DSF-Experte Peter Kohl zieht in den Tops und Flops eine Bilanz des Australien-GP. Das silberne Nationalteam kommt nicht gut weg.

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TOPS

Jenson Button: Die Kollision zu Beginn ist Racing - drei Autos in einer sich verengenden Kurve gehen nicht, jeder kämpft um seine Position, das geht alles dermaßen ratzfatz, da sehe ich keinen "Schuldigen" - der Reifenpoker des Titelverteidigers war genial - volles Risiko belohnt mit dem totalen Triumph - das hatten ihm die wenigsten zugetraut.

Lewis Hamilton: Aggressiv von der ersten bis zur letzten Sekunde, geile Überholmanöver - er sorgte für die Show, ein brillanter Entertainer auf vier Rädern. Dass er für die taktische Fehlleistung den dritten Boxenstopp betreffend über Boxenfunk weltweit hörbar einen Schuldigen benannt haben wollte, fand ich anmaßend und unsympathisch. Menschlich hat der Bursche noch Defizite.

McLaren: Dass die Truppe so schnell Anschluss an Red Bull und Ferrari gefunden hat, verdient ein Sonderlob, macht die WM noch spannender.

Fernando Alonso: Seine Aufholjagd nach dem Dreher war faszinierend - ebenso, dass er am Ende cool blieb, und Teamkollege Massa nicht auf Biegen und Brechen attackierte mit aufgebrauchten Reifen - die Gefahr, dass beide auf der Strecke bleiben, war extrem groß - denn Massa weiß, dass er Ergebnisse bringen muss, der hätte mit Sicherheit nicht zurückgesteckt.

Robert Kubica: Ich gebe es ehrlich zu, ich habe den Renault total unterschätzt, eine solche Performance wie in Melbourne nicht für möglich gehalten. Kubica war in allen Trainings vorne mit dabei, immer richtig schnell und konkurrenzfähig. Sein Turbostart war die Basis für ein verdientes Top-Ergebnis. Die Biene Maja im Feld wird mir richtig sympathisch - schön, dass da jemand ist, der die Großen zu ärgern vermag.

Der Australien-Grand-Prix: Ein Brüller! Nach dem Gähn-Event in Bahrain genau das Richtige - die Formel 1 rockt doch noch.

Der Schutzengel von Nico Hülkenberg: Als Kamikaze-Kobayashi den Emmericher mit über 200 km/h torpedierte und mit seinem Auto über seinem Kopf auftauchte, hätte das Schlimmste passieren können. Kernschrott im Kiesbett ist bitter ? aber, dem Himmel sei Dank, gab es keine Verletzte!!!!

Melbourne: Einfach eine überragende Location für ein Rennen. Dazu tolle Fans, eine mitreißende Atmosphäre. Down Under rules!

Hispania Racing: Ohne einen einzigen Testkilometer auf den letzten Drücker in die Saison gerutscht - und in Australien mit Formel-1-Neuling Karun Chandhok ein Auto ins Ziel gebracht. Das ist aller Ehren wert - das Team von Collin Kolles hat Großes geleistet. Weiter so!

Timo Glock: Seine rollende Jungfrau ist defektanfällig und alles andere als konkurrenzfähig. Trotzdem hat er nach dem Restart rundenlang mit Michael Schumacher im Mercedes GP gekämpft. Auf Augenhöhe ? Respekt!

SO LALA

Nico Rosberg: Das ganze Wochenende über kein gutes Setup gefunden. Mit dem von Michael Schumacher in der Quali gerade noch ein paar Tausendstel vor selbigem. Und im Rennen dann farblos und blass. Schade, das kann er deutlich besser!

Vitantonio Liuzzi: Zwei Rennen, zwei Mal in den Punkten, das ist beachtlich. Mir fährt der Italiener aber zu brav, da kommt nie eine bemerkenswerte Szene, ein mutiges Überholmanöver oder Ähnliches. Die Top-Ergebnisse sind einem sehr konkurrenzfähigen Fahrzeug geschuldet.

FLOPS

Sebastian Vettels Red Bull: Die Zuverlässigkeitsprobleme an seinem RBR 6 bringen den vermeintlichen Titelanwärter schon nach den ersten beiden Rennen in Zugzwang. Das ist bitter, denn Vettel selber hat sich nichts vorzuwerfen. Er ist turboschnell, hat zweimal in Folge das Qualifying beherrscht. Hoffentlich verliert er nicht die Nerven, denn dass der Frust tief sitzt, ist nur allzu verständlich.

Mark Webber: Ich dachte, Erfahrung bringt Reife. Dass er für diese Fehlerorgie bei seinem Heim-Grand-Prix auch noch Punkte bekommen hat, ist peinlich.

Mercedes GP: Man hat sich das Weltmeisterteam unter den Nagel gerissen, dazu Formel-1-Genie Ross Brawn als Chef und den begehrtesten Motor im Feld. Trotzdem fehlt viel zur Spitze, sind Red Bull, Ferrari und auch McLaren enteilt. Das ist enttäuschend

Michael Schumacher: Der Frontflügelschaden zu Beginn war Pech. Aber Schumi war nach der Safety-Car-Phase direkt hinter Alonso. Der kam bis auf Platz vier nach vorne, während sich der siebenmalige Weltmeister eine Ewigkeit lang mit dem Toro Rosso von Alguersuari herum plagte und nicht vorbei kam. Das ist zu wenig, da darf man mehr erwarten ? drei Jahre Rennpause hin oder her.

Sauber-Ferrari: Derzeit nur farblose Mitläufer, dazu sehr fragile Frontflügel, die Kamui Kobayashi zweimal in ernsthafte Schwierigkeiten brachten. Andere haben auch Boden- oder "Feindkontakt" mit den Dingern, die zerbröseln aber nicht gleich! Da müssen die Schweizer ran - auch an die eigene Performance - die ist leider sehr mager.

Schön, dass es am Freitag schon wieder weitergeht! Auf ein Neues in Malaysia!

Ihr Peter Kohl

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