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Mandy, mach kein Quatsch: Vettel untersucht sein Auto © imago

Sebastian Vettel kämpft im Qualifying zum Türkei-GP mal wieder mit der Technik. Schumi ist so gut wie nie. Webber holt die Pole.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel und die Technik des RB6, das wird in dieser Saison allmählich zur unendlichen Geschichte.

Beinahe an jedem Rennwochenende machen dem deutschen Red-Bull-Piloten Defizite seines Rennwagens zu schaffen. So auch während der Zeitenjagd zum siebten Rennen der Saison in der Türkei (Rennen, So. ab 13.45 Uhr Uhr live im TICKER).

Bremsprobleme, so lautete Vettels erste Analyse, nachdem er den letzten Durchgang der Qualifikation in 1:26,760 Minuten auf Platz drei beendet hatte - hinter McLaren Star Lewis Hamilton (1:26,433 Min.) und erneut hinter seinem Teamkollegen Mark Webber. (DATENCENTER: Die Startaufstellung)

Der Australier fuhr in 1:26,295 Minuten die Tagesbestzeit und sicherte sich die vierte Pole-Position des Jahres, die dritte in Serie, was australischen Rekord bedeutete. (BERICHT: Webber auf Pole, Vettel ausgebremst)

Blockierendes Vorderrad

"In der vorletzten Kurve hat das linke Vorderrad blockiert. Erst als ich die Richtung gewechselt habe, hat es wieder angefangen sich zu drehen", schilderte Vettel das Malheur, das in der entscheidenden Phase einen schnelleren Umlauf verhinderte. (242948DATENCENTER: Bilder des Qualifyings)

Die Sorgen wurde er nicht mehr los: "Das gleiche Problem hatte ich in der letzten Kurve wieder. Ich habe dadurch viel Zeit verloren." Vor allem weil er in seinem letzten Versuch erneut behindert worden war: "Ich konnte das Auto in die erste Kurve hinein nicht richtig abbremsen."

Defekter Stabilisator

Ärgerlich für den 22-Jährigen: In den ersten beiden Durchgängen hatte er seine Rivalen scheinbar nach belieben beherrscht - auch den derzeit brillanten WM-Leader Webber.

Jedes Mal, wenn einer seiner Gegenspieler die Bestzeit fuhr, hatte Vettel die bessere Antwort parat. Vettel, Webber, Hamilton, so lautete konsequenterweise die Reihenfolge nach dem ersten Durchgang. Vettel, Webber, Hamilton, so hieß es auch nach Q2.

Und ob es den ehrgeizigen Deutschen zu besänftigen vermag, dass der Red-Bull-Motorsport-Beauftragte Helmut Marko recht bald nach dem Qualifying einen defekten Stabilisator im Heck als Ursache des Problems benennen konnte, darf durchaus bezweifelt werden.

"Wir schauen auf morgen"

Schnell und zuverlässig, so ist der Eindruck des bisherigen Saisonverlaufs, das passt beim jungen Deutschen in diesem Jahr bisher nur selten zusammen.

Daran änderte der Chassis-Wechsel vor dem türkischen Rennwochenende nichts. Der neue Renner, der von Vettel auf den frivolen Namen "Scharfe Mandy" ("Randy Mandy") getauft worden war, machte zwar ordentlich Tempo (was Vettel beim Vorgänger bemängelt hatte) - und ließ seinen Lenker dann doch im Stich, als es wirklich darauf ankam.

So wird Vettel auch im siebten Grand Prix seinem Teamkollegen nacheilen müssen. Und obendrein dem schnellen Hamilton, der mit dem ominösen F-Schacht im McLaren zudem über einen deutlichen Tempovorsprung verfügt. Und der Vorjahressieger, McLaren-Weltmeister Jenson Button, sitzt ihm obendrein im Nacken.

Der Deutsche will sich vom ganzen Ärger nicht beeindrucken lassen. "Ich bin nicht der Typ, der sagt: Das Auto ist kaputt, das war's. Ich will es immer besser machen", kündigte Vettel tapfer an: "Was passiert ist, ist passiert. Wir schauen auf morgen. Das Rennen ist lang."

Schumi: Stark trotz Dreher

Ähnliche Sätze waren von Michael Schumacher zu vernehmen nach einem ebenfalls turbulenten Nachmittag. Mit einem starken Auftritt im letzten Durchgang hatte der Altmeister im Mercedes den fünften Startplatz erobert und wenig später dennoch eine Schrecksekunde erleben müssen. In der tückischen Kurve acht kreiselte Schumi machtlos von der Strecke.

Fahrfehler oder nicht, darüber diskutierten anschließend die Experten. "Er hat es übertrieben", urteilte der frühere Weltmeister Niki Lauda. Auch Mercedes-Testpilot Nick Heidfeld vermutete einen Fehler des Rekord-Weltmeisters.

Schumacher selbst kümmerte das Missgeschick nicht allzu sehr nach seiner bisher besten Qualifying-Fahrt in diesem Jahr.

Er hatte seinen Teamkollegen Nico Rosberg um eine Position hinter sich gehalten und zugleich den Rückstand zur Spitze in respektablen Grenzen gehalten. Sechs Zehntelsekunden fehlten ihm auf Webber, auf Vettel war es lediglich eine.

Blick aufs Podium

Anschließend sprach der Formel-1-Rückkehrer von einem großen Fortschritt, und so ein Dreher, der passiere halt, denn "man versucht natürlich das Maximum".

Sogar die erste Top-3-Platzierung nach seiner Rückkehr mochte der 41-Jährige nicht gänzlich ausschließen: "Sollte es mir am Start gelingen, zwei Positionen gutzumachen, dann darf man über ein Podium nachdenken."

Desaster für Alonso

Auf so eine Idee wird Fernando Alonso beim 800. Grand Prix seines Ferrari-Rennstalls gewiss nicht kommen. Der Spanier schied im zweiten Durchgang der Rundenhatz sang- und klanglos aus und geht als Zwölfter in den türkischen Grand Prix.

Ähnlich wie Vettel war der Weltmeister von 2005 und 2006 zunächst ratlos. "Ich weiß nicht, was los war", rätselte Alonso: "Ich habe nicht gedacht, dass wir so langsam sind."

Aufgeben will der Spanier trotz des neuerlichen Qualifying-Missgeschicks nicht. "Ich hoffe, wir können uns verbessern und so viele Punkte wie möglich holen." Ein Satz, den Vettel nicht hätte besser sagen können.

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