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Sebastian Vettel war trotz allen Kampfes in Bahrain chancenlos gegen Fernando Alonso © imago

Geht das schon wieder los: Sebastian Vettel wird in Bahrain durch einen Defekt der Sieg geraubt. 2009 ging so die WM flöten.

Von Julian Meißner

München - So hatte es Sebastian Vettel sicher nicht gemeint, als er sagte, er wolle in der neuen Saison da weitermachen, wo er 2009 aufgehört hatte.

Im vergangenen Jahr war der 22-jährige Heppenheimer der stärkste Fahrer mit dem schnellsten Auto im Feld, nur die mangelnde Zuverlässigkeit des Red-Bull-Boliden RB5 mit seinem Renault-Motor kostete Vettel am Ende den Titel.

Weshalb Vettel 2010 nur noch ein Ziel kennt: Er will Jenson Button vom Thron stoßen und der erste deutsche Champion seit Michael Schumacher werden. Diese Ambitionen hat er immer wieder unterstrichen (EXKLUSIV: Vettel im Sport1.de-Interview).

Schuldfrage: Zündkerze statt Auspuff

Doch die Geschichte scheint sich zu wiederholen: Beim Saisonauftakt in Bahrain am Sonntag (213022Bilder) war Vettel der überragende Fahrer, fuhr überlegen zur Pole Position und kontrollierte auch das Rennen von der Spitze - bis ihn eine fehlerhafte Zündkerze zurückwarf.

Das defekte Teil löste in Runde 34 ein elektronisches Problem am Motor aus. Das Triebwerk selbst, so betonte man bei Red Bull, habe keinen Schaden erlitten.

Zunächst hatte man - auch aufgrund des ungewöhnlichen Geräuschs - ein Problem am Auspuff für den Leistungsabfall verantwortlich gemacht. Red Bull korrigierte die eigene Einschätzung aber noch am Sonntagabend.

75 PS weniger

"Das hat ungefähr zehn Prozent Leistung gekostet", erklärte Red-Bull-Teamchef Christian Horner die Folgen des Defekts, den Fernando Alonso, Felipe Massa (beide Ferrari) sowie Lewis Hamilton (McLaren) gnadenlos ausnutzten (SERVICE: Das Rennergebnis).

"Wäre alles normal verlaufen, hätte ich gewonnen", sagte Vettel, der für seine engagierte Vorstellung mit dem lädierten Renner Lob von allen Seiten erntete.

Marko begeistert

"Sebastian war unglaublich, fehlerlos in diesem schwierigen Rennen", sagte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko: "Wie er nach dem Problem zwei völlig intakte Mercedes hinter sich hielt, war eine Sensation."

"Wir haben nicht geglaubt, dass er das schaffen könnte", gab der Österreicher, der Vettels Karriere seit den Anfangstagen begleitet, zu: "Sein Kurvengeschwindigkeit war genauso erstaunlich wie schnellste Sektorzeiten am Ende des Rennens."

Horner: "Sebastian war brillant"

Das Team reagierte und stellte in der kritischen Phase, als die Mercedes-Piloten Nico Rosberg und Michael Schumacher immer näher rückten, das Motorprogramm um. Und Vettel holte alles aus seinem Auto heraus.

"In den Kurven habe ich versucht, die Kiste fliegen zu lassen und alles rausgequetscht. Aber das hilft natürlich nicht viel, wenn auf der Geraden nichts geht", meinte Vettel frustriert.

Horner sagte: "Manchmal ist Motorsport grausam. Sebastian war brillant."

Webber erneut im Schatten

Unter dem Strich betrieb Vettel, der seinen Teamkollegen Mark Webber einmal mehr klar in den Schatten stellte, Schadensbegrenzung und rettete mit Platz vier noch zwölf Punkte ins Ziel.

Schon beim nächsten Grand Prix in Australien in zwei Wochen will sich der Vize-Weltmeister nun näher an die rote Doppelspitze mit Alonso und Massa in der WM-Wertung heranpirschen.

"Ich habe mir selbst nichts zuzuschreiben. Es hat halt nicht sollen sein", resümierte Vettel und blickte optimistisch in die Zukunft: "Bis auf den Defekt war es ein sehr positives Wochenende, denn wir waren ab Samstagnachmittag unter allen Bedingungen unter den Schnellsten. Unser Auto funktioniert, im Qualifying wie im Rennen."

Böse Erinnerungen

An den Albert Park in Melbourne hat Vettel jedoch keine besonders guten Erinnerungen: Letztes Jahr verschuldete er drei Runden vor Rennende auf Podiumskurs liegend einen Unfall mit dem damaligen BMW-Sauber-Piloten Robert Kubica, beide fielen aus.

Im weiteren Verlauf der Saison 2009 war es dann die Kombination aus einigen, wenigen Fehlern Vettels und etwas häufigeren technischen Problemen am Red Bull, die das WM-Projekt des ehrgeizigen Hessen torpedierten.

Vettel wird hoffen, dass ihn beim zweiten Saisonlauf nicht erneut die Dämonen der Vergangenheit einholen.

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