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Nico Hülkenberg stieg 2010 vom Test- zum Stammfahrer bei Williams auf © imago

Hülkenberg deutet in Valencia sein Potenzial an, wieder aber verhindern die Zicken des Williams Punkte. Besserung ist in Sicht.

Von Martin Hoffmann

München - Wären die Zeiten andere, würde Nico Hülkenberg mitten im Scheinwerferlicht der deutschen Öffentlichkeit stehen.

Ein Schützling von Michael Schumachers Weltmeister-Macher Willi Weber, der seine Klasse als Meister der Formel-3-Euroserie und der GP 2 bewiesen hat - und in Diensten eines ehemaligen Weltmeisterteams steht.

Aber die Zeiten so wie sie sind: Die Formel-1-Fans hierzulande haben Sebastian Vettel, der um den Titel fährt, Michael Schumacher, der an glorreiche Zeiten anzuknüpfen versucht und dessen jungen Kollegen-Rivalen Nico Rosberg.

Hülkenberg bleibt da - wie auch Adrian Sutil und Timo Glock - nur ein Platz im Schatten, in dem er sich jeden Moment der Aufmerksamkeit hart erkämpfen muss.

Bolide mit Zicken

Und das gelingt dem 22-Jährigen bislang nicht so Recht: Nur ein Punkt in neun Rennen und sechs verlorene Trainingsduelle gegen den routinierten Teampartner Rubens Barrichello (Die Quali-Duelle) .

Das "Irrsinns-Talent" (Weber) kommt in der Königsklasse noch nicht recht zur Entfaltung. Und wenn er sein Können einmal zeigen kann, stehen ihm die Zicken seines Boliden im Weg.

Nach dem herausragenden fünften Qualifying-Platz in Sepang, reichte es wegen diverser Probleme gerade noch zu Rang zehn.

Und nun in Valenciawurde ein gutes Rennwochenende durch einen Auspuffdefekt, der seinen rechten Hinterreifen zersetzte, zunichte gemacht (DATENCENTER: Rennergebnis).

Das nächste Frusterlebnis

"Ich war wirklich gut unterwegs. Punkte waren definitiv möglich", ärgerte sich der lange auf Platz zehn liegende Hülkenberg.

Es ist das nächste Frusterlebnis einer Debütsaison, die er bislang unumwunden als Enttäuschung einordnet.

"Im letzten Jahr waren Williams und Rosberg dauernd in den Top 10. Wir hatten gehofft, dass wird darauf aufbauen können", meinte Hülkenberg vor Valencia: "Aber in der Realität sind wir etwas weiter hinten."

Sein Team sei in "schwieriger Position", Punkte zu machen "sehr schwer": "Es muss alles passen und wenn nur eine kleine Sache schief geht, dann sieht man schlecht aus."

Hoffnung auf ein Update

Barrichellos vierter Platz beim Europa-GP und sein ordentlicher Auftritt machen Hülkenberg nun aber berechtigte Hoffnung auf Besserung.

Zumal es gerade bei Hülkenberg noch unberührtes Potenzial gibt: Er fuhr im Gegensatz zu Barrichello ohne den F-Schacht, weil er wegen der Anordnung von Sitz und Anlage Probleme damit hatte, das Konstrukt richtig zu bedienen.

Und nun steht vor dem Williams-Heimspiel in Silverstone das größte Fahrzeug-Update des Jahres an. Unter anderem soll ein neuer Auspuff den Boliden voranbringen ? auch soll Hülkenberg den F-Schacht dann endlich nutzen können.

Hülkenberg hofft, dass es so funktioniert "wie es die Zahlen vorhersagen".

Sutils Erfolgsserie

Sein Landsmann Adrian Sutil ist da schon weiter. Der sechste Platz des Force-India-Piloten in Valencia war sein fünfter Punktgewinn hintereinander ? trotz eines misslungenen Qualifyings auf Platz 13 (DATENCENTER: WM-Stand).

Und als Sahnehäubchen lieferte er dabei ein herausragendes Überholmanöver Sebastian Buemi, für das es nicht nur von SPORT1-Kolumnist Peter Kohl Applaus gab.

Sutil beweist immer öfter seine Klasse, Rennsport-Legende Hans-Joachim Stuck sieht ihn längst "reif für höhere Aufgaben".

"Allmählich ein Top-Cockpit"

Es gibt immer wieder Gerüchte um einen möglichen Wechsel Sutils zu einem Top-Team, doch womöglich muss er gar nicht den Arbeitsplatz wechseln, um die höheren Aufgaben anzugehen.

Er hat den Eindruck, "dass ein Force-India-Cockpit allmählich ein Top-Cockpit ist", zitiert ihn "Motorsport Aktuell": "Wenn ich bleiben kann, bin ich happy."

Glock weiter glücklos

Sutil hat sein Glück gefunden, beim sechsten deutschen Fahrer im Feld kann davon keine Rede sein.

Zum neunten Mal in neun Rennen gab es für den Piloten von Neuling Virgin