Für Jacques Schulz gibt es beim Australien-Grand-Prix einen großen Favoriten. Und der Experte hat einen deutschen Geheimtipp.

Hallo Formel-1-Fans!

Zugegeben, das erste Rennen der neuen Saison war furchtbar langweilig. Der Bahrain-Grand-Prix war ein Abwarten und Learning-by-doing bis weit über die Hälfte des Rennens hinaus.

Dieses Bild wird sich aber ändern, da bin ich sicher. Deshalb halte ich es für verfrüht, jetzt schon nach Regeländerungen zu rufen.

Ich teile Bernie Ecclestones Meinung, die ersten vier Rennen abzuwarten. Erstens können sich Teams und Piloten so auf die neuen Regeln einstellen. Zweitens wissen wir dann auch, wie sich die Neuerungen auf verschiedenen Streckentypen auswirken.

Ich kann mir vorstellen, dass sich schon in Australien ein verändertes Bild bieten wird (VIDEO: Die Strecke von Melbourne). Und Malaysia sieht dann wieder anders aus.

In Melbourne sind die Belastungen für die Reifen zum Beispiel wesentlich geringer als in Bahrain, da geht es mehr um den Top-Speed. Und in Malaysia haben wir die ultraschnellen Kurven. Dort sehen wir dann die Balance und die Aerodynamik der Autos. Da wird der Red Bull richtig aufdrehen.

Womit ich schon mitten im Power-Ranking bin.

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Ich sehe Red Bull in Australien vorne. Ich glaube nämlich, dass das Auto sein Potenzial noch gar nicht gezeigt hat. Hinzu kommt: Die Strecke liegt ihnen, und Sebastian Vettel will in Melbourne nach seinem Fehler vom Vorjahr etwas wiedergutmachen.

Nach Bahrain glaube ich, dass der Red Bull über die Renndistanz gar nicht so viel langsamer ist als die Ferrari. Die Bullen haben aus dem schnellsten Auto 2009 das beste Paket für 2010 gemacht.

Unterm Strich hat Red Bull das schnellste Auto im Qualifying, und in den Dauerläufen sind sie mindestens auf Augenhöhe mit Ferrari. Kurzum: Ich weiß nicht, wer Vettel schlagen soll.

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Dahinter kommen die Roten. Deren Speed in der Qualifikation ist okay. Aber ihr Tempo im Rennen ist - im Vergleich zu Red Bull - nicht überlegen. Fernando Alonso hatte seinen Sieg in erster Linie Vettels Pech zu verdanken. Er hätte Vettel ohne dessen Probleme niemals angreifen können.

Ich gehe davon aus, dass es in Melbourne ähnlich sein wird wie in Bahrain: Vettel und Alonso werden sich intensiv um das Podium streiten.

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Erst hinter Ferrari sehe ich die McLaren.

Der Unterschied ist signifikant: McLaren hat nicht den Speed, den ich nach dem Winter erwartet hatte. Die andere Erkenntnis ist: Lewis Hamilton hat nicht nur Jenson Button in Qualifying und Rennen deklassiert, nur er kann wegen seines Talents den Speed von Ferrari und Red Bull mitgehen.

Buttons Rennen in Bahrain scheint dagegen zu verraten, wo er wirklich steht. Das wäre bitter für McLaren, weil sie dann nur Hamilton hätten, der vorne mithalten kann. Von drei Top-Teams plus Mercedes würde ich daher für den Australien-Grand-Prix nicht sprechen. Ich sehe zwei Favoriten plus dahinter McLaren und Mercedes.

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Mercedes kann in Australien einen großen Schritt machen, ein Podium ist angepeilt und auch realistisch.

Ich glaube, dass die Silberpfeile am meisten gelernt haben und das meiste Potenzial besitzen, um das Auto weiterzuentwickeln. Sie werden die Teams vor ihnen gewaltig unter Druck setzen.

Michael Schumacher hat bei seinem Comeback überzeugend agiert. Zwei Zehntelsekunden hinter Nico Rosberg, da muss er sich nicht verstecken.

Schumacher wird in Melbourne sicher einen Sprung machen, das Duell zwischen den beiden wird heiß. Aber ob Schumi an Nico rankommt? Abwarten. Michael ist in den drei Jahren, die er nicht gefahren ist, sicherlich nicht schneller geworden. Aber noch ist es viel zu früh, um zu spekulieren.

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Platz fünf geht an das Force-India-Team von Adrian Sutil.

Der VJM03 war in Bahrain die Überraschung, auch wenn Sutil es nicht hat umsetzen können. Und Australien ist eine Paradestrecke für Force India mit seinen langen Geraden. Dann die Mercedes-Power, dieses Auto ist eine Bombe!

Force India muss deshalb mit beiden Autos Punkte holen. Das, was die großen Teams liegen lassen, das muss Force India mitnehmen. Es muss Sutils und Liuzzis Ziel sein, ganz weit nach vorne zu fahren. Das ist ihre größte Chance, in den ersten Rennen richtig auf sich aufmerksam zu machen.

Der Australien-Grand-Prix wird tolle Bilder liefern. Es geht in die Dämmerung hinein und ist eines der schönsten und stimmungsvollsten Rennen des Jahres, das man sich in Deutschland zum Frühstück hervorragend anschauen kann.

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

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