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Alleine auf weiter Flur - Michael Schumacher beim Bahrain-Grand-Prix © getty

Der Rückkehrer wirkt nach dem Bahrain-GP bestens erholt - und macht die neuen Regeln für ein langweiliges Rennen verantwortlich.

Von Marc Ellerich

München - Der einstige Renn-Rentner machte einen fidelen Eindruck.

"Es war relativ locker. Ich muss ehrlich gestehen, es war für mich nicht besonders anstrengend", berichtete Michael Schumacher über sein erstes Rennerlebnis nach 1239 Tagen Pause (DATENCENTER: Der Bahrain-Grand-Prix).

Soeben hatte der Mercedes-Pilot den Saison-Auftakt in der Wüste von Bahrain auf dem sechsten Platz hinter Sieger Fernando Alonso beendet, und tatsächlich: Der 41-Jährige wirkte wenig erschöpft.

"Ganze Ecke langsamer"

Wobei das weniger an seiner ausgezeichneten Kondition lag, wie Schumacher einräumte. Als Grund für seinen aufgeweckten Auftritt hatte der Rückkehrer vielmehr einen Kardinalfehler ausgemacht, den der Automobil-Weltverband bei seiner jüngsten Reform der Königsklasse begangen hat.

"Die Reifen lassen es nicht zu, schnell zu fahren", berichtete Schumacher: "Wenn man sich die Rundenzeiten anschaut, fahren wir eine ganze Ecke langsamer, als wir es früher getan haben. Entsprechend weniger wird man beansprucht." (Schumacher im Interview: "Eine Odyssee")

Nachtanken verboten

Seit diesem Jahr ist erstmals seit 1993 das Nachtanken wieder verboten, die zwölf Teams dürfen lediglich zum Reifenwechsel an die Box kommen.

Die FIA-Verantwortlichen hatten mit ihrer Regeländerung eigentlich nur Gutes im Sinn. Durch das Tankverbot sollten die strategischen Duelle am Streckenrand minimiert und die Zweikämpfe der Rennställe auf die Strecke verlagert werden.

Doch die Folgen der Neuerungen sind fatal und entfalteten schon beim ersten Rennen des Jahres ihre volle Wirkung.

Kolonnenfahrt vom Start weg

Die Top-Teams begannen ihre Kolonnenfahrt bereits beim Start, und auch während des Rennens blieben wilde Überholmanöver zumindest an der Spitze - so selten wie Regen in der Sakhir-Wüste von Bahrain.

Entsprechend leidenschaftslos fasste Michael Schumacher anschließend das Event zusammen, dessen einziger Aufreger aus deutscher Sicht die Motoren-Probleme des Pole Setters Sebastian Vettel waren, die diesen schließlich den sicher geglaubten Sieg kosteten.

"Jeder hinter jedem"

"In der ersten Runde gibt es einige Kämpfe, danach hört es irgendwo auf", analysierte der seit seiner Comeback-Ankündigung weltweit als Heilsbringer der PS-Liga Gefeierte: "Der eine Boxenstopp bringt noch mal ein bisschen Bewegung, aber danach fährt jeder hinter dem anderen her, weil man nicht überholen kann. Da hieß es nur noch, das Auto ohne Fehler nach Hause zu bringen."

"Das ist die Action, die wir bei dieser Art von Renn-Strategie haben werden", fügte der Wahl-Schweizer seinen Worten hinzu, die manchem Fan die Begeisterung an der Königsklasse gründlich verderben werden.

"Definitiv weniger aufregend"

Auch McLaren-Pilot Lewis Hamilton war nach der wenig aufreibenden Prozessionsfahrt durch den Wüstensand einigermaßen ernüchtert.

"Das Rennen ist definitiv weniger aufregend geworden, wenn es ums Überholen geht", berichtete der Weltmeister von 2008, der das Rennen als Vierter begonnen und als Dritter beendet hatte - weil auch er wie die beiden Ferrari-Piloten Fernando Alonso und Felipe Massa von Vettels Pech profitierte. "Ich war im ersten Drittel des Rennens nicht in der Lage, den anderen zu folgen, weil die Reifen nicht genügend Haftung hatten."

Geheimwissenschaft Reifen

Die Reifen. Sie sind noch mehr die Schlüsselfaktoren geworden, die über Sieg und Niederlage entscheiden, und der richtige Umgang mit den Bridgestone-Pneus kommt einer Geheimwissenschaft gleich.

Das ist auch Hamilton bewusst: "Jeder von uns versucht, die Reifen zu verstehen, Benzin zu sparen und zu begreifen, wann man angreifen muss und wann nicht. Ich hoffe nur, wir können es den Leuten begreiflich machen, was wir tun."

Whitmarsh übt harte Kritik

Diese Art von Zweifel hat kurz nach dem Start ins neue Formel-1-Jahr auch schon seinen Teamchef Martin Whitmarsh befallen 180745(DIASHOW: Teams und Fahrer 2010).

"Die Formel 1 muss unterhaltsam sein", begann der Brite in der "BBC" seine frühe Abrechnung mit den neuen Spielregeln: "Die Leute müssen begeistert sein von dem, was sich im Rennen abspielt. Wenn es zur Prozessionsfahrt wird, sind sie das nicht."

Sein Urteil nach der Kreisfahrt von Manama fiel vernichtend aus: "Heute war das keine gute Show. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, sie zu verbessern."

Wie, auch darüber hat McLaren-Boss schon nachgedacht. Whitmarsh forderte für die Zukunft zwei verpflichtende Stopps pro Grand Prix. Zudem müsse sich eine unterschiedliche Reifenwahl deutlicher auswirken.

"Die Reifen haben sich heute kaum voneinander unterschieden, sie haben nicht abgebaut", erklärte er: "Wenn du 25 Runden auf den superweichen fahren kannst, kannst du auf den Prime fahren solange du willst."

Forderung: Überholen leichter machen

Dabei komme die Spannung deutlich zu kurz, die Pneus müssten deutlich anfälliger werden, um gute Unterhaltung zu gewährleisten.

"Ich glaube, dass die Reifenfrage ganz entscheidend für das Spektakel der Show ist", so der Brite. Die Formel 1 müsse dafür sorgen, dass Überholen wieder einfacher werde, forderte Whitmarsh zum Schluss.

Klingt gut, der Plan, und ist offenbar doch das Schwierigste im hochentwickelten Motorenzirkel.

Schon 2009 hatte die FIA das große Ziel auf ihrer Agenda - und mindestens ebenso weit verfehlt wie in der soeben begonnenen Saison.

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