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Sebastian Vettel kollidiert in Runde 41 mit seinem Teamkollegen Mark Webber © getty

Dramatischer Grand Prix in der Türkei: Sebastian Vettel und Mark Webber kollidieren und ermöglichen McLaren den Doppelsieg.

Istanbul - Sebastian Vettel hat im Kampf um den Sieg und die WM-Führung in der Formel 1 die Nerven verloren und ist nach einem spektakulären Crash mit seinem Teamkollegen ausgeschieden (243334Die Bilder) .

Der Red-Bull-Pilot kollidierte beim Großen Preis der Türkei bei Tempo 240 mit Mark Webber. Während der Australier mit einem leicht beschädigten Auto weiterfahren konnte und nach zuletzt zwei Siegen noch den dritten Platz ins Ziel rettete, schied Unglücksfahrer Vettel aus und verschwand stocksauer im Motorhome.

Angeblich hat es bei Red Bull eine interne Ansage gegeben, nach der Webber seinen schnelleren Teamkollegen hätte überholen lassen sollen.

"Ich war auf der Innenseite und habe das Vorrecht auf die Kurve. Wenn man die Bilder sieht, ist es eindeutig, dass Mark die Schuld hat", sagte Vettel, bevor er unmittelbar nach dem Rennende die Strecke verließ. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Schumi Vierter

Zunächst schien Vettel der Sündenbock, auch alle Experten sahen das so. "Sebastian war zu aggressiv unterwegs. Das Risiko ist von ihm ausgegangen", sagte beispielsweise der dreimalige Weltmeister Niki Lauda. (Vettel-Interview: "War nicht übereifrig")

Durch Vettels Manöver war der Weg für Ex-Weltmeister Lewis Hamilton und Titelverteidiger Jenson Button zum McLaren-Doppelsieg frei. Allerdings hätten sich auch die beiden Briten um ein Haar selber abgeschossen und damit sogar Michael Schumacher den Sprung aufs Treppchen ermöglicht.

So aber belegte der Rekordweltmeister beim vielleicht besten Rennen nach seinem Comeback im Mercedes den vierten Platz, gerade mal 6,8 Sekunden hinter Webber, aber noch vor seinem Teamkollegen Nico Rosberg auf Rang fünf.

Webber: Fehler von Vettel

"Man darf dieses Rennen durchaus als Fortschritt sehen", sagte Schumacher. Nach der Kollision der beiden Red-Bull-Piloten habe er sogar kurzzeitig die Hoffnung aufs Podium gehabt: "Aber das ist uns diesmal noch verwehrt geblieben. Aber wir haben ja noch ein paar Rennen in dieser Saison."

Ähnlich beurteilte Mercedes-Sportchef Norbert Haug die Situation: "Unser Speed war erst gegen Rennende okay. Wir haben weiteren Steigerungsbedarf, Platz vier und fünf waren hier das bestmögliche Ergebnis für uns."

Da hatte Vettel längst völlig niedergeschlagen die Rennstrecke verlassen. "Ich bin offensichtlich nicht der glücklichste Mensch der Welt. Aber ich war nicht zu übereifrig. Ich habe einfach versucht, meine Chance zu nutzen", sagte Vettel zum Crash in Runde 40: "Unter Teamkollegen ist das natürlich besonders blöd. Aber man sollte sich auch immer den nötigen Platz geben."

Mark Webber hatte dazu eine ganz andere Position: "Sebastian war sehr schnell. Er zieht aus meiner Sicht zu früh nach rechts."

Horner: Inakzeptabel

Red-Bull-Sportchef Helmut Marko stellte sich auf Vettels Seite: "Mark hätte nachgeben sollen." Teamchef Christian Horner ("Es ist inakzeptabel, so einen Sieg zu verschenken") raufte sich nach Vettels Crash entgeistert die Haare und schüttelte immer wieder den Kopf.

Vor Vettels Motorhome lauerten die Reporter. Vettel machte eine abfällige Handbewegung Richtung Webber und wollte bloß schnell weg. In der Hitze des Gefechts gab es sogar Tumulte, die Fäuste flogen.

Webber behauptet in der WM-Wertung auch nach dem siebten Rennen des Jahres mit 93 Punkten die Führung. Neuer Zweiter ist Button (88) vor Hamilton (84), der seinen ersten Saisonsieg feierte. Vettel (78 Zähler) fiel sogar noch hinter den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso (Spanien/79), der im 800. Formel-1-Rennen von Ferrari hinter seinem Teamkollegen Felipe Massa (Brasilien) nur Achter wurde, auf den fünften Gesamtrang zurück.

Turbulenter Start

Im Gegensatz zu Vettel kam Force-India-Pilot Adrian Sutil ins Ziel und wurde als Neunter mit zwei WM-Punkten belohnt. Williams-Pilot Nico Hülkenberg wurde 17., deutsches Schlusslicht am Sonntag war Timo Glock auf dem 18. Platz.

Beim Start zog Webber nach seiner dritten Pole Position in Serie gleich davon, doch dahinter wurde um jeden Meter gekämpft.

Hamilton hielt Vettel hinter sich, und Schumacher trickste sogar Weltmeister Button aus und schob sich zunächst auf Rang vier vor. Der Rekordweltmeister hatte seinen Aufwärtstrend bereits am Tag zuvor im Qualifying angedeutet, wo er mit Startplatz fünf sein bislang bestes Resultat nach dem Comeback verbuchte.

Button hatte an diesem Tag aber das deutlich schnellere Auto und zog schon kurz darauf wieder an Schumacher vorbei. Rund eine Sekunde war der Mercedes pro Runde langsamer als Buttons McLaren.

Red Bull wechselt schneller

Während ganz vorne das Duell zwischen Red Bull und McLaren die wenigen Zuschauer im Istanbul Park in Atem hielt, waren die Silberpfeil-Piloten Schumacher und Rosberg "Best of the Rest".

Turbulent wurde es in der 15. und 16. Runde, als die Top 5 ihre jeweils ersten Reifenwechsel einlegten.

Zunächst kamen Vettel und Schumacher an die Box, danach Webber, Hamilton und Button. Dabei arbeitete die Red-Bull-Crew einen Tick schneller und bescherte so Webber und Vettel eine Doppelführung.

Bis zur 41. Runde war die Red-Bull-Welt in Ordnung - dann warfen sich die Teamkollegen gegenseitig aus der Bahn und der Traum vom Doppelsieg war ausgeträumt.

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