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Aufgebrachter Vettel: Der Red-Bull-Pilot nach seinem Crash in Istanbul © imago

Der Red-Bull-Unfall beim Türkei-GP fesselt auch die Formel-1-Kenner. Die meisten Experten urteilen gegen Sebastian Vettel.

Von Marc Ellerich

München - Die spektakuläre Kollision des Red-Bull-Duos Sebastian Vettel und Mark Webber beim Türkei-Grand-Prix (243334Die Bilder des Crashs) ließ auch die Experten nicht kalt.

Und während das Team die Schuld am gescheiterten Überholmanöver zunächst dem australischen WM-Leader und dessen Renningenieur Ciaron Pilbeam zuschob, war eine Mehrheit der Piloten, Teamchefs und professionellen Formel-1-Beobachter der Ansicht, Vettel habe sich falsch verhalten. (Vettel-Crash: Red Bull kämpft gegen Verschwörungstheorie)

Mercedes-Pilot Nico Rosberg zum Beispiel wählte deutliche Worte. "Sebastian ist reingezogen", sagte Vettels Landsmann, der den Grand Prix als Fünfter beendet hatte: "Für mich war es sehr deutlich, denn Mark hat sich gar nicht bewegt, aber Sebastian hat sich nach rechts treiben lassen. Für mich ist es ganz klar Sebastians Fehler gewesen, obwohl er schon vorne war." (STIMMEN zum Crash: Wie in HD)

Wurz: "Vettels Schuld"

Ähnlich beurteilte es der 24-Stunden-Fahrer und TV-Experte Alexander Wurz: "Mark Webber wollte seinen Sieg natürlich nicht am Silbertablett herschenken. Er fährt geradeaus, und dann ist Vettel neben ihm und zieht einfach nach rechts rüber. Das war für mich der Fehler und der Auslöser für die Karambolage", meinte Wurz und stellte klar: "Alle ehemaligen Rennfahrerkollegen sind einer Meinung, nämlich, dass es Vettels Schuld war." (Vettel-Interview: "War nicht übereifrig")

Der spätere Sieger, McLaren-Star Lewis Hamilton, kritisierte ebenfalls den jüngeren der beiden Red-Bull-Konkurrenten - sicher nicht ganz uneigennützig: "Ich habe gesehen, wie Sebastian nach innen gezogen hat. Mark hat seine Linie gehalten. Ich glaube nicht, dass Sebastian einen Grund hatte, nach rechts zu fahren, er hatte dort ja keinen Platz."

Der frühere Formel-1-Fahrer Martin Brundle stimmte in den Chor der Vettel-Kritiker mit ein. "Vettel ist nach rechts in Webber reingezogen."

Lauda: "Fehler von Mark"

Es gab allerdings auch andere Stimmen, nämlich solche, die den jungen Deutschen in Schutz nahmen. Niki Lauda zum Beispiel. Der frühere, dreimalige Weltmeister sah den Fehler bei der Red-Bull-Crew.

"Vom Team her gesehen war es ein Fehler von Mark. Sebastian war schneller, und Hamilton hat gedrückt, also hätte er ihn vorbeilassen müssen", meinte der TV-Experte: "Er wurde aber von seinem Ingenieur nicht informiert, ist sein eigenes Rennen gefahren und hat nicht ans Team gedacht. Sebastians Angriff war natürlich brutal. Webber wollte sich wehren, weil er gewinnen wollte. Das war der größte Fehler."

Surer: 50:50

Der frühere Teamchef Eddie Jordan stellte sich ebenfalls vor den Deutschen. "Aus reiner Rennfahrersicht war es Vettels Fehler, das stimmt schon. Aber man kann ihm das Recht zu überholen nicht verwehren."

Jordan weiter: "Vettel war vielleicht ein wenig zu enthusiastisch, aber ich glaube nicht, dass man Webber einfach freisprechen kann. Ganz so einfach ist es nicht."

So urteilte auch der Schweizer Renn-Experte Marc Surer. Er sah die Schuld gegenüber "Motorsport-Total.com" gleich verteilt.

"Webber hat Vettel wenig Platz gelassen, einen Teamkollegen drückst du nicht fast auf die Wiese", so der frühere Formel-1-Rennfahrer: "Die Kollision kam zustande, nachdem Vettel rübergefahren war, das stimmt schon. Aber in dem Moment, wo Vettel die Nase vorne hatte, hätte ihm Webber Platz lassen können. Wieso fuhr er da in der Mitte der Straße weiter? Er wollte sich nicht einfach geschlagen geben."

Coulthard: Musste so kommen

Interessant ist die Meinung von Red Bulls Berater, DTM-Pilot David Coulthard. "Dieser Moment hat sich irgendwie abgezeichnet", meinte frühere Formel-1-Fahrer: "Die Performance ist Jahr für Jahr besser geworden, und jetzt ist es das beste Auto. Da kommt es unweigerlich zu haarigen Situationen zwischen den Fahrern. Es ist jetzt im siebten Rennen passiert, aber früher oder später wäre es sowieso dazu gekommen."

Recht exklusiv ist die Sichtweise, die das renommierte deutsche "auto, motor und sport.com" vertritt.

Dort witterte man "versteckte Kommandos" der Red-Bull-Crew. "Das Team wollte Vettel an Webber vorbeilotsen, unter dem Vorwand, dass Vettel unter Druck von Hamilton stünde", heißt es auf der Internet-Seite.

Eine Verschwörungstheorie, die sich durch ein Hamilton-Zitat unterstreichen lässt. "Das war kein normaler Rennunfall", soll der Türkei-Sieger gesagt haben.

Viele Experten, viele Meinungen. Fest steht: Die Diskussionen über den spektakulären Crash werden noch länger anhalten.

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