Experte Jacques Schulz prophezeit im Power-Ranking zum Kanada-GP eine starke Performance Robert Kubicas. Red Bull stürzt ab.

Hallo Formel-1-Fans,

endlich wieder Montreal! Gut, dass das Rennen (Training, Fr. ab 16 Uhr LIVE im TICKER und im TV auf SPORT1) nach einem Jahr Pause wieder da ist, auch wenn die Strecke natürlich nicht die neueste ist. Für die Premium-Hersteller ist der Auftritt auf dem nordamerikanischen Kontinent aber elementar wichtig.

Und zum einen ist der Kurs selbst mit seiner tollen Lage im Sankt-Lorenz-Strom ein Highlight, zum anderen zelebrieren die warmherzigen Kanadier dieses Event regelrecht.

Die Strecke ist vor allem eines: schnell! Es geht die meiste Zeit geradeaus, viermal erreichen die Piloten Geschwindigkeiten über 300 km/h. Entscheidend ist hier, das Auto auf Topspeed zu trimmen, vor den Schikanen den Bremspunkt zu erwischen und natürlich eine gute Bremse zu haben.

Diese Komponenten hat nicht jeder zur Verfügung, weshalb ich eine Verschiebung im Power-Ranking sehe (DATENCENTER: Der WM-Stand).

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McLaren ist der Topfavorit. Wer in der Türkei schon bis zu sechs km/h mehr Spitzengeschwindigkeit erreicht als die Konkurrenz, kann hier locker einen Vorteil von über zehn km/h haben, weil einfach die Geraden noch länger sind. Es gibt auch keinen Turn acht, der McLaren am Bosporus soviel Zeit auf Red Bull gekostet hat. Hinzu kommt der Rückenwind für Lewis Hamilton und Jenson Button durch den Doppelsieg in Istanbul.

Eine große Überraschung könnte es dahinter geben: Für mich steht Renault noch vor Red Bull.

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Es gibt Argumente für diese zugegebenermaßen wagemutige Prognose. Die Motoren der beiden Rivalen, die ganz eng beieinander liegen, sind identisch, die Qualität der Bremsen ist ausgeglichen. Vom Chassis her hat der Werks-Renault aber definitiv einen besseren Topspeed.

Und der Renault geht sehr gut über die Bodenwellen, die hier gerade in den Anbremszonen zuhauf zu finden sind. Teilweise beinhaltet der Kurs ja öffentliche Straßen. Und dadurch, dass die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter so hoch sind, ist der Asphalt sehr rissig.

Hinzu kommt der Faktor Robert Kubica, der 2008 in Montreal sein erstes Rennen gewann, nachdem er hier im Jahr zuvor fast ums Leben gekommen war. Der Pole liebt diesen Kurs. Meiner Meinung nach fährt Kubica im Alleingang - nicht sein Teamkollege Witali Petrow - mindestens auf Augenhöhe mit Red Bull.

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Red Bull hat eine problematische Bremse, man denke nur an die Defekte Sebastian Vettels in Australien und Spanien. Der mangelnde Topspeed gegenüber den McLaren und diese Bremse stoßen Red Bull vom Favoriten-Thron. Nicht unterschätzen darf man zudem die Psychologie. Vettel und Mark Webber sind sich nach dem Crash von Istanbul in Zukunft nie mehr sicher, dass der eine das tut, was der andere erwartet. Das ist ein großer Nachteil.

McLaren, wo ja auch über Stallregie spekuliert wurde, hat diesen Punkt besser im Griff. Der teaminterne Frieden ist hier viel stabiler als die tönerne Allianz bei Red Bull.

Diese Unsicherheit auf einem GP-Kurs, auf dem sie ohnehin nicht das beste Paket haben, sorgt dafür, dass sie ein schweres Rennen erleben werden. Hinzu kommt, dass der F-Schacht, den Adrian Newey konstruiert, nicht einmal ausprobiert werden wird am Wochenende. Zur Hierarchie unter den Fahrern: Webbers Vertragsverlängerung um nur ein Jahr zeigt, dass das Team auf Vettel ausgerichtet ist.

Um Platz vier gibt es einen Dreikampf zwischen Ferrari, Mercedes und Force India.

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Dabei hat die Scuderia Ferrari, die ja in Istanbul ziemlich neben sich stand, leichte Vorteile, weil Bridgestone die Reifenmischungen Supersoft und Medium anliefert. Das ist Gold wert für die Performance des F10.

Mercedes GP muss sich langsam Gedanken über 2011 machen, denn das Ergebnis aus der Türkei täuscht. Das Auto ist nach wie vor eine Sekunde zu langsam, der F-Schacht funktioniert nicht richtig. Ich fürchte, das Potenzial, um ganz vorne mitzumischen, ist in diesem Silberpfeil nicht vorhanden. Aber natürlich werden sie die Saison noch nicht abschreiben. Ein Einzelsieg wäre 2010 mit etwas Glück sicher drin.

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Force India müsste die Bahn perfekt liegen, Mercedes-Motor und Topspeed sprechen für die Inder. Zudem ist Adrian Sutil wirklich gut drauf, und auch Vitantonio Liuzzi hat vergangenes Jahr in Monza gezeigt, wozu er auf einer Power-Strecke in der Lage ist.

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

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