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Sebastian Vettel wurde 2009 hinter Jenson Button Vize-Weltmeister © getty

Sebastian Vettel holt die Pole in Melbourne und rechnet mit einem turbulenten Grand Prix. Schumi hat etwas in der Hinterhand.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel ging auf Nummer sicher. Diese Pole Position wollte er sich auf keinen Fall mehr nehmen lassen (218019Bilder des Qualifyings).

Also gab er Gas, obwohl er längst die Bestzeit stehen hatte und seine beiden Rivalen Mark Webber und Fernando Alonso ihren letzten Versuch, ihn an der Spitze abzulösen längst abgebrochen hatten. (DATENCENTER: Das Quali-Ergebnis)

Aber wie hatte Vettel vor dem Qualifying zum zweiten Grand Prix des Jahres in Australien (ab 7.45 Uhr LIVE) in einem Interview gesagt: Er würde vor dem Melbourne-Rennen durchaus Wetten auf sich annehmen, "Ich muss doch an mich glauben, sonst bräuchte ich nicht die WM als Saisonziel ausgeben." (BERICHT: Pole für Vettel - Schumi Siebter)

Tadellose Fahrt

Auf seinem langen Weg zum heißbegehrten Titel hat der junge deutsche Red-Bull-Pilot im Albert Park von Melbourne mit einer tadellosen Fahrt einen weiteren Etappensieg erreicht: Pole Position, schon zum zweiten Mal in dieser jungen Saison.

Seinem zweitplatzierten australischen Teamkollegen Webber verdarb er unsentimental das Heimspiel, auch Bahrain-Sieger Fernando Alonso kam ihm im Ferrari nicht mehr nahe - der Spanier wird am Sonntag als Dritter in den Grand Prix starten. (VIDEO: Die Strecke von Melbourne)

Siebte Pole Position

Vettel geht zum siebten Mal in seiner noch jungen Karriere von Platz 1 ins Rennen. Dass er damit nicht automatisch als Sieger vorgesehen ist, hat er bereits einige Male schmerzlich erfahren. Zuletzt beim Bahrain-Grand-Prix, den er als Pole Setter wegen technischer Probleme letztlich als Vierter beendete.

Deshalb ist Vettel vorsichtig geworden, was seine Chancen Down Under betrifft. "Der Sieg ist ganz klar das Ziel", sagte er nach seiner Tempofahrt, schränkte dann aber sofort ein: "Aber erst muss ich diesmal ankommen."

Deutliche Worte ans Team

Nach dem Motor-Krimi von Manama habe er deutliche Worte ans Team gerichtet verriet Vettel der "Bild": So ein Zündkerzen-Schaden wie in Bahrain darf nicht noch mal passieren. Das habe ich intern klar angesprochen."

Manchmal, das weiß Vettel natürlich, hält er seine zahlreichen Konkurrenten besser in Schach als den schnellen, aber eben auch tückischen RB6.

Hamilton scheitert früh

Für den Sonntag rechnet der Vize-Weltmeister mit einem turbulenten Grand Prix - zumal die Meteorologen Regenwetter angekündigt haben. Und gewiss hat Vettel noch seinen fatalen Patzer vom Vorjahr im Gedächtnis, als er seinen dritten Platz mit aller Gewalt gegen Robert Kubica verteidigen wollte, mit dem Polen kollidierte - und sang- und klanglos ausschied.

Wie schnell große Ambitionen scheitern können, führte am Samstag in Australien Ex-Weltmeister Lewis Hamilton vor. Der McLaren-Pilot blieb im Albert Park im zweiten Qualifikationsdurchgang hängen und beginnt den Grand Prix nur als Elfter. "Das hätte keiner erwartet, ich auch nicht. Es lag an mir, ich habe mit den Reifen nicht die richtige Zeit hinbekommen", sagte der Brite.

Eine Sekunde Vorsprung

"Es ist wirklich gut, vorne zu starten", bekräftigte der Vettel angesichts der vielen Unwägbarkeiten, für die der australische Parcours gut ist, "wir wissen nicht, welches Durcheinander es morgen gibt. Es passiert im Albert Park gewöhnlich eine Menge."

Und vielleicht bekommen die Fans in Melbourne genau aus diesem Grund doch noch ein deutsches Kopf-an-Kopf-Rennen um Sieg zu sehen, das nach der Rundenhatz im Qualifying erst einmal ausgeschlossen scheint.

Fast eine Sekunde betrug Vettels Vorsprung auf Nico Rosberg und Michael Schumacher vom "deutschen Formel-1-Nationalteam" Mercedes GP, und besonders der sechstplatzierte Rosberg war zunächst enttäuscht.

Rosberg unzufrieden

Er sei nicht zufrieden mit dem Ergebnis, sprach der Wahl-Monegasse, er habe mit mehr gerechnet: "Das war heute ein enttäuschendes Qualifiying, ich habe nicht gerade meine beste Leistung gebracht", sagte der Mercedes-Pilot.

Aufgegeben hat er sich deshalb noch lange nicht. Rosberg setzt wie Vettel auf einen turbulenten Grand Prix am anderen Ende der Welt: "Im Rennen sollten wir stärker sein, morgen kann alles passieren."

Schumi: "Einiges in der Hinterhand"

Sein berühmter Kollege, Michael Schumacher, hat den Grand Prix trotz Platz sieben ebenfalls noch nicht abgeschrieben. "Ich habe hier schon ein besseres Wochenende gehabt", urteilte Schumi, dem auf Rosberg nur noch eine halbe Zehntelsekunde fehlte: "Unsere Leistung stellt mit diesem Auto momentan wahrscheinlich das Maximum dar."

Aber vielleicht auch nicht, wie sonst ist die Andeutung des Rekord-Weltmeisters zu verstehen: "Wir haben für morgen noch einiges in der Hinterhand."

Krach mit Alonso

Vettel jedenfalls schreibt die Landsleute keinesfalls ab. "Bei Mercedes ist etwas schief gegangen, ich weiß nicht was - aber sie werden es finden. Es ist so eng da vorne, da kann sich ganz schnell etwas ändern."

Darauf werden auch seine ersten beiden Verfolger, Lokal-Matador Mark Webber und Ferrari-Star Alonso, setzen. "Wir waren nahe dran und wir können auf unser Tempo im Rennen setzen", sagte der Spanier, der auch auf einen ungeklärten Zwischenfall mit Schumacher eingehen musste.

Schumi stand nach dem Zeit-Rennen gestikulierend an Alonsos Ferrari - offenbar der Auftakt zum ersten großen Formel-1-Krach des Jahres. Hatte der Weltmeister der Jahre 2005 und 2006, der noch nie als Schumi-Freund galt, dem Deutschen die schnelle Runde absichtlich vermasselt?

Vettel will Langeweile

Schumacher hielt sich zunächst zurück behauptete dann aber, er sei auf seiner letzten schnellen Runde von Alonso behindert worden. Der Ferrari-Star gab laut "Bild" zu Protokoll: "Er hat sich beschwert, weil er nur Siebter wurde."

So könnte es ein ziemlich aufregender Grand Prix werden, wäre da nicht die neue "Formel-Langeweile", die für Entrüstung im Publikum gesorgt hatte.

Vettel versprach den Fans mehr Aufregung als zuletzt bei der Prozessionsfahrt in Bahrain. Er selbst jedoch könnte mit weniger Nervenkitzel gut leben: "Ich hoffe, auf ein langweiliges Rennen, tut mir für euch Leid."

Was er damit meinte: Ein Sieg ist viel wichtiger als Spannung.

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