verwies der Jüngere den Formel-1-Rückkehrer doch recht deutlich in die Schranken - drei Zehntelsekunden trennten den fünftplatzierten Rosberg vom Rekord-Weltmeister.

"Das ist eine große Überraschung", bemerkte Vettel - und meinte damit nicht das Abschneiden des silbernen Duos, sondern das eigene. "Heute bin ich wohl mit dem besseren Fuß aufgestanden", grinste er.

Ein Einstand nach Maß also für den hochambitionierten Hessen, der sich über das Leistungsvermögen seiner Konkurrenten im Rennen (So., 12.45 Uhr LIVE) nach eigenem Bekunden immer noch im Unklaren ist.

Ferrari will nach vorne

"Wir wissen alle nicht, was morgen passieren wird", so Vettel: "Es könnte sehr aufregend werden, es könnte sehr langweilig werden. Darauf hoffe ich. Wir möchten ein ruhiges Rennen."

So ähnlich stellt sich im Übrigen das rote Duo den Rennverlauf vor, nur natürlich mit anderem Verlauf. "Es wäre ideal, wenn wir beide gleich nach vorne kommen und das Rennen von der Spitze gemütlich heimfahren", erläuterte Alonso den Ferrari-Plan.

Vettel erwartet jedoch "keinen Sprint, sondern eher ein Langstrecken-Rennen". Das aber im ersten Rennabschnitt entschieden werde. Und es sei "kein Geheimnis, dass wir auf die Reifen aufpassen müssen."

"Ich war lange weg"

Der Heppenheimer war der eine deutsche Pilot, der nach den ersten Kilometern der neuen Saison im Fokus der Beobachter stand. Der andere war - welch Wunder - Formel-1-Rückkehrer Michael Schumacher.

Für den 41-jährigen vermeintlichen Heilsbringer der Königsklasse verlief die erste Bewährungsprobe nicht unbedingt nach Wunsch, auch wenn er dies zunächst behauptete.

"Ich bin zufrieden mit Platz sieben, denn ich war lange weg", erklärte Schumacher nach dem Qualifying, das er immerhin vor dem aktuellen Weltmeister beendet hatte. Doch seine Gesichtszüge verrieten mehr als Schumachers Worte, in ihm arbeitete der Ehrgeiz 180745(DIASHOW: Teams und Fahrer 2010).

Schumi überrascht

"Ich muss zugeben, dass ich noch nicht den Rhythmus für die eine schnelle Runde gefunden habe, daran muss ich noch arbeiten", gestand Schumacher: "Ich brauche noch ein bisschen, um richtig reinzukommen."

Was Schumacher offenbar mehr bekümmert, ist die Niederlage im teaminternen Duell gegen seinen jugendlichen Herausforderer Rosberg. "Nico war bisher das ganze Wochenende schneller als ich. Ich bin schon ein bisschen erstaunt, wie sehr sich die endgültige Konfiguration des Autos von den Testfahrten unterscheidet."

Für den dreimaligen früheren Weltmeister Niki Lauda ist Schumachers erste Vorstellung unter Ernstfall-Bedingungen kein Grund zur Unruhe. Der Österreicher hat keinen Zweifel daran, dass sich Schumi steigern wird: "Er wird kommen, da kann ich alle beruhigen. Aber er wird zwei, drei Rennen brauchen."

Haugs Lob

Auch im Mercedes-Team kommentierte man den nicht vollends geglückten Start ins neue Formel-1-Jahr gelassen.

"Nico fuhr heute sehr gut, und Michael findet mit jedem Kilometer besser zu seinem Rhythmus", bemerkte Teamchef Ross Brawn.

"Michael hat sich nach seiner langen Pause überzeugend zurückgemeldet. Das Rennen wird ihm noch besser liegen", fand Motorsportchef Norbert Haug und vergaß nicht, auch seinen zweiten - nicht wirklich zufriedenen - Piloten mit Lob zu bedenken: "Nico war stark, und ich rechne auch im Rennen mit ihm."

Kuriose Wiederholung

Schumachers viel beachtete Rückkehr in den höchsten PS-Zirkel ist übrigens von einer historischen Kuriosität begleitet, so als wäre diese eigens bestellt worden: Ebenso wie in seinen ersten Grand Prix vor 18 Jahren in Spa wird der Mercedes-Star auch ins erste Rennen nach seinem Comeback als Siebter starten.

Damals hat ihm die Zahl kein Glück gebracht, nach 250 Metern war Schumachers erster Auftritt 1991 nach einem Kupplungsschaden schon wieder beendet. Eine Wiederholung 2010 dürfte kaum im Sinne Sport-Superstars sein.

Schumacher setzt auf einen Stopp

Mit einer Einstopp-Strategie will der Silberpfeil-Pilot versuchen, seine Quali-Platzierung zu verbessern. Mehr Aufenthalte am Streckenrand sind laut Schumacher wegen des neuen Nachtank-Verbots nicht drin.

"Wenn du zweimal in die Box musst, ist das Rennen gelaufen. Wenn wir es schaffen, mit einem Stopp durchzufahren, ist vielleicht noch ein gutes Ergebnis möglich."

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