SPORT1-Experte Peter Kohl zieht in den Tops und Flops eine Bilanz des Kanada-GP. Der clevere Nico Rosberg schadet sich.

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TOPS

McLaren: Alles richtig gemacht, zumal beide Piloten nach dem 2. Freien Training frustriert waren wegen vermeintlich fehlendem Speed. Richtige Reifenstrategie im Qualifying wie im Rennen!

Lewis Hamilton und Jenson Button: Tolles Racing von beiden, Hamilton wie immer mit viel Herz, Button wie immer mit viel Hirn. Ein Super-Duo, das zeigt, wie Stallduelle aussehen sollen. So haben beide die Chance, den Titel zu holen!

Nico Rosberg: Eigentlich ging mit dem Auto gar nichts, aber nach verpatzter erster Runde ein sehr cleveres Rennen. Mit viel Gefühl für die Reifen viele Punkte geholt. Dass er sich einen Gefallen damit getan hat, das eigene Team öffentlich zu kritisieren, weil es sich seiner Meinung nach zu wenige Gedanken zum Thema Reifen gemacht hat, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Sebastien Buemi: Red Bulls Motorsport-Beauftragter Dr. Marko sagte vor dem Grand Prix, Sebastien Buemi müsse um sein Cockpit für die kommende Saison kämpfen. Das hat der Toro-Rosso-Pilot getan, lag sogar kurzzeitig in Führung. Sein Duell mit Michael Schumacher in der Schlussphase hat gezeigt, dass der Typ Klasse hat - hoffentlich bleibt er der Formel 1 erhalten.

Ferrari: Nach dem qualitätslosen Herumgefahre in Istanbul wieder voll konkurrenzfähig. Da steckt noch viel Potenzial drin! Wenn die Ingenieure in Maranello endlich wieder in die Spur kommen, könnte noch was gehen für Alonso!

Lotus: Eindeutig das beste der neuen Teams. Heikki Kovalainen war teilweise auf dem Niveau von Williams unterwegs. Wenn jetzt noch die Haltbarkeit besser wird - siehe die Probleme von Jarno Trulli übers gesamte Wochenende - sind die froschgrünen Renner ein echter Gewinn!

Force India: Beide Autos im Qualifying in den Top Ten, beide in den Punkten trotz einiger Zwischenfälle im Rennen. Das kann sich wahrlich sehen lassen! Respekt.

Reifen: Endlich mal schwarze Walzen, die nicht alles verzeihen und nicht ewig halten. Die Dinger wurden zur echten Denksportaufgabe für Teams und Fahrer in Montreal und brachten mächtig Würze ins Qualifying und ins Rennen.

Montreal: Man muss diese Strecke und das Ambiente einfach lieben. Selbst Mr. E. hat zugegeben, dass es ein Fehler war, hier letztes Jahr nicht zu fahren. Besser eine späte Einsicht, als keine!

Das Rennen: Von vorne bis hinten ein Brüller! Bitte mehr davon!

FLOPS

Die Red-Bull-Taktik: Da ist eine ganze Menge schief gelaufen an diesem Wochenende. Wie man Mark Webber mit aufgeriebenen Reifen auf der Strecke verhungern lassen hat, war schon fast peinlich.

Mercedes GP: Eigentlich war ja Aufholen angesagt. Aber das Thema Reifen haben sie überhaupt nicht in den Griff bekommen - da hätte ich von Formel-1-Genie Ross Brawn mehr erwartet.

Witali Petrow: Die Rakete aus Vyborg entpuppte sich als Rohrkrepierer. Frühstart, Rumgeholze auf den ersten Metern und übermütige Manöver kosten ihn und vor allem andere mögliche Punkte und ein gutes Rennen. Weg mit der Brechstange, Hirn einschalten, dann fluppt es wieder in Valencia.

Kamui Kobayashi: Manchmal bestätigt er dann doch, warum ihn viele ?Kamikaze? nennen. Wer sein Auto so über hohe Kerbs jagt wie der Japaner, sollte sich nicht wundern, wenn das Ding zum UFO wird.

Virgin: Das extra für Kanada entwickelte Aero-Paket zeigte sich als nicht funktionsfähig, Timo Glock ließ wieder auf die alte Variante zurückbauen. Dazu mal wieder technische Probleme en masse - die Jungs kommen einfach nicht aus dem Quark. So bleiben die Branson-Renner rollende Schikanen.

Die vom Pech Verfolgten: Für Michael Schumacher und Felipe Massa war es ein Rennen zum Vergessen. Beide kämpften wie die Wilden, sahen phasenweise recht gut aus. Aber Schumacher kosteten die Keilereien mit Robert Kubica Punkte, Massa leidet bestimmt für ein paar Tage unter einer Liuzzi-Allergie. Das die beiden sich am Schluss noch in die Karre fuhren, passte zum verharzten Wochenende.

BEMERKENSWERT:

Robert Kubica: Duelle mit ihm sind für alle Beteiligten immer eine eitrige Geschichte. Den überholt man nicht so einfach. Wenn ihn am Heck hat, wird man ihn nicht los, wie einen Kaugummi unter der Schuhsohle. Gut so! Die Abbiegenummer in die Box, als er Adrian Sutil böse schnitt, und beide nur haarscharf einer üblen Kollision entgingen, sollte er sich aber in Zukunft besser verkneifen. Hat er nicht nötig!

Möge uns Valencia ein ähnliches Spektakel bieten wie Montreal! Bis dahin.

Ihr Peter Kohl

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