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Michael Schumacher belegt beim Qualifying in Sepang Platz acht © imago

Chaos-Qualifying in Malaysia: Pole-Setter Mark Webber wünscht sich ein Kanu. Schumi fahren die deutschen Nachfolger um die Ohren.

Von Marc Ellerich

München - Für Mark Webber kam die Pole Position um eine ganze Woche zu spät.

Was wäre das für ein Hallo gewesen, wenn der australische Lokal-Matador sein Auto beim vorigen Grand Prix in seiner Heimat auf den ersten Startplatz gestellt hätte?

Doch auch so blieb dem Red-Bull-Piloten reichlich Anlass zur Genugtuung: Schließlich hatte er es allen gezeigt in einem chaotischen, von einem abrupten malaysischen Regenguss sogar für eine knappe Viertelstunde unterbrochenen Qualifying zum Malaysia-Grand-Prix (So., ab 9.45 Uhr LIVE) (SERVICE: Das Quali-Ergebnis).

Meterologische Endzeitstimmung

Zum Teil herrschte auf dem Sepang International Circuit meteorologische Endzeitstimmung (220507Die Bilder). "Im zweiten Durchgang hätten wir ein Kanu gebraucht", berichtete der Australier, so chaotisch sei es im malaysischen Monsun zugegangen.

Und Webber machte - bewusst oder nicht - alles richtig. Er ließ im entscheidenden dritten Durchgang der Qualifikation Intermediate-Pneus aufziehen und wurde der Sieger im großen Reifenpoker am späten Nachmittag. Die Belohnung war die Pole Position (DATENCENTER: Die Startaufstellung).

Als Einziger auf Intermediates

Und wenn man Webber so reden hörte, schien es eine Pole im Blindflug gewesen zu sein. Während der Zeitenjagd habe er nicht gewusst, "ob ich der einzige Fahrer auf den Intermediates bin, sozusagen das Schwarze Schaf unter den Top-Ten."

Am Ende dürfte ihm das ziemlich egal gewesen sein. Letztlich hatte er sie alle ja hinter sich gelassen. Zu allererst seinen schnellen Teamkollegen Sebastian Vettel, der sich in diesem Jahr bereits zweimal als schnellster Qualifier präsentiert hatte. Diesmal wurde er Dritter.

Rosberg Zweiter

Dann auch seinen direkten Verfolger, den Mercedes-Youngster Nico Rosberg, der neben ihm als Zweiter in den dritten Grand Prix des Jahres geht. 1,3 Sekunden betrug Webbers Vorsprung auf Rosberg, auf Vettel waren es 1,4 Sekunden. (Exklusiv: Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko im Interview der Woche)

Auch die beiden anderen Deutschen hatten Webber nur von hinten gesehen: Adrian Sutil im Force India, als Vierter, und der beeindruckende Williams-Rookie Nico Hülkenberg, der - kaum zu glauben - die fünftschnellste Runde zustande brachte.

Schumacher fehlen 2,5 Sekunden

Und schließlich die richtig großen Namen: Dem einstigen "Regengott" Michael Schumacher fehlten als Achtem letztlich 2,5 Sekunden auf Webbers Bestzeit von 1:49,327 Minuten. (Schumi und Vettel wollen antworten)

Womit der Mercedes-Pilot noch gut bedient war, denn andere traf es in der Sintflut von Sepang noch viel schlimmer.

Desaster für Rot und Silber

Die Ferrari-Stars Fernando Alonso und Felipe Massa verzockten sich durch zu langes Abwarten völlig und blieben bereits im ersten Durchgang hängen. Sie gehen als 19. und 21. in den Grand Prix. Genauso erging es dem McLaren-Weltmeister-Duo Lewis Hamilton und Jenson Button, das sich auf den Plätzen 20 und 17 wiederfand.

Allzu sehr sollten sie sich nicht grämen, gab ihnen Webber mit auf den Weg, zu unberechenbar sei das alles gewesen: "Ich würde keinem die Schuld geben", sagte er. "Man konnte so schnell daneben liegen und auf dem Hintern landen, es war sehr, sehr tückisch. Du hattest keine Chance, zu reagieren."

"Das totale Chaos"

Dass sich eine tückische Lotterie in der südostasiatischen Metropole abgespielt hatte, wusste hinterher natürlich nicht nur der Glückspilz aus Down Under.

Rosberg freute sich über seinen zweiten Startplatz beinahe wie über einen Rennsieg: "Das war heute das totale Chaos", sagte der Mercedes-Pilot: "Man musste den Überblick behalten, und das ist uns heute super gelungen."

Schumacher "bisschen enttäuscht"

Schumi, der das schlechtere Ende der beiden Mercedes-Piloten erwischt hatte, hingegen war "natürlich ein bisschen enttäuscht". Schumacher, der zeitweilig sogar die schnellste Zeit stehen hatte, hatte sich offenbar mehr ausgerechnet: "Weil ich vorher eigentlich immer absolut vorne dabei war, wenn ich draußen war. Es war wesentlich mehr drin." (Schumi fürchtet Vettel)

Warum er im Schlussakkord der turbulenten Zeitenhatz dann doch am schlechtesten aller deutschen Piloten abschnitt, auch dafür wusste er einen Grund. Seine Reifen bereiteten ihm erneut große Probleme. In seiner zweiten schnellen Runde "gingen sie nicht mehr, sie rutschten nur noch", einen Umlauf später "ging dann gar nichts mehr".

Ein fortdauernder Lernprozess sei das, erläuterte der 41-Jährige. Auch in Q3 habe er einen Fehler gemacht, war auf Nummer sicher gegangen, um sich nicht im Kiesbett wiederzufinden, räumte der Mercedes-Star ein.

Er hofft nun auf einen turbulenten Grand Prix: "Vielleicht kann ich am Start ein paar Plätze gutmachen. Wir könnten bei diesen Wetterbedingungen ganz vorne dabei sein."

Vettel: Sehr gute Ausgangslage

Und Vettel? War zufrieden mit seinem Startplatz in der zweiten Reihe. "Für mich ist Platz drei eine sehr, sehr gute Ausgangslage. Morgen erwartetet uns ein sehr langes Rennen, in dem viel passieren kann." Er sei guter Dinge. Das Auto, das ihm nach den ersten beiden Grands Prix dank technischer Defekte Platz sieben in der WM beschert hatte, funktioniere.

Aber vielleicht schwemmt die Flut über Kuala Lumpur, die auch für den Sonntag angesagt ist, dann ja auch den Überraschungsmann des Tages noch weiter nach vorne, wer weiß das schon.

Nico Hülkenberg feierte seine Qualifying-Sensation im Regen anschließend als "einen kleinen Durchbruch".

Nun will er mehr. Für den Grand Prix kündigte der Wiliams-Neuzugang an: "Ich werde nicht scheu sein. Ich glaube, im Rennen ist alles drin, ob es nass ist oder trocken."

Na dann, Wasser marsch!

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