vergrößernverkleinern
Mark Webber führt die Fahrer-WM mit 93 Punkten an © getty

Ein TV-Mitschnitt gibt den Verschwörungstheorien um den Red-Bull-Unfall neue Nahrung. Dazu hat das Team Ärger mit der FIA.

Von Martin Hoffmann

München - Am Anfang war es ein Rennunfall. Mittlerweile wird es immer mehr zu einem Verschwörungs-Krimi.

Die Stimmen, dass hinter dem verhängnisvollen Überholversuch Sebastian Vettels gegen seinen Teamkollegen Mark Webber in Istanbul mehr steckte, werden immer lauter (243334Die Bilder des Crashs).

Nach "auto motor und sport" berichtet nun auch die "Bild", dass das Red-Bull-Team den jungen Deutschen bevorteilen und zum Sieg verhelfen wollte.

Und Gerüchte über pikantes Videomaterial sorgen für zusätzliche Unruhe.

Horner soll Überhol-Befehl gegeben haben

Fernsehbilder des Türkei-Grand-Prix sollen angeblich belegen, dass Red-Bull-Teamchef Christian Horner vor dem Crash per Funk anwies, an WM-Leader Webber vorbeizuziehen (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Beobachter wollen von den Lippen des Briten, der schon vor dem Zusammenprall sichtlich nervös war, das Wort "pass" ("überhole") abgelesen haben.

Es hätte den Ruch einer illegalen Stallorder - und würde so gar nicht passen zu der Empörung, die Horner nach dem Rennen an den Tag legte: "Sie hätten niemals dort fahren dürfen, wo sie fuhren", hatte er sich geärgert (STIMMEN zum Crash: Wie in HD.

Spricht die Vermarktbarkeit für Vettel?

Andererseits hatte Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko direkt nach dem Rennen erklärt, dass Vettel Webber überholen musste, weil er unter dem Druck von Lewis Hamilton "gar keine andere Wahl" gehabt hätte.

Laut "auto motor und sport" war das aber eben nur eine Schutzbehauptung - unhöflicher formuliert: eine Lüge -, um die Bevorzugung Vettels zu kaschieren.

Für zusätzliche Unübersichtlichkeit sorgt die Frage, warum Webber zum Zeitpunkt des Crashs in den Benzinspar-Modus schalten musste, Vettel aber (noch?) nicht.

Die Verschwörungstheoretiker haben darauf einfache Antworten: Vettel würde Red Bull als Weltmeister eher zupass kommen: Er ist jünger, populärer, besser vermarktbar.

Derartige Gedanken werden bei Red Bull vehement zurückgewiesen - nach dem Crash in Istanbul wird es für den Rennstall aber immer schwieriger, gegen sie anzukämpfen.

Gesprächsangebot von Webber

Dabei versucht Red Bull nach dem Crash alles, einem drohenden Stallkrieg einen Riegel vorzuschieben.

"Das wichtigste ist, Probleme zwischen Fahrern offen auszusprechen und richtig mit ihnen umzugehen - genau das müssen wir hier tun", sagt Horner.

Und auch Webber sendet an Vettel Signale des Friedens: "Seb und ich werden uns hinsetzen und darüber reden, um so kostspielige Pannen in Zukunft zu vermeiden", schreibt er in einer Kolumne im "Daily Telegraph".

"Bis wir ins Grab kommen"

Er sagt allerdings auch: "Wir werden zu dem, was passiert ist, wohl unterschiedliche Meinungen haben, bis wir ins Grab kommen. Wir sind aber beide Erwachsene und müssen einen Weg finden, zusammen Rennen zu fahren, ohne dem Team zu schaden."

Die Konkurrenz von McLaren reibt sich angesichts der Differenzen schon die Hände.

Sollten Webber und Vettel ihren Streit nicht beilegen, frohlockt Weltmeister Jenson Button, "spielt uns das in die Hände, denn wir kommen als Doppelsieger nach Kanada, während sie sich in die Kiste gefahren sind".

Stress mit den Regelhütern

Als wäre der Trubel um den Crash noch nicht genug, hat Red Bull auch noch zunehmenden Stress mit den Regelhütern der FIA.

Laut "auto motor und sport" musste das Bullen-Team für den Istanbul-Grand-Prix die Zugstreben am Heck des Boliden austauschen.

Sie waren demnach in einem zu großen Winkel angelegt, der auf illegale Weise den Abtrieb reduziert hätte - nicht die erste Design-Grenzwertigkeit, die Red Bull angekreidet wird.

"So langsam reicht es. Red Bull sollte unsere Toleranz nicht unbegrenzt strapazieren", wird ein anonymer FIA-Mann zitiert.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel