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Das McLaren-Team führt in der Konstrukteurswertung mit 215 Punkten © imago

Kanada-Sieger Lewis Hamilton kommt immer besser in Schwung. Er wähnt sein Team vor Red Bull - und ist dennoch vorsichtig.

Von Marc Ellerich

München - Lewis Hamilton schwebte nach seinem zweiten Saisonerfolg auf Wolke sieben. "Es war ein großartiges Wochenende, einfach fantastisch", strahlte der McLaren-Star, nachdem er die Ziellinie des Circuit Gilles Villeneuve von Montreal als Erster passiert hatte - vor seinem Teamkollegen und englischen Landsmann Jenson Button (248977Bilder) .

Hamiltons Begeisterung war nur allzu gut verständlich. Nach einem Holperstart ins Formel-1-Jahr läuft für den Weltmeister von 2008 derzeit alles nach Plan. (BERICHT: Doppelsieg für McLaren)

In Montreal durfte er sich nach der Zielpassage als neuer WM-Führender feiern lassen. 109 Punkte hat er eingesammelt, drei mehr als sein Kollege Button. Sechs weniger sind es bei seinem ersten Red-Bull-Verfolger, Mark Webber auf Platz drei. Vettel ist Fünfter, ihm fehlen derzeit 19 Punkte. (DATENCENTER: Rennergebnis)

Hamilton: Besseres Paket

Aber - und das dürfte Hamilton wesentlich wichtiger sein - sein silberner Renner rückt dem allgemein als Referenz-Auto gefeierten Red Bull im näher auf die Pelle.

"In Bezug auf das reine Tempo ist der Red Bull immer noch ein bisschen schneller als unser Auto", analysierte der Brite nach dem achten Grand Prix des Jahres - jedoch: "Unser Gesamtpaket ist jetzt besser."

Dem widersprach Sebastian Vettel, Vierter: "Wir waren nicht die Favoriten. Doch unsere Pace war gut, wir waren vielleicht sogar die Schnellsten." (NACHBERICHT: Red Bull will von Trendwende nichts wissen)

Riskante Reifenstrategie

Dennoch, so der Eindruck, am Sonntag hatte McLaren die Red Bull im Griff. (VETTEL-INTERVIEW: "Noch ein Fragezeichen")

Auch, weil die Engländer für eine vermeintlich riskantere Reifenstrategie belohnt wurden. Pole-Setter Hamilton musste auf der angeblich unterlegenen, weichen Mischung starten. Vettel verfolgte ihn auf den mutmaßlich überlegenen harten Pneus.

"Von der besseren Wahl", hatte Vettels Teamchef Christian Horner vor dem Grand Prix gesprochen - und sich getäuscht. In der 13. Runde passierte die Schlüsselszene des Rennens, als Vettel in Führung liegend zum Reifenwechsel abbog und dann lediglich an der vierten Position wieder zurück ins Rennen kam.

Fortan eilte er den McLaren-Rivalen, die den Ferrari-Star Fernando Alonso im Schlepptau hatten, vergeblich hinterher.

"Beste Fahrer der Welt"

"Wir haben alles richtig hinbekommen", stellte Hamiltons Teamchef Martin Whitmarsh anschließend zufrieden fest: "Es kann ja immer so viel schiefgehen."

In Sicherheit wiegt sich nach dem schönen Sieg aber niemand bei McLaren. Zwar schwärmte Whitmarsh in Montreal von den "besten Fahrern der Welt", die sein Team angestellt habe.

Doch natürlich ist auch ihm aufgefallen, wie eng und abwechslungsreich das Rennen um den Weltmeistertitel in dieser Saison verläuft. "Es wäre klasse, wenn wir die Führung bis zum Schluss nicht mehr abgeben müssten", sagte Whitmarsh. Der Konjunktiv verriet, dass er damit offenbar nicht ernsthaft rechnet.

Erfahrung als Vorteil

"Red Bull ist ein starkes Team, und sie werden zurückschlagen, wir unterschätzen sie keineswegs", meinte der McLaren-Vorsteher folgerichtig: "Ich kann mich nicht hinstellen und sagen: Jawohl, wir werden den Titel gewinnen. Ich kann nur sagen: Wir werden alles versuchen."

Einen Vorteil wähnt er aber doch auf seiner Seite und zwar nicht den ominösen F-Schacht, der den McLaren schnell und die Konkurrenz neidisch macht. "Wir haben vermutlich etwas mehr Erfahrung in unserem Team", glaubt Whitmarsh: "Wir haben als Team schon um viele Meisterschaften gekämpft, wir wissen also genau, wie schwierig so ein Unterfangen ist."

Red Bull, das schwang in den Worten des Engländers mit, fehlt der Erfahrungsschatz für das harte Titelduell. Ohnehin hat Whitmarsh zwei weitere Rennställe auf der Rechnung: "Ferrari ist da. Man sollte auch Mercedes nicht unterschätzen, nur weil sie im Augenblick etwas weiter hinten liegen."

Hamilton: In die Hände spucken

Auch Hamilton, der in Kanada vor drei Jahren seinen Premieren-Sieg in der Formel 1 gefeiert hatte, blieb bei aller Begeisterung vorsichtig: "Das nächste Rennen (in Valencia, d. Red.) wird sehr eng sein. Wenn Red Bull den F-Schacht bekommt, sind sie wieder weiter vorne."

Zugleich elektrisiert ihn der harte WM-Kampf. "Das ist die ultimative Herausforderung, die ich in der Formel 1 erlebe, vielleicht auch in der gesamten Formel-1-Geschichte."

Nachlassen will der entfesselte Hamilton selbstverständlich nicht. "Wir werden in die Hände spucken und uns wirklich sehr anstrengen, um den Vorsprung auszubauen", kündigte er an: "Wir haben einen guten Lauf. Lasst uns hoffen, dass wir in Valencia mit dem Siegen weitermachen können."

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