Kontert Red Bull? Experte Jacques Schulz erwartet in Valencia ein enges Rennen zwischen McLaren und Sebastian Vettels Team.

Hallo Formel-1-Fans!

Vordergründig könnte man meinen, wir haben es in Valencia mit einer weiteren Stadtstrecke zu tun. Das stimmt nicht ganz, es ist im Prinzip ein richtig schneller Kurs. Er führt um den Hafen herum, liegt gut und ist sehr schön anzusehen. Valencia ist aber keine Strecke wie Singapur, Monaco oder Abu Dhabi. Sie ist richtig schnell, mit vielen Geraden, hat aber eben auch ein paar schnelle Kurven. Es ist einfach ein toller Grand Prix (Training, Fr. ab 10 Uhr live im TICKER und im TV auf SPORT1).

Der Kurs ist ähnlich dem in Kanada, allerdings gibt es mehr Kurven. Und damit ist der Red Bull im Power-Ranking näher dran. Ich sehe McLaren dennoch knapp vorne.

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Sie haben in ihrer technischen Entwicklung zu Red Bull aufgeschlossen. Und: In Valencia ist es zwar nicht so deutlich wie in Kanada, aber es ist eine Strecke, welche die McLaren favorisiert.

Aber: Nach der Attacke kommt die Antwort. Und das ist bei Red Bull der F-Schacht. Der musste einfach drauf. McLaren ist zu stark aufgekommen, als dass Sebastian Vettel Co. sich noch zwei, drei Rennen ohne das System rüberretten könnten. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Das Aero-System und mehr schnellere Kurven sollten es Red Bull ermöglichen, auf Augenhöhe mit McLaren zu sein. Ich rechne mit einem engen Fight, habe aber nach wie vor das Gefühl, der Rückenwind zweier Doppelsiege schiebt McLaren vorwärts.

Auch die Psychologie spielt eine Rolle, die Engländer gehen sehr selbstbewusst ins Rennen. Der Red Bull ist ein Maßanzug, aber in den letzten Rennen hat er ein paar Knitterfalten gekriegt. Und die anderen haben noch etwas enger schneidern können.

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Vettel ist bei Red Bull als Fünfter der WM-Wertung sicherlich mehr unter Druck als Mark Webber: Nach Punkten gerechnet liegt er fast schon einen Sieg zurück. Er muss zulegen. Wer von den beiden im Moment Oberwasser hat, vermag ich nicht zu sagen. Mir kommen im Moment beide Fahrer etwas verhalten vor.

Das schnellste Auto im Feld hat einfach nicht genug Punkte gemacht. Wenn man in der Konstrukteurs-WM mit diesem Auto gut zwanzig Punkte zurückliegt, dann muss man auf Fehlersuche gehen. Knapp vor Saison-Halbzeit ist der Red Bull immer noch nicht niet- und nagelfest.

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An drei sehe ich Ferrari. Das liegt zum einen an den neuen Teilen, die Fernando Alonso in den letzten Tagen vor seinem zweiten spanischen Heimspiel so positiv gestimmt haben. Ferrari hat den F10 runderneuert. Ich glaube, dass die Scuderia und Renault am meisten Neuerungen am Fahrzeug haben werden. Den F-Schacht haben die Roten zur Halbzeit der Saison endlich hinbekommen, da sehe ich sie sogar vor Red Bull.

Und natürlich ist der Alonso-Faktor in Valencia nicht zu unterschätzen. Ein Spanier in Spanien ist immer ein Argument. Hinzu kommt der Streckentypus. Ferrari war schnell in Kanada, viel schneller als erwartet.

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An vierte Stelle setze ich Renault vor Force India und Mercedes. Nach dem mittelmäßigen Kanada-Grand-Prix gebe ich Robert Kubica noch eine Chance. In Valencia gibt es nicht nur Geraden und Schikanen. Das war in Montreal wohl etwas zuviel. Der Top-Speed hat da bei Renault nicht ausgereicht. Die Mischung aus Monaco und Kanada sollte es Kubica in Valencia ermöglichen, im Alleingang mit Mercedes und Force India zu kämpfen.

Michael Schumacher hat den Nachteil, dass er noch nie in Valencia war, ihm fehlen zwei Rennen Erfahrung. Ich sehe Nico Rosberg zwei Zehntelsekunden vor dem Rekord-Weltmeister.

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Mercedes steht seit drei Rennen am Scheideweg. Sie müssen sich entscheiden: Gehen wir auf 2011 oder versuchen wir, aus dem MGP-W01 noch was herauszuholen? Mein Eindruck: An diesem Auto scheint nicht mehr genügend Potenzial zu sein, dass Siege in diesem Jahr noch möglich sind. Sie sind einfach nicht in der Lage gegenüber den drei Top-Teams, die ja mit doppelter Personalstärke arbeiten, so aufzuholen, dass sie auf Podiumskurs fahren.

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Die Silbernen werden also mit Force India fighten. Die Inder sind schnell unterwegs, und der VJM-03 ist in der Summe seiner Eigenschaften einfach das bessere Auto als der Mercedes. Vitantonio Liuzzi kann sicherlich nicht das Tempo von Schumacher und Rosberg mitgehen, aber das Force-India-Paket ist auf dieser Strecke mindestens auf Augenhöhe mit den Silberpfeilen.

Ihre Schwächen haben sie mittlerweile in den Griff bekommen, und deswegen sollten Valencias schnelle Kurven den Force India mehr als Kanada entgegen kommen.

Dass Liuzzi in Montreal vor Adrian Sutil lag, war streckenspezifisch, ich sehe den Deutschen in Valencia wieder vorne. Er ist definitiv der schnellere Mann!

Auf uns kommen jetzt sechs Europarennen nacheinander zu, die Teams sind nicht zu weit weg von ihrer Heimat. Das ist wichtig, wenn es neue Entwicklungen gibt. Denn entscheidend ist, wer das höchste Entwicklungstempo vorlegen kann.

Wer Geistesblitze hat und die ans Auto bringen kann, hat die besten Karten, um für den Schlussspurt der Saison mit den fünf Übersee-Rennen gut gerüstet zu sein.

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

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