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Sebastian Vettel hat 2010 den Grand Prix in Malaysia gewonnen © getty

Mit einem Doppelsieg entreißt McLaren Vettels Team die WM-Führung. Red Bull schafft es nicht aufs Podium - und ist zufrieden.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel war ratlos, zu kurios war der Kanada-Grand-Prix aus seiner Sicht verlaufen. (248977Bilder)

"Was genau passiert ist, muss ich noch nacharbeiten, berichtete der Red-Bull-Star einigermaßen perplex nach der Zieldurchfahrt auf dem Circuit Gilles Villeneuve: "Das habe ich noch nicht verstanden."

Dabei dürfte Vettel durchaus begriffen haben, dass dem WM-Rivalen McLaren mit seinem Fahrer-Duo Lewis Hamilton und Jenson Button in Montreal der dritte Doppelsieg in diesem Jahr (der zweite in Serie) gelungen war. Hamilton vor Button, so hatte bereits vor zwei Wochen beim türkischen Rennwochenende das Endergebnis gelautet. (BERICHT: Doppelsieg für McLaren)

Verblüffter Vettel

Was den viertplatzierten Vettel verblüffte, war vielmehr die Art und Weise, wie das Ergebnis zu Stande gekommen war, durch das Hamilton seinem fünftplatzierten Red-Bull-Kollegen Mark Webber die WM-Führung abluchste. (DATENCENTER: Rennergebnis)

"Alles, was wir uns ausgedacht hatten, hat gut funktioniert", staunte der Deutsche nach dem achten Grand Prix des Jahres.

Als Zweiter war Vettel auf den von Experten als überlegen eingeschätzten harten Reifen ins Rennen gegangen: Nach sieben Runden schon hatte er Pole-Setter Lewis Hamilton, der auf der vermeintlich schlechteren weichen Reifenmischung unterwegs war, die Führung abgeluchst.

So weit klappte der Plan.

"Schon komisch"

Was nicht nach Plan lief: Nach Runden 13 war Vettel Platz eins wieder los. Warum, das wusste er unmittelbar nach dem Grand Prix nicht, stattdessen wunderte er sich: "Das Rennen hat sich nicht ganz so ergeben, wie wir es eigentlich erwartet hatten. Es ist schon komisch, wenn man als Erster in die Box kommt und dann am Boxenausgang merkt, dass drei Leute vor einem sind." Hamilton, Button und Alonso nämlich, die in dieser Reihenfolge auch das Ziel erreichten.

Für Vettel hingegen war "ab dem Zeitpunkt das Rennen gegessen." In der zweiten Hälfte des Grand Prix verhinderten zudem neuerliche technische Probleme an seinem ohnehin anfälligen Red-Bull-Renner eine Aufholjagd. "Am Ende ging es dann darum, das Auto zu retten." (VETTEL-INTERVIEW: "Noch ein Fragezeichen")

Vettel; Kein Grund zur Panik

Erstaunlich zu beobachten war, dass Vettel sich seine Platzierung anschließend nicht zu Herzen nahm, wie sonst nach Fahrten, die nicht auf dem Podium enden.

Nach diesem Grand Prix mit dem aus seiner Sicht unerklärlichen Ende, fiel auch Vettels Reaktion unerwartet aus.

"Von unserer Seite gibt es keinen Grund zur Panik", urteilte der 22-jährige Heppenheimer, im Gegenteil: "Als wir in das Wochenende gingen, waren wir nicht die Favoriten, aber tatsächlich hatten wir eine sehr gute Geschwindigkeit und haben damit einige Leute überrascht."

Und weiter: "Wir konnten während des Rennens aufgrund der Art und Weise, wie es sich entwickelt hat, unsere Geschwindigkeit nicht zeigen. Aber es ist viel versprechend."

Vettels Fazit fiel deshalb versöhnlich aus: "Wir haben ein sehr gutes Auto und freuen uns auf Valencia."

Horner: Wichtiger Test

Sein Teamchef Christian Horner sah nach dem Kanada-Rennen ebenfalls keinen Anlass, sich zu grämen. "Wir sollten über einen vierten und fünften Rang nicht enttäuscht sein", sagte er: "Das sind immer noch wertvolle Punkte. Und sie haben sie auf einem Kurs geholt, von dem wir immer wussten, dass wir nicht besonders stark sein würden."

Worauf Horner anspielte: Der RB6 ist ein Vorzeige-Auto in Sachen Aerodynamik und auf Kursen mit schnellen Kurven der Konkurrenz überlegen. Auf Kursen mit langen Geraden fehlt dem Red Bull der ominöse F-Schacht und daher bis zu zehn Stundenkilometer an Topspeed.

Schon vorher hatte Horner den Übersee-Grand-Prix zum wichtigen Test für sein Team erklärt: "Wenn wir hier schnell sind, dann sollte es keine Rennen mehr geben, vor denen wir uns fürchten müssen."

Insofern betrachten sie bei Red Bull das kanadische Experiment offenbar als gelungen.

Webber: Werden zurückschlagen

Einen Wendepunkt zugunsten des silbernen Rivalen McLaren, von dem der britische Ex-Weltmeister Jackie Stewart nach dem Montreal-Rennen sprach, befürchtet im österreichischen Rennstall offenbar noch niemand.

Oder, wie es Vettels Kollege Webber in zuversichtlich Worte verpackte: "Wir hatten erwartet, dass dies ein hartes Event werden würde. Am Ende waren wir näher dran, als wir dies erwartet hatten. Ich wollte heute etwas Champagner haben, das hat nicht geklappt, aber wir werden zurückschlagen."

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