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Sebastian Vettel fällt in Melbourne mit Bremsproblemen seines RB6 aus © getty

Sebastian Vettel will nach seinem Aus beim Australien-Grand-Prix am liebsten nach Hause. Trost gibt es von Michael Schumacher.

Von Marc Ellerich

München - Dass es der alte Fußball-Trainer Dragoslav Stepanovic einmal bis in die Formel 1 bringen würde, hat er sich wohl selbst kaum träumen lassen.

Doch offenbar kennt selbst der lange nachgeborene Heppenheimer Sebastian Vettel das berühmteste Bonmot des serbischen Wahl-Hessen.

"Lebbe geht weiter", kommentierte der 22 Jahre alte Deutsche das Missgeschick, das ihn beim Australien-Grand-Prix in Führung liegend den möglichen Sieg gekostet hatte. (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis)

"Schon Scheiße"

In Runde 26 von 58 ereilte den Vize-Weltmeister von 2009 sein Schicksal: Für Außenstehende ansatzlos schlitterte Vettel in einer Rechtskurve von der Piste - aus der Traum vom Sieg in Kurve 13 (218418DIASHOW: Die Bilder des Rennens).

Machtlos musste Vettel von draußen beobachten wie Jenson Button, sein WM-Gegenspieler aus dem Vorjahr, dem Sieg entgegensteuerte. Und natürlich nahm der ehrgeizige Jungstar seinen vorzeitigen Abschied aus dem Renngeschehen nicht so gelassen, wie es sein Stepanovic-Zitat vermuten ließ.

"Es ist schon Scheiße", fluchte Vettel nach dem ansatzlosen K.o.-Schlag im Albert Park. Er will - das hat er wiederholt erklärt - nach Platz zwei 2009 in dieser Saison die Krone seines Sports erobern.

Anfällige Technik

Aber auch im zweiten Grand Prix des Jahres torpedierte die anfällige Technik seines RB6 Vettels ehrgeizige Pläne. Beim Auftakt in Bahrain konnte Vettel einen Zündkerzen-Defekt seines Renners noch durch kühne Steuerkunst kompensieren, in Melbourne war er wehrlos. (VIDEO: Die Strecke von Melbourne)

Diesmal waren es laut Vettels Aussage Bremsprobleme: "Das hatte sich eine Runde vorher angekündigt", schilderte der Youngster den Ausfall: "Ich wollte noch an die Box fahren, um nachschauen zu lassen, aber bis dahin bin ich gar nicht mehr gekommen."

Horner: Vettel hatte keine Chance

Sein Versuch, wie in Bahrain zu retten, was noch zu retten war, lief Down Under ins Leere. "Es gab einen Funkenschlag auf der linken Seite", berichtete Vettel: "Danach hatte ich Vibrationen im Lenkrad. Ich habe vorsichtig angebremst, aber dann ist links vorne wohl die Bremsscheibe explodiert."

"Vettel hatte keine Chance", kommentierte Teamchef Christian Horner den Ausfall seines Fahrers, was diesen allerdings wohl kaum trösten wird. "Sehr ärgerlich", schloss Vettel seinen Schadensbericht ab, aber das drückte wohl kaum aus, wie es in seinem Inneren aussah: "Ehrlich gesagt würde ich im Moment am liebsten nach Hause fliegen."

"Ein schnelles Auto"

Vettels Ärger ist nachvollziehbar. Im WM-Klassement liegt er im Moment nur auf dem siebten Platz. Und auch wenn natürlich in der Titel-Angelegenheit noch gar nichts verloren ist, allmählich geraten die Red-Bull-Verantwortlichen in Erklärungsnot.

"Wir haben ein sehr schnelles Auto", versuchte Horner zu beruhigen, aber das überlegene Tempo allein wird seinen Vorzeige-Piloten nicht mehr besänftigen. Der blau-rote Bolide scheint derzeit zu labil zu sein, um verlässlich um den Titel fahren zu können.

Appell ans Team

Das weiß natürlich auch Vettel. "Ich muss erst einmal ins Ziel kommen", hatte er nach seiner tadellosen Fahrt zur Pole Position orakelt. Und in einem "Bild"-Interview berichtete Vettel, er habe seinem Team ins Gewissen geredet: So ein Zündkerzen-Defekt wie in Bahrain dürfe sich nie wieder abspielen.

Nun ist es ein anderes Problem, und was Vettels Zutrauen in die "Flotte Liz" wohl kaum erhöhen wird: Sein Team weiß laut Horner nicht einmal, was den Red Bull wirklich stoppte: "Das ist offensichtlich ein neues Problem."

Vorwürfe der Konkurrenz

Und noch etwas kommt hinzu: Die Konkurrenz - allen voran McLaren - verdächtigt das österreichische Team, seinen Rennwagen illegal zu beschleunigen. Der Red Bull verfüge über eine automatische Höhenverstellung, mit welcher sich der Anpressdruck des RB6 regulieren lassen soll. Das enorme Tempo im Qualifying sei Ergebnis dieser Technik.

Ein solches Konstrukt wäre illegal. Erwiesen ist bisher nichts. Laut "auto, motor und sport" untersucht der Weltverband FIA vor jedem Rennen die Autos - und hat bei keinem der Starter ein verbotenes System entdeckt.

Trost von Schumi

Auch Mercedes-Teamchef Ross Brawn glaubt nicht an Manipulation: "Sie haben ein sehr gutes Auto gebaut, und wir haben keinerlei Anhaltspunkt, dass sie etwas Verbotenes machen."

Und auch ein anderer stärkte seinem jungen Landsmann den Rücken: Rekord-Weltmeister Michael Schumacher, in Melbourne ebenfalls nicht vom Glück verfolgt.

"Es ist schade für Sebastian, denn er hat einen super Job gemacht", tröstet der Mercedes-Star den Kron-Prinzen, mit dem er schon häufiger das "Race of Champions" siegreich bestritten hatte: "Sein Ausfall tut mir Leid."

"Das ist Racing"

Schumacher war gleich zu Beginn des Rennens in ein Gerangel mit Fernando Alonso und dem späteren Sieger Button verwickelt worden und zeitweilig sogar Letzter.

Mit Platz zehn rettete er was zu retten war (und sogar einen WM-Punkt), und vielleicht sollte sich Vettel von der Gelassenheit des Altmeisters ein Stück weit anstecken lassen.

Einen Vorwurf wolle er trotz des Tohuwabohus im Albert Park niemandem machen, bilanzierte Schumi das für ihn unerfreuliche Renngeschehen: "Ich denke, da muss man sagen, das ist Racing."

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