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Michael Schumacher belegte beim Comeback den sechsten Platz © imago

Michael Schumacher sucht nach ordentlichem Saisonstart nach seiner Bestform. Sport1.de analysiert, wo Schumi noch Schwächen hat.

Von Marc Ellerich

München - Michael Schumacher beurteilte den Ernstfall nach 1239 Tagen Abwesenheit nicht ernüchtert, aber doch voller Zurückhaltung (DATENCENTER: Der Bahrain-Grand-Prix).

"Mit dem sechsten Platz kann ich sehr gut leben", sagte der Formel-1-Rückkehrer über sein Resultat beim Auftakt-Grand-Prix in der Wüste von Bahrain: "Er ist für mich eine Basis, auf der wir aufbauen können." (214240DIASHOW: Fahrerzeugnis des Bahrain-Grand-Prix)

Einen Etappen-Erfolg also, mehr mochte der siebenmalige Weltmeister in seinem achtbaren Abschneiden nicht sehen. Schumacher ist natürlich bewusst, dass sein neuer Arbeitgeber Mercedes, aber vor allem er selbst die Öffentlichkeit auf Dauer nur mit Siegen überzeugen werden.

Die, so orakelt Motorsportchef Norbert Haug, könnten sich schneller einstellen als von vielen erwartet, doch Schumacher weiß auch, dass er auf dem geplanten Weg zur einstigen Dominanz noch harte Kämpfe wird bestehen müssen.

Berger: Er muss die Reifen spüren

Zunächst ist da das silberne Auto, das noch nicht so funktioniert, wie er sich das wünscht - und was er auch deutlich formulierte. "Das Potenzial zum Weiterentwickeln des Autos ist riesig", sagte der 41-Jährige nach dem Bahrain-Rennen, und die Experten hatten schnell den neuralgischen Punkt ausgemacht: Schumachers Fahrstil und die neuen, in diesem Jahr um 2,5 Zentimeter schmaleren Vorderreifen harmonieren nicht. (Schumacher im Interview: "Eine Odyssee")

"Schumacher braucht ein Auto, bei dem er die Vorderachse spürt und die Reifen", erklärt Schumis einstiger Kollege Gerhard Berger in der Münchner "tz". Und, so muss man hinzufügen, Schumacher liebt es, seinen Boliden mit ausbrechendem Heck geradezu um die Kurven zu schleudern, während die vorderen Pneus für maximalen Grip sorgen.

Dass dieser Fahrstil, "das Insignium der Superstars" (Motorsport aktuell), unter den Bedingungen des Jahres 2010 in Bahrain noch nicht funktionierte, gab Schumacher nach dem Auftakt-Grand-Prix unumwunden zu.

"Wir können kein neues Auto brauchen"

Die Vorderreifen seien "schon sehr schmal", analysierte der Wahl-Schweizer also in Manama: "Aufgrund meines Fahrstils muss ich das Auto wohl noch dahin bringen, dass es so um die Ecken herumgeht, wie ich mir das vorstelle."

Daran werden er und sein Team in den 14 Tagen bis zum Australien-Grand-Prix vermutlich fieberhaft getüftelt haben - auch ohne die nun verbotenen Testfahrten während der Saison.

"Wir können kein neues Auto bauen", berichtete Schumacher schon nach dem Start ins neue Formel-1-Jahr: "Jetzt geht es darum im Windkanal zu arbeiten und alles zu optimieren. Wir haben sicherlich Arbeit vor uns und die werden wir jetzt angehen."

Punkt für Rosberg

Natürlich könnte er auch an seinem Fahrstil feilen, doch das will Teamchef Ross Brawn nicht, jedenfalls nicht im Moment.

Die Abstimmung des Silberpfeils ist das eine, mindestens ebenso bedeutsam ist für das frühere Alphatier der Königsklasse das völlig offene Duell mit seinem Teamkollegen Nico Rosberg.

