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Mark Webber (l.) gewann in Spanien das dritte Formel-1-Rennen in seiner Karriere © imago

Sebastian Vettel hadert nach dem Europaauftakt mit seinen Problemen und rätselt über die Gründe. Sein Teamkollege triumphiert.

Von Julian Meißner

Barcelona/München - Die Glückwünsche zum Muttertag kamen Sebastian Vettel nur gequält über die Lippen.

Höflich, aber mit finsterer Miene grüßte der deutsche Red-Bull-Pilot auf der Pressekonferenz nach dem Großen Preis von Spanien in die Heimat und war in seinen Gedanken doch ganz woanders.

Zuviel war schiefgegangen an diesem fünften Rennwochenende der Saison für den Vize-Weltmeister, als dass er sich über den hart erkämpften Platz auf dem Podium hätte freuen können.

Nur Rang drei im Rennen nach Startplatz zwei, der souveräne Sieg des Teamkollegen und Pole-Setters Mark Webber, dazu mannigfaltige Probleme mit dem Auto: Vettels Europaauftakt verlief wahrlich nicht nach Plan (DATENCENTER: Das Rennergebnis) .

Rückzugsanweisung von der Box

"Eine wilde Fahrt", erlebte der 22-jährige Heppenheimer, der in den letzten Runden fast nur noch mit dem Motor bremste, da seine Bremsscheiben zu explodieren drohten: "In den letzten Runden ist mir die Bremse komplett flöten gegangen. Ich bin die letzten zehn Umläufe fast ohne Bremsen um die Strecke gefahren und hatte Glück, dass ich das Auto nach Hause gebracht habe."

Offenbar forderten die Strategen am Red-Bull-Kommandostand Vettel sogar zum Rückzug aus dem Rennen auf: "Ihnen war das Risiko wegen der kaputten Bremse zu groß", sagte Vettel zu "auto motor und sport".

Er habe auf eine Nachfrage keine Anwort bekommen und sei weitergefahren, bis der Funkspruch kam: "Fahr weiter, aber pass auf."

Schwächen bei Balance und Timing

Schon beim ersten Boxenstopp nahm das Unheil seinen Lauf, nachdem Vettel am Start McLaren-Pilot Lewis Hamilton noch hatte hinter sich halten können 234925(DIASHOW: Bilder des Rennens).

"Beim Start hatte ich keine Chance, Mark zu überholen. Danach hatte ich Probleme mit der Balance und dann kam der blöde Boxenstopp", fasste Vettel zusammen: "Zum einen war er zu langsam, zum anderen war Verkehr in der Boxengasse. Ich hatte das Gefühl, dass ich da neun Sekunden stehe. Dann war Lewis Hamilton vorbei, und ich hatte keine Chance zu überholen. Und so haben wir den Doppelsieg verpasst."

Webber rückt näher

Zehn Punkte beträgt sein Rückstand in der WM nun auf Jenson Button. Dem Weltmeister vom McLaren-Team genügte der fünfte Rang, um seine Führung in der Fahrerwertung zu verteidigen.

Sieben Zähler vor Vettel liegt Fernando Alonso, der mit dem zweiten Platz beim Heimspiel seinen Nummer-eins-Status bei der Scuderia Ferrari untermauerte, sieben Zähler hinter Vettel pirscht sich Webber heran.

"Habe mich nicht wohlgefühlt"

Alles noch offen, also. Doch Vettels Sorgenfalten rührten wohl weniger vom Punktestand her als von der krankenden Symbiose mit seinem Boliden RB6 - und das gerade auf dem als Referenzstrecke für den weiteren Saisonverlauf bekannten Circuit de Catalunya.

"Wir haben ein sehr schnelles Auto, aber aus irgendwelchen Gründen hatte ich massive Probleme mit der Balance und habe mich einfach nicht wohlgefühlt", lautete Vettels vage Analyse des Rennens, das emotionalen Unfrieden in ihm hervorrief.

Alonso doppelt im Glück

"Ich weiß überhaupt nicht, wie ich mich fühlen soll. Auf der einen Seite ist sehr viel schief gegangen in diesem Rennen, auf der anderen Seite kann ich sehr froh sein, den dritten Platz und ein paar Punkte gerettet zu haben", beschrieb Vettel das Wechselbad der Gefühle.

Dass es überhaupt noch für Rang drei reichte, verdankte Red Bulls WM-Hoffnung McLaren-Pilot Lewis Hamilton, der sein Rennen nach einem Reifenschaden in der vorletzten Runde an Position drei liegend im Kiesbett beendete.

Zuvor hatte Vettel auch noch Alonso passieren lassen müssen, als er sich nach einem Ausflug neben die Strecke mit seinem schlingernden Boliden für einen Zusatz-Stopp an der Box aufhielt.

Nächste Chance in Monaco

"Es war ziemlich viel Chaos in diesem Rennen, und wir müssen einiges verbessern, damit wir bis zum Jahresende vorn dabei sein können", haderte Vettel, dessen Aussage sich angesichts der brillanten Vorstellung Webbers allerdings schnell auf seine eigene Performance reduziert.

Der Australier bejubelte ein "fantastisches Wochenende" und freute sich über einen "fehlerlosen Grand Prix", auf den schon am nächsten Sonntag das Highlight-Rennen in Monaco folgt.

"Ich war nicht schnell genug", musste sein teaminterner Rivale dagegen anerkennen: "Mark war heute in einer eigenen Liga."

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