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Sebastian Vettel holte in Valencia die vierte Pole-Position in diesem Jahr © getty

Pole-Setter Sebastian Vettel darf in Valencia auf eine Trendwende hoffen. Bei Mercedes GP herrscht nach der Quali Ratlosigkeit.

Von Marc Ellerich

München - Es gab viele erstaunte Gesichter an diesem Nachmittag in Valencia.

Pole-Setter Sebastian Vettel wunderte sich, dass er von der besten Startposition aus in den Europa-Grand-Prix (So., 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) gehen darf. Der drittplatzierte Lewis Hamilton war ebenso verblüfft über sein Resultat. (DATENCENTER: Die Startaufstellung)

Und bei Mercedes GP herrschte nach einer schweren Blamage blankes Entsetzen.

Nico Rosberg wird das Rennen am Sonntag vom zwölften Platz aus beginnen, er war auf seiner schnellsten Runde über eine Sekunde langsamer als Vettel.

Sein Kollege, Rekord-Weltmeister Michael Schumacher fuhr als 15., fast zwei Sekunden hinter seinem Landsmann Vettel, das schlechteste Qualifikations-Ergebnis seiner Comeback-Saison ein. "Letztlich sind wir ratlos", räumte Schumacher nach dem Untergang der Silber-Crew im spanischen Hafen ein.

Vettels vierte Pole

Der Reihe nach. Man konnte die Last förmlich hören, die Vettel von der Seele fiel, nachdem er die Zeitenjagd in Valencia als Schnellster beendet hatte - sieben Tausendstelsekunden vor seinem Red-Bull-Kollegen Mark Webber. In der Statistik steht nun seine vierte Pole-Position dieses Jahres, die neunte seiner Karriere (BERICHT: Pole für Vettel - Desaster für Mercedes).

1:37,587 Minuten war die Zeit, die Vettel an die Spitze brachte. Was dem jungen Deutschen jedoch noch wichtiger gewesen sein dürfte als der erste Startplatz, war das zarte Gefühl einer möglichen Trendwende. Endlich einmal wieder lag er vor dem australischen Widersacher, der ihm in den vergangenen vier Qualifikations-Jagden das Leben so schwer gemacht hatte.

"Keinen guten Lauf"

Vettel gab sich keine allzu große Mühe, seine Freude über den Sieg im internen Ringen zu verbergen. "Es ist gut. In den letzten Rennen hatten wir samstags keinen guten Lauf, also ist es gut."

Offenbar wunderte sich der 22 Jahre alte Heppenheimer später, dass ihm der wichtige Teilerfolg ausgerechnet auf dem spanischen Hafenareal gelungen war. "Diese Kurse, Kanada und der hier in Valencia, sollten normalerweise nicht unsere stärksten sein." Sei's drum, umso besser: "Es ist gut, dass wir das Auto auf die Pole gestellt haben. Unsere Geschwindigkeit sieht gut aus."

Red Bull mit F-Schacht

Dem ominösen F-Schacht sei dank. Vettel kann das aerodynamische System, das den Rennwägen auf der Geraden mehr Spitzengeschwindigkeit verleiht, im neunten Grand Prix der Saison nach langer Tüftelei erstmals effektiv verwenden. "Man spürt den Unterschied", berichtete der Hesse anschließend, auch wenn dieser nach seinen Worten nicht allzu groß ausfällt.

Den besseren F-Schacht haben ohnehin nach wie vor dessen Erfinder. Weshalb das McLaren-Duo Lewis Hamilton und Jenson Button (Platz sieben) als favorisiert ins Spanien-Qualifying ging - selbst wenn das nächste wichtige Update erst für den Heim-Grand-Prix in Silverstone angekündigt ist.

Doch die Engländer holperten durchs Wochenende, und nach der Qualifikation gab Hamilton unumwunden zu, dass ihn sein dritter Startplatz verblüffte. "Ich bin wirklich glücklich hier zu sein", strahlte der Weltmeister von 2008: "Ich habe das Gefühl, dass ich an diesem Wochenende Glück habe."

Hamilton: Kann mich nicht beklagen

Er sei überrascht gewesen, "als ich wieder an die Box kam und Dritter war", räumte Hamilton ein - zumal er sich obendrein in der entscheidenden Phase einen schweren Fahrfehler leistete.

Für den Grand Prix rechnet er sich offenbar dennoch etwas aus. "Ich kann mich über die Startposition nicht beklagen. Das wird morgen definitiv ein interessantes Rennen. Wir werden soviel Druck wie möglich machen."

Sein Teamchef Martin Whitmarsh geht ebenfalls von einem harten Zweikampf zwischen dem WM-Führenden und dem Red-Bull-Duo aus: "Das wird aufregend."

"Wirklich ein ganz schlechter Tag"

Die beschaulichen Stunden sind beim deutschen Original der Silberpfeile schon lange vorbei. "Die Enttäuschung ist sehr groß", stellte Nico Rosberg nach dem schwärzesten Samstagnachmittag des jungen Teams fest: "Es wurde davon geredet, dass unsere Saison hier erst beginnt. Das ging ja komplett nach hinten los. Das war wirklich ein ganz schlechter Tag für uns."

Sein älterer Teamkollege war gleichermaßen geknickt. "Wir haben sicher das Bestmögliche, das in unseren Händen war, probiert", berichtete Schumacher nach seiner Fahrt ins Nichts: "Den Stein der Weisen haben wir bisher leider noch nicht gefunden."

Probleme mit den Reifen

Die Fehleranalysen der beiden deutschen Piloten zielten in dieselbe Richtung. "Die Reifen funktionieren einfach nicht", stellte Rosberg fest, Schumacher ergänzte: "Letztlich muss man feststellen, dass wir im Qualifying die Reifen nicht zum Arbeiten bekommen."

Warum das so ist, weiß im Silber-Team derzeit offenbar niemand. "Was das angeht, gibt es keine genaue Erklärung", räumte Schumacher ein, der zudem von Bremsproblemen am rechten Vorderrad behindert worden war.

Bescheidene Vorsätze

Rosberg verglich die Lage mit dem vorigen Grand Prix in Montreal. Wie schon in Kanada warf er seiner Crew Versäumnisse vor. "Das Team hat nicht das Beste aus den Aero-Updates gemacht. Sie haben in der Firma sehr gut gearbeitet, aber wir haben wieder nicht das Maximale rausgeholt."

In den Sonntag geht das silberne Gespann mit entsprechend bescheidenen Vorsätzen. Mit "guten Punkten, Platz sechs oder sieben" rechnet Rosberg zwar, "aber das ist nicht das, was wir wollen. Wir wollen weiter nach vorne und müssen das Qualifying in den Griff kriegen."

Schumi blickte pessimistisch voraus. "Überholen ist hier eingeschränkt, aber unsere Starts sind gut", meinte er: "Wir müssen schauen, dass wir durch das Gewühl der ersten Kurve kommen und dann bei den Stopps vielleicht etwas cleverer sind als die anderen. Viel mehr wird sich im Rennen dann nicht mehr tun. Es wird ein schwieriger Nachmittag morgen."

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