vergrößernverkleinern
Alte Kollegen sind jetzt Rivalen: Michael Schumacher fuhr elf Jahre für Ferrari © getty

Die italienische Presse geht mit Michael Schumacher nach seinem Comeback hart ins Gericht. Auch in England wird gelästert.

München - Früher war er mal der "Rote Gigant", jetzt ist er nur noch der "Weltmeister der Arroganz": Die Tifosi haben mit Hohn und Spott auf die Formel-1-Rückkehr ihres einstigen Helden in Bahrain reagiert.

"Schumacher, der Weltmeister der Arroganz", schrieb "Il Secolo XIX" nach dem sechsten Platz des Mercedes-Stars (213062Bilder), und der "Corriere della Sera" lästerte: "Der seltsame Sonntagnachmittag des Herrn Michael."

Auch in England gab es nach dem Doppelsieg der Scuderia viele bissige Schlagzeilen. "Schumi vom eigenen Teamkollegen geschlagen", titelte die "Daily Mail" und stellte fest: "Seine Rückkehr war nicht die erwartete Triumphfahrt. "

Nico Rosberg war im zweiten Silberpfeil als Fünfter direkt vor seinem berühmten Teamkollegen ins Ziel gekommen. Der "Guardian" hatte fast schon Mitleid und forderte: "Man darf Schumacher auf keinen Fall abschreiben."

"Nicht viel Lob verdient"

Niemand habe Schumacher beim Saisonstart gesehen, kommentierte die "Gazzetta dello Sport". "Sind wir sicher, dass er sein Comeback geplant hat, um auf Platz sechs zu landen?", fragte "Tuttosport" und spottete: "Okay, es war Michaels erstes Rennen seit drei Jahren, doch er hat schönes Geld bekommen."

Der "Corriere dello Sport" befand immerhin, dass Schumacher mit einer ordentlichen Leistung Sechster geworden sei. Das sei keine Schande, analysierte das Blatt, kritisierte aber zugleich: "Viel Lob hat er auch nicht verdient."

Nicht gerade begeistert beurteilte die "Gazzetta dello Sport" den Auftritt Schumachers, der bis vor wenigen Monaten als Berater für Ferrari tätig war und davor fünf seiner sieben WM-Titel im roten Renner aus Maranello gewonnen hatte.

"Schumis Rückkehr war nicht eklatant, auch Mercedes hat nicht beeindruckt. Michael hat eine dreijährige Ruhepause hinter sich. Es wird noch dauern, bis man begreifen kann, ob er immer noch der Alte ist", schrieb die Sporttageszeitung.

Lob von Domenicali

Dagegen lobte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali die Leistung Schumachers: "Er ist ein großartiges Rennen gefahren nach so vielen Jahren Abwesenheit. Ich bin überzeugt, dass er bis zuletzt kämpfen wird. Ihn hier in Bahrain besiegt zu haben, gibt uns noch mehr Motivation, so weiterzumachen."

Schumachers einstiger Teamkollege Felipe Massa (Brasilien), der hinter dem neuen Ferrari-Star Fernando Alonso Platz zwei belegte, ließ der Auftritt des Altmeisters offenbar kalt.

"Es interessiert mich nicht, Schumacher besiegt zu haben. Besser gesagt, ich will ihn wie alle anderen besiegen. Es ist wichtig, dass ich auf Platz zwei gekommen bin. Ich habe eine Saison noch nie so gut begonnen", sagt Massa, für den es das erste Rennen nach seinem schweren Unfall im Juli 2009 war.

Pressestimmen im Überblick:

ENGLAND

Daily Mirror: "Schumacher vom eigenen Teamkollegen geschlagen. Seine Rückkehr war nicht die erwartete Triumphfahrt."

The Sun: "Schumacher hat Button ordentlich frustriert. Er wird sich nicht mit der Rolle des drittbesten Deutschen und Whomacher zufrieden geben. Er wird bei den nächsten Rennen beschleunigen."

The Times: "Schumachers sechster Platz nach drei Jahren Auszeit ist respektabel. Zwar war sein Teamkollege Nico Rosberg im Training, Qualifying und im Rennen besser. Aber man kann darauf wetten, dass Schumacher an jedem noch so kleinen Detail arbeiten wird, um schon in Australien schneller zu sein."

The Guardian: "Schumacher hat bei seinem Comeback keine Probleme mit der Fitness und der Hitze. Nun wird er zusammen mit seinem Technik-Chef Ross Brawn das Auto schneller machen. Man darf Schumacher auf keinen Fall abschreiben."

ITALIEN

Gazzetta dello Sport: "Alonso und Massa: ein Wahnsinn. Es gibt einen Grund, warum der Ferrari-Sieg in Bahrein anders als jeder andere ist, abgesehen vom Meisterwerk Fernando Alonsos und der Bravour Felipe Massas: Es ist die Tatsache, dass Ferrari nach drei Jahren endlich den Rest der Bindeschnur abgeschnitten hat, die Maranello an die Ära Schumacher noch verband. Die Krise im Jahr 2009 hat Ferrari einen Erneuerungsprozess ermöglicht, der zu einem neuen Team geführt hat mit neuen Personen. Das Team ist italienischer, es hat ein sehr schnelles Auto gebaut, das sich perfekt an die neuen Regeln anpassen kann. Dirigent dieses Orchesters ist Alonso, der Messias, auf den Maranello zu lange gewartet hat und der bei der ersten Gelegenheit den Unterschied gemacht hat."

Corriere dello Sport: "Ferrari siegt in der Wüste. Maranello beginnt die WM wie erhofft: mit einem Doppelsieg. Ferrari brauchte einen Piloten wie Alonso. Der Doppelsieg ist das Resultat von drei Jahren pausenloser Arbeit."

Tuttosport: "Die WM ist wieder rot. Aber Achtung: Zwei Tore in den ersten Minuten des Matchs bedeuten nicht, dass der Sieg bereits sicher ist. Die Saison ist lang. Man muss wach bleiben und hart kämpfen."

La Repubblica: "Ferraris Triumph, Doppelsieg in der Wüste, alle hinter Alonso. Ferrari ist wieder ein Menschenfresserteam nach einem schwierigen Jahr, ein Team, das in der Lage ist, alle zu besiegen, angefangen vom zähen Vettel, der mit seinem Red Bull-Auto auch vom Pech verfolgt worden ist. Schumacher schafft einen würdevollen sechsten Platz, ohne sich zu sehr anzustrengen."

Corriere della Sera: "Alonso zeigt die Wettbewerbsfähigkeit eines großen Champions. Mit allem Respekt für Michael Schumacher - Ferrari hat eine gute Wahl getroffen, auf einen 28-Jährigen zu setzen, der seit jeher von Ferrari träumte, statt auf einen 41-Jährigen mit einer glorreichen Vergangenheit."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel