Experte Jacques Schulz erwartet beim Neustart in Barcelona keine großen Veränderungen der Hackordnung. Schumi macht Boden gut.

Hallo Formel-1-Fans!

beim Grand Prix in Barcelona erleben wir im Prinzip einen zweiten Saisonstart. Die Rennställe haben deshalb in den letzten drei Wochen alles Mögliche versucht und ausprobiert.

Vordergründig sehen die Autos in Spanien zwar aus wie vorher, aber en detail lassen sich zahlreiche Veränderungen finden. Allen voran hatte natürlich Mercedes die größte Aufgabe. Dieses Auto ist am gründlichsten renoviert worden.

Jetzt wird sich zeigen, ob die Silberpfeile zwei Schritte machen können, denn auch die anderen machen ja mindestens einen. Bei den Top-Teams reden wir von Zeitverbesserungen im Zehntelbereich. Unter dem Strich gehe ich davon aus, dass es nur kleine Veränderungen in der Hackordnung geben wird. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

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Aufgrund des Streckenlayouts, sprich: den vielen schnellen Kurven, ist Red Bull in Barcelona mein Topfavorit. Das Auto ist alles in allem am ausgewogensten. Red Bull kann es sich daher leisten, auf den F-Schacht zu verzichten, bis ihn Design-Guru Adrian Newey gründlich durchdacht hat. Sie sind da nicht so stark unter Druck wie Ferrari - daran ändert auch die lange Gerade bei Start und Ziel nichts.

In den schnellen Kurven des Circuit de Catalunya wird der RB6 zeigen, was er kann. Das Auto ist für die Pole Position sicherlich prädestiniert. Ich halte es mittlerweile auch im Rennen für zuverlässig. Deswegen sehe ich Sebastian Vettel und Mark Webber in Barcelona definitiv vorne.

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Direkt dahinter kommt Ferrari. Sie haben fieberhaft am F-Schacht gearbeitet. Für Ferrari ist das Aero-System am allerwichtigsten - deswegen haben sie auch einen der vier erlaubten Testtage geopfert. Die Roten sind fast so schnell wie die Rivalen vom Red-Bull-Team. Wenn sie im Rennen das System hätten, dann könnte zumindest Fernando Alonso den Red Bull packen. Ich gehe davon aus, dass der Spanier das System bei seinem Heimrennen fahren wird. Er muss in Spanien wieder gewinnen, um weiter vorne dran zu bleiben.

Die Roten sind also ebenso wie das britische Nationalteam McLaren näher an Red Bull herangerückt. Doch der Vorteil liegt in Spanien immer noch beim Vettel-Team. Das sieht in Monaco schon wieder ganz anders aus.

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Platz drei geht an McLaren. Die Engländer verfügen als einzige über einen ausgereiften F-Schacht und können es sich leisten, Top-Speed für Abtrieb zu opfern - ein Vorteil in den langsamen Kurven. In den schnellen sind sie ja ohnehin nicht weit weg von Red Bull und Ferrari. Mit dem McLaren kann man überholen, Lewis Hamilton erst recht. Er ist jetzt langsam mal fällig für den ersten richtigen Aufreger - das Wort Sieg will ich nicht in den Mund nehmen.

Wenn er es Qualifying hinkriegt, ist Hamilton für mich locker auf Podiumskurs. Ich halte ihn immer noch für den besseren Racer. Ihn darf man auf keinen Fall abschreiben. Aber auch an Jenson Button gibt es wenig zu kritisieren. Aufs Jahr gesehen ist die Taktik des Reifenflüsterers sicher nicht verkehrt.

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An vier setze ich Mercedes. Bei ihnen ist das gesamte Auto eine Baustelle gewesen. Mercedes hat das Auto anders als die drei ersten Teams nicht nur im aerodynamischen Bereich verbessert. Das alte Auto neigte sehr zum Untersteuern. Michael Schumacher, der gerne mit dem Heck lenkt, konnte das gar nicht leiden. Und in den schnellen Kurven von Barcelona ist das Gift. Das mussten sie also wegkriegen, darin liegt für mich der Schlüssel: Die Vorderreifen zu entlasten, um Schumacher das Vertrauen ins Auto wiederzugeben. Dann kann er vorne angreifen.

Und die alles entscheidende Frage, die den deutschen Fan an diesem Wochenende interessiert, lautet natürlich: Ist Schumacher in der Lage, ums Podium mitzufahren? Ich glaube an die Fähigkeiten von Ross Brawn und Michael Schumacher. Sie werden einen Riesenschritt machen und Laufe des Jahres Siegkandidaten sein. Wobei ich die erste Chance dafür in Monaco sehe, nicht in Barcelona. Aber: Ein Podium muss für Schumi drin sein, das hat Nico Rosberg ja bewiesen.

Ich glaube übrigens nicht, dass die Neuerungen am Mercedes zu Lasten von Nico gehen. Seine Generation kennt die Reifen und hat das Handling der neuen Autos im Blut. Wenn das Auto funktioniert, ist Rosberg derjenige, der um die WM fährt. Er wird unter dem Update nicht leiden, ganz im Gegenteil.

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Und dahinter? Renault und Force India balgen sich um die Rolle der Nummer fünf. Ich gehe zwar davon aus, dass Adrian Sutil in Barcelona gut aussehen wird. Er hat dort das bessere Paket als Robert Kubica. Danach aber, in Monte Carlo, ist der verdammt schnelle Renault für mich der Podiums-Geheimtipp. Unter Abwägung beider Rennen in Spanien und Monaco ist Kubica meine Nummer fünf.

Stichwort Monte Carlo. Es ist das verrückteste Rennen des Jahres, bei dem keinerlei Gesetze gelten. Das Rennen liefert von jeher die größten Überraschungen und die verrücktesten Resultate. Die herkömmlichen Kräfteverhältnisse scheinen in Monaco aufgehoben zu sein, der Fahrer kann dort unglaublich viel wettmachen. Kubica, aber auch Hamilton oder Schumacher könnten dort glänzen.

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

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