In der Sakhir-Wüste Bahrains ging hier der erste Punkt an den jungen Rivalen. Rosberg lag in Training, Qualifying und Rennen vor dem einstigen Dominator der höchsten PS-Liga - lediglich auf seiner schnellsten Runde hatte Schumacher die Nase um wenige Tausendstelsekunden vorne.

Zahllose Schlachten mit Kollegen

Fragt man Rosberg, bleibt dieses Ranking auch in Melbourne bestehen. "Nur einem von uns zwei Mercedes-Fahrern wird es möglich sein, in Australien auf das Treppchen zu fahren", sagte der Wahl-Monegasse der "Welt": "Das möchte ich sein."

Die Medien beobachten gespannt, wie Schumacher mit derlei Provokationen umgeht. Mancher verweist auf die zahllosen Schlachten, die Schumacher während seiner langen Karriere mit seinen jeweiligen Teamkollegen schlug - und stets zu seinen Gunsten entschied.

Ob es wieder so kommt? Teamchef Ross Brawn schließt eine Bevorzugung seines alten Weggefährten Schumacher aus. "Ich habe Nico versprochen, dass er exakt dieselben Chancen bekommt wie Michael."

"Es fehlt der letzte Tick"

Als Eröffnung des Stallkriegs wurde gleichwohl bewertet, dass Schumi noch vor Saisonbeginn die eigentlich für Rosberg vorgesehene Startnummer drei einforderte und gleich auch Rosbergs - vermeintlich bessere - Box in der Mercedes-Garage übernahm.

Die Niederlage im internen Duell beim Start-Grand-Prix nahm Schumacher gelassen auf. "Dafür gibt es einige Gründe, einer davon ist sicher, dass ich mich erst wieder einfinden muss", erklärte der Rückkehrer sein schlechteres Resultat im Qualifying: "Man ist mit der Situation nicht mehr so vertraut, es fehlt der letzte Tick Selbstvertrauen und etwas Aggressivität."

Warten auf den Konter

Hat Schumacher seine alte Angriffslust wieder, kommt sein Konter, da sind Experten sicher. Mit zwei bis drei Rennen rechnet der dreimalige Champion Niki Lauda, bis der Rekord-Weltmeister wieder der Alte ist.

"Ich muss erst meinen Rhythmus finden", bemerkte Schumacher in Bahrain. Was er damit meinte, führte er dort schon vor. Im Training lag Rosberg noch drei Zehntelsekunden pro Runde vor ihm, im Rennen waren es dann lediglich neun Hundertstelsekunden.

Noch fehlt der Speed

Doch Schumacher will nach eigenem Selbstverständnis natürlich nicht nur seinen Mercedes-Kollegen Rosberg übertreffen.

Auch Gegner wie Bahrain-Sieger Fernando Alonso und der zweiplatzierte Felipe Massa (beide Ferrari), aber auch Red-Bull-Vize-Champion Sebastian Vettel und der schnelle Lewis Hamilton im McLaren liegen derzeit vor ihm.

Was zurzeit auch am fehlenden Tempo des silbernen Boliden liegt. Beim Top-Speed und in der Statistik der schnellsten Rennrunden liegt Mercedes GP nur auf einem Mittelplatz. Bei der Höchstgeschwindigkeit fehlten Schumacher auf den bestplatzierten Lewis Hamilton fast neun Stundenkilometer (314,8 km/h zu 306,1).

"Schon größere Abstände gehabt"

Schumacher gibt sich von derlei Rechnungen nach nur einem Rennen unberührt: "Ich habe zu Beginn einer Saison schon größere Abstände gehabt - und am Ende des Jahres habe ich trotzdem um die Meisterschaft gekämpft. Ich weiß, wie schnell sich das Blatt wenden kann."

Einen optimistischen Fahrplan legt auch Motorsportchef Haug für die kommenden Grands Prix fest: "Es ist ganz klar: Michael und Nico fahren vorne, sobald wir ihnen das Auto dazu geben", versicherte Norbert Haug: " Wir sind nicht zufrieden, bis wir ganz oben auf dem Podest stehen."

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