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Sebastian Vettel liegt mit 37 Punkten auf Platz zwei der Fahrer-WM © getty

Mit nur einem Sieg meldet sich Sebastian Vettel im WM-Kampf zurück. Michael Schumacher lässt sich von seinem Aus nicht beirren.

Von Marc Ellerich

München - Der Teamchef sorgte persönlich für Ruhe.

Red-Bull-Vorsteher Christian Horner befürchtete offenbar das Schlimmste und sah sich kurz vor dem Start des Malaysia-Grand-Prix zu einer Durchsage an seine beiden Piloten genötigt. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

"Benehmt euch", rief er Sebastian Vettel und Mark Webber vor ihrer langen Fahrt durch die malaysische Hitze zu - und er hatte Grund genug, sein Fahrergespann zur Vorsicht zu ermahnen, wie er gleich zu Beginn des Rennens beobachten musste. (BERICHT: Vettel siegt in Malaysia)

Vettel von drei auf eins

Mit einem raketengleichen Start hatte sich Sebastian Vettel da vom dritten auf den ersten Platz katapultiert - vorbei am Landsmann Nico Rosberg im Mercedes und Pole-Setter Mark Webber aus dem eigenen Team. (220861Die Bilder des Rennens)

"Ich habe es gerade so geschafft", berichtete Vettel über die Startszene, die seinem Chef gewiss das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Gerangel mit Webber

An der ersten Kurve ging das Gerangel mit Webber weiter, weil der nicht ohne Weiteres klein beigeben wollte. Und für Vettel gibt es in diesem Jahr ohnehin nur ein Ziel, auf das er fixiert ist bis zur Verbissenheit. Nachgeben wollte auch er nicht.

Sechste Sieg der Karriere

"Aus Sicht des Teams wäre es das Schlimmste gewesen, wenn sie sich gegenseitig rausgekegelt hätten", schilderte Horner seine ärgsten Befürchtungen. Die letztlich unbegründet blieben: "Sie haben sich absolut fair verhalten", stellte Horner nach dem dritten Grand Prix in der Hitzeglut von Kuala Lumpur fest.

Nach der zweiten Kurve blies Webber seinen Angriff auf den Teamkollegen schweren Herzens ab, bzw. musste den schnelleren Vettel ziehen lassen. Und der Hesse eilte fortan unbedrängt zu seinem ersten Sieg dieser Saison, dem sechsten seiner Karriere - vor Webber, und vor Rosberg, der den neuen Mercedes erstmals in diesem Jahr unter die vordersten Drei steuerte.

"Er hat den Sieg verdient"

Artig gratulierte Webber anschließend seinem deutschen Nebenmann: "Das war heute ein guter Kampf, aber er hat den Sieg verdient."

So viel Fairness ist selten in der Formel 1, aber vielleicht hatte der Australier nach dem Doppel-Erfolg auch die Steine poltern gehört, die dem Jüngeren von der Seele plumpsten.

Befreiung für Vettel

"Ich bin natürlich sehr, sehr glücklich, dass es endlich geklappt hat", feierte Vettel seinen ersten Saisonsieg überschwänglich: "Nach den ersten beiden Rennen wurde es jetzt doch langsam Zeit. Aber wie sagt man so schön: Aller guten Dinge sind drei."

Vettels Befreiung ist nur zu gut verständlich. Auch wenn Red Bull Motorsport-Beauftragter Helmut Marko vor dem Grand Prix im Sport1.de-Interview-der Woche behauptete, Vettel nehme die Sache locker: Welcher Druck vom Youngster nach zwei verkorksten Grands Prix abfiel, verriet anschließend sein ausgelassener Jubel.

Fortan dürfte er die Sache vielleicht wirklich etwas gelassener angehen, in Sepang hat er selbst erlebt, wie schnell es mit dem neuen Punktesystem gehen kann - nach oben wie nach unten.

Deutlicher Sprung nach vorne

In der WM-Wertung machte er einen deutlichen Sprung nach vorne. Vettel kletterte vom siebten auf den zweiten Rang. Er liegt nun gleichauf mit seinem WM-Widersacher Fernando Alonso zwei Punkte hinter dem führenden Ferrari-Lenker Felipe Massa (39 Zähler), der Siebter wurde. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Alonso hat dieselbe Erfahrung gemacht wie Vettel, nur geht bei ihm der Trend genau in die entgegengesetzte Richtung. Beim bisherigen WM-Leader gab zwei Runden vor Schluss das Getriebe den Geist auf - null Punkte.

Wie bei Vettel

Und welche Lehren Michael Schumacher wohl ziehen wird aus Kapitel drei seiner persönlichen Entrostungsphase?

In Runde zehn versagte sein Mercedes-Renner den Dienst - wie bei Vettel im Rennen zuvor fehlte plötzlich eine Radmutter. Machtlos erlebte Schumacher die ansehnliche Fahrt seines jüngeren Kollegen Rosberg, dem trotz Magenproblemen am Sitz des Teamsponsors Petronas eine - für die Silberpfeile - historische Fahrt gelang.

Lob für Rosberg

Zwar habe er den Red Bull nicht folgen können, auch weil er mit durchdrehenden Rädern gestartet sei, bilanzierte Rosberg: "Aber es ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Der dritte Platz ist insgesamt fantastisch."

Auch Schumacher spendete anschließend Lob: "Dass er vorne dabei ist, war nicht anders zu erwarten. Er ist richtig gut unterwegs."

Er selbst noch nicht, wenn man nur auf die Ergebnisse achtet. Doch selbst der jüngste Nuller schmerzte den Rekord-Weltmeister angeblich nicht. (INTERVIEW: "Bin voll im Plan")

Hamilton stützt Schumi

"Absolut schade drum", kommentierte Schumi sein Aus, "das Auto war bis zu diesem Zeitpunkt recht gut unterwegs". Beim Start - "der war gut" - war Schumacher von Platz acht auf die sechste Position gerast:

Wohl auch angesichts solch kleiner Erfolgserlebnisse sieht er sich "voll im Fahrplan" - anders als die Kritiker, die mit ihm nach dem letzten Grand Prix in Melbourne hart ins Gericht gegangen waren.

"Seit Bahrain ist ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen", behauptete der 41-Jährige dagegen. Unterstützung erfuhr er von Lewis Hamilton, der in einem "Welt-Interview" sagte: "Michael wird sich in kürzester Zeit noch massiv steigern und ein extrem schwerer Gegner für uns alle." Rosberg redet Schumi stark

Hoffen auf Europa-Start

Seinen Blick richtet Mercedes-Star Schumacher dennoch bereits auf den Europa-Start der Formel 1 Anfang Mai in Barcelona. "Wir haben ja immer noch den großen Schritt nach vorne vor Augen", sagte Schumi: "Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich bin nach wie vor sehr optimistisch. Lasst uns mal abwarten."

Und auch Vettel schaute nach seinem Sieg bereits nach vorne - wenngleich aus anderen Gründen. "Ich bin froh, aus dem Ofen hier wieder herauszukommen", spielte der 22-Jährige auf die extremen Temperaturen beim Südostasien-Rennen an: "Es ist doch ziemlich heiß und für jeden Europäer ein bisschen unangenehm. Aber wenn man so das Land verlässt, ist es wunderschön."

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