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So hoch war es: Mark Webber holt erstmals 2010 keine WM-Punkte © imago

Der böse Unfall von Mark Webber überschattet den Europa-GP. Der Australier reißt Scherze über einen ähnlichen Crash von früher.

Von Marc Ellerich

München - Es war die Szene des Europa-Grand-Prix im Hafen von Valencia, und wer sie sah, dem stockte der Atem (255773Die Bilder).

In der neunten Runde des Rennens fuhr Mark Webber im Red Bull abrupt auf den Lotus-Piloten Heikki Kovalainen auf. Offenbar war er beim Überholversuch vom frühen Bremsmanöver des Finnen völlig überrascht worden.

Webbers RB6 traf das Hinterrad des Lotus-Boliden und stieg anschließend steil in den Himmel auf. Führungs- und steuerungslos drehte das Auto fast einen kompletten Salto und schlug mit dem Cockpit nach unten auf dem Asphalt auf.

Nach einer weiteren 180-Grad-Drehung schlug der völlig zerstörte blaue Renner hart in einem Reifenstapel ein.

Nur blaue Flecken

Dann folgte das, was gemeinhin gerne als Wunder bezeichnet wird, in Wahrheit aber dem mittlerweile hohen Sicherheitsstandard in der Formel 1 zu verdanken war: Webber warf sein Lenkrad weg und entstieg ohne fremde Hilfe seinem demolierten Rennwagen.

Auch die anschließende medizinische Untersuchung brachte, abgesehen von Prellungen, keine schlimmeren Verletzungen zu Tage. "Mark ist okay. Es war ein schlimmer Unfall, aber das Chassis hat seine Aufgabe erfüllt", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner: "Mark hat ein paar blaue Flecken, aber er hat keine schweren Verletzungen."

Webber war tatsächlich mit dem Schrecken davon gekommen - und nicht einmal der saß dem Teamkollegen des späteren Siegers Sebastian Vettel offenbar allzu tief in den Gliedern. (DATENCENTER: Rennergebnis)

Erinnerung an Le-Mans-Crash 1999

"Ich habe immer solches Pech. Aber der Himmel ist kein Platz für Rennautos", ulkte der 35-Jährige nach seinem kapitalen Unfall und spielte damit auf einen ähnlich spektakulären Abflug 1999 beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans an.

Damals war er in einem Mercedes-Boliden aufgrund eines Technik-Fehlers unkontrolliert in den Himmel gesegelt, hatte aber ebenfalls keinerlei Schaden genommen.

Auch wie er diesmal die Dinge wahrgenommen hatte, schilderte Webber eher belustigt: "Ich war in einen einigermaßen heftigen Unfall verwickelt und wusste bestens darüber Bescheid, dass ich nur Passagier sein würde. In diesem Streckenabschnitt gibt es sehr große Auslaufzonen. Deshalb war ich einigermaßen beruhigt. Dass es einen Reifenstapel gab, fand ich klasse."

"Ziemlich hoch in die Luft geschossen"

Seinen Aufschlag bezeichnete Webber als erträglich, der Schlag sei nicht allzu heftig gewesen: "Das konnte man schon aushalten. Ich bin ja nicht wie ein Stein auf den Boden gefallen, sondern nach vorne geflogen."

Er habe sogar eine Art von Erleichterung verspürt, berichtete Vettels Kollege den Journalisten: "Ich hatte mir ein paar Sorgen über Brücken oder andere Dinge, die ich in der Luft hätte treffen können. Mir war schon klar, dass ich ziemlich hoch in die Luft geschossen wurde."

Über den Vergleich zu seinem Unfall 1999 sagte er: "Die Geschwindigkeit war ähnlich und auch mein Empfinden dabei. Rennwagen sollten sich allerdings nun wirklich nicht zu solchen Geschossen entwickeln."

Kovalainen: Hardcore-Abflug

Webber gab anschließend seinem Unfallgegner nicht die Schuld an seinem "Hardcore-Abflug", wie Kovalainen es nannte. "Nun gut, man benötigt immer zwei für einen Tango, oder", kommentierte der Pilot aus Queanbeyan gegenüber der "BBC" das Szenario vor seiner unfreiwilligen Flugshow.

"An diesem Unfall waren wir beide beteiligt", urteilte er: "Ich habe nach der besten Position gesucht, um ihn zu überholen, und er hat sich ziemlich hart verteidigt. Letztlich hat es mich überrascht, wie früh er gebremst hat."

Webber kalt erwischt

Auch Horner verurteilte Webbers Gegenspieler anschließend nicht. "Mark hatte einen riesigen Geschwindigkeitsüberschuss und wollte sofort an Heikki vorbei", sagte der Engländer: "Er war überrascht, wo der Lotus gebremst hat und konnte nicht mehr reagieren. Ich würde nicht sagen, dass es Heikkis oder Marks Fehler war, es war einfach der Geschwindigkeitsunterschied. Es sah schlimm aus."

Kovalainens Bremsmanöver habe ihn "kalt erwischt", räumte Webber ein. Er habe gedacht, der Finne wolle ihn passieren lassen. Vor dem "scheußlichen Zwischenfall" habe er "alles unter Kontrolle gehabt".

"Er hat seinen Bremspunkt verpasst"

Der Finne beurteilte die Angelegenheit naturgemäß völlig anders. "Ich habe nichts falsch gemacht, er ist einfach in mich hineingefahren", erklärte Kovalainen: "Ich glaube, er hat seinen Bremspunkt verpasst und traf mich in einem sehr ungünstigen Winkel."

Ein Nachspiel, glaubte der frühere McLaren-Fahrer, werde die Angelegenheit nicht haben. Im medizinischen Zentrum, wo sich beide Bruchpiloten nach dem Crash über den Weg liefen, habe Webber ihm die Hand gegeben.

"Ich bin froh, dass wir beide wohlauf sind. Es hätte viel schlimmer ausgehen können", stellte Kovalainen abschließend fest. Besser hatte es nur Webber selbst ausgedrückt.

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