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Alte Bekannte: Michael Schumacher und Damon Hill (r.) vor dem Bahrain-GP © imago

Mercedes GP zieht ein schnelles Ende in der Unfall-Affäre vor. Schumis Alt-Rivale Damon Hill bekommt Hass-Mails.

Von Marc Ellerich

München - Es ist ein recht pikanter Randaspekt in der Überhol-Affäre um Michael Schumacher.

In der Rennkommission, die den Mercedes-Star wegen seines spektakulären Manövers gegen Fernando Alonso kurz vor Schluss des Monaco-Grand-Prix' bestrafte, saß ein alter Bekannter des deutschen Rekord-Weltmeister: Ausgerechnet Schumis Dauerrivale aus den Neunzigern, der Brite Damon Hill, war als vierter Kommissar am Jury-Urteil beteiligt. 13336(DIASHOW: Die größten Formel-1-Aufreger)

Dass eine derartige Konstellation Ärger und Verdächtigungen unter den Schumacher-Fans auslöste, lässt sich leicht nachvollziehen - und dämmerte nun auch dem englischen Weltmeister von 1996.

"Schiefes Grinsen"

"Ich habe mich etwas unwohl gefühlt", räumte Hill nun gegenüber englischen Zeitungen ein: "Zum Teil auch, weil ich an einem Urteil über Michael mitwirken sollte." Es sei wohl besser, wenn ehemalige Piloten nur als Berater für die Jury wirken würden, fügte er an.

Dass auch Schumacher über das unfreiwillige Wiedersehen mit Hill nicht glücklich war, lässt sich den Ausführungen des Engländers entnehmen. "Da war definitiv ein schiefes Grinsen, als er in den Raum der Stewards kam."

Hill: Korrekt gehandelt

Doch auch Hill, der von Schumacher 1994 durch einen Crash im letzten Rennen in Australien hauchdünn um den WM-Titel gebracht worden war, erlebt nach dem Vorfall, der das Fahrerlager der PS-Liga in Befürworter und Gegner teilte, keine angenehme Zeit. (DATENCENTER: Der Monaco-GP)

"Die Hass-Mails kommen bereits", schilderte Hill die Reaktion der Schumacher-Fans und versuchte sich gegen den Vorwurf, er sei parteiisch gewesen, zu verteidigen: "Ich gehe davon aus, dass die meisten mir glauben, dass ich korrekt gehandelt habe. Aber ich habe bereits Mails bekommen, die mir Voreingenommenheit vorwerfen."

Haug verteidigt Entscheidung

Schumachers Mercedes-Team hat die Angelegenheit schneller erledigt, als noch am Wochenende erwartet. Der Rennstall wird keinen Einspruch gegen die Bestrafung einlegen. Das teilte Mercedes am Dienstag mit. "Im Sinne des Sports erachten wir diese Entscheidung für richtig. Ergebnisse lange nachzuverhandeln ist in diesem Fall nicht zielführend", erklärte Motorsportchef Norbert Haug: "Nun zählt das nächste, nicht das letzte Rennen."

Haug verteidigte am Dienstag noch einmal die Entscheidung, den Piloten freie Hand für Überholmanöver gegeben zu haben.

"Wir waren wie viele externe Beobachter der Ansicht, dass 'Strecke frei' und 'Grün' das Kommando zum Angriff auf der Strecke ist", sagte der 57-Jährige. Wie Mercedes in seiner Pressemitteilung erklärte, "scheint diese Meinung auch von der Mehrheit der Teams mit Autos in den Top-10-Positionen geteilt worden zu sein, die ihren Fahrern auch die Anweisung gegeben hätten, bis zur Ziellinie zu kämpfen".

Wenn ein Rennen nach einer Safety-Car-Phase wieder freigegeben wird, darf man anders als früher nicht erst an der Start-Ziel-Linie, sondern schon an einer früher markierten Safety-Car-Linie überholen, an der Schumacher und Alonso schon vorbei waren.

Lob für die Kommissare

Doch die Rennkommissare sahen einen Verstoß gegen Paragraph 40. 13 des sportlichen Reglements. "Endet das Rennen, wenn das Safety Car im Einsatz ist, wird dieses am Ende der letzten Runde in die Boxengasse fahren und die Autos werden im Ziel normal abgewunken ohne zu überholen", heißt es dort. Das Abbiegen des Safety Cars werteten sie auf dieser Grundlage nicht als Freigabe des Rennens.

Mercedes lobte die Arbeit der Kommissare in Monaco als "professionell, unparteiisch und sauber" und begrüßte ausdrücklich die Einbindung früherer Fahrer. Man habe den Eindruck gehabt, dass die Kommissare "die Gründe für unsere Interpretation verstanden und erkannt haben, dass es sich um eine neue und bislang nicht getestete Situation gehandelt hat". Allerdings seien sie der Argumentation des Teams nicht gefolgt.

Die FIA habe allerdings jetzt zugestimmt, den Artikel 40.13 zur Diskussion auf die Tagesordnung des nächsten Treffens der sportlichen Arbeitsgruppe zu setzen und zudem auch über die Höhe nach dem Rennen verhängter Strafen nachzudenken, erklärte das Team: "Wir glauben, dass die gegen Michael Schumacher verhängte 20-Sekunden-Strafe unter diesen Umständen unangemessen war."

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