Für Jacques Schulz führt der Sieg beim China-Grand-Prix nur über Red Bull. Auf Mercedes wartet seiner Meinung nach viel Arbeit..

Hallo Formel-1-Fans!

Das Rennen in China ist der vierte Grand Prix vor der Frühlingspause der Formel 1, ehe die Teams mit völlig veränderten Autos den Europa-Start angehen werden. In Spanien wird sich das Kräfteverhältnis dann eventuell noch einmal verschieben. In den China-GP gehen die Teams aber mehr oder weniger mit dem gleichen Material wie in die ersten drei Rennen.

Vom Strecken-Layout ist Schanghai mit Malaysia nicht unbedingt zu vergleichen, aber es geht in dieselbe Richtung, sprich: schnelle Kurven, rauer Asphalt und massive Reifenbelastung.

Und hier hat Red Bull ein deutlich schnelleres Auto als die Konkurrenz. Deshalb sehe ich Sebastian Vettel in der Lage, seinen Vorjahressieg überlegen wiederholen zu können. Für mich ist er klarer Top-Favorit.

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Der Red Bull hat eine hervorragende Balance und damit eine Reifen schonendere Charakteristik als Ferrari und vor allem Mercedes. Die Reifen über die Rennabschnitte bis zum Wechsel zu bringen, auch das kann Red Bull am besten. Und: Vettel hat Rückenwind, er hat die Punkte, hat Webber demontiert in Australien und Malaysia. Die Hackordnung ist geklärt.

Ihre Zuverlässigkeitsprobleme, die nun auch Teams wie Ferrari und Mercedes eingeholt haben, haben sie vor dem vierten Rennen ebenfalls im Griff.

McLaren hat sich im Power-Ranking von Platz drei auf zwei verbessert. Der MP4-25 hat sicherlich weniger Abtrieb als der Red Bull. Aber - und das ist auf den langen Geraden in Schanghai allemal ein Thema - das Auto hat den besten Top-Speed.

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Gegenüber Ferrari können die Engländer mit der besseren Zuverlässigkeit punkten. Ich denke, dass die Italiener sehr vorsichtig in den China-Grand-Prix gehen werden. Hinzu kommt nach zwei sensationellen Rennen der Hamilton-Faktor, aber auch Jenson Button hat bereits einen Sieg eingefahren. Für mich sind die beiden Vettels erste Verfolger.

Kein Vorwurf von meiner Seite an Fernando Alonso. Er ist in Malaysia mit defektem Getriebe einfach sensationell gefahren. Sogar mit dem Getriebe-Problem konnte er Button noch angreifen, das zeugt von Klasse. Am Getriebe ist er ja auch nicht gescheitert, sondern am Motor, der schlagartig kaputtging.

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Felipe Massa ist zwar WM-Leader, aber hat mich vom Speed her nicht überzeugt. Es ist zwar noch nicht beängstigend, aber doch bemerkenswert, dass Alonso so viel schneller wirkt.

Gegenüber Red Bull fehlt es den Roten offensichtlich an Speed. Allerdings geben Massa seine Punkte Recht. Ferrari hat von Anfang an alle 19 Rennen im Blick. Mit dem neuen Punktesystem belohnt dich jeder Zähler, lieber werden sie mal Dritter, Vierter oder Fünfter. Insgesamt reicht das für Rang drei. Und: Ferrari ist näher an McLaren als die Engländer an Red Bull.

Die Silberpfeile sehe ich nach wie vor auf der vierten Position. Mercedes muss zum einen die Zuverlässigkeit in den Griff kriegen, Stichwort: Schumis Radmutter. Zweitens müssen sie Speed finden. Und in Schanghai haben sie ein drittes Problem, nämlich die Vorderreifen. Die Kurven dort gehen extrem auf die Vorderreifen, speziell auf den linken, und das ist etwas, das der Mercedes überhaupt nicht vertragen kann.

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Das Auto untersteuert, was besonders Michael Schumacher hasst. Nico Rosberg kann das einigermaßen kaschieren.

Das alles sind die Argumente dafür, dass Mercedes sich eher nach hinten orientieren muss, um sich Renault vom Leib zu halten. Das ist nicht bedenklich, aber es ist eben die Realität. Deswegen denkt Michael Schumacher auch schon Richtung Europa. China, wo er 2004 seinen letzten Sieg gefeiert hat, nimmt er einfach mit. Das Material, um dort seinen 92. Erfolg zu feiern, hat er nicht.

Es ist sensationell, was Robert Kubica aus dem Auto herausholt. Witali Petrow schlägt sich zwar recht ordentlich, aber er kann das Leistungsvermögen des Autos nicht nutzen. Kubica hingegen fährt mit dem Renault über Gebühr gut. Auf ihn muss Mercedes achten. Reif fürs Podium sehe ich ihn dennoch nicht, aber das ist auch Mercedes nicht. Es geht darum, die Punkte mitzunehmen.

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Nach China wird es ein Entwicklungsrennen geben. Wer am meisten Potenzial am Auto findet, hat in Barcelona die Nase vorne. Das sind natürlich vor allem die großen Teams.

Und dort sehe ich mehr Potenzial bei den drei ersten Rennställen. Denn Mercedes hat noch ein Problem: Es ist das kleinste Team, was die Manpower angeht. Ferrari, McLaren und sogar Red Bull haben deutlich mehr Leute und somit mehr Möglichkeiten. Bei Mercedes hat Brawn schon auf 300 oder 400 Mitarbeiter heruntergeschraubt. Die anderen müssen das erst Ende des Jahres machen.

Es braucht schon einen sehr genialen Einfall von Brawn, um beim Europa-Auftakt die erforderlichen zwei Schritte zu machen, mit denen sie die anderen überflügeln könnten.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mercedes das schaffen kann. Die anderen machen doch auch einen Schritt. Der Abstand wird vielleicht einen Tick kleiner. Aber sie werden nicht mit einem Kraftakt auf Augenhöhe kommen.

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

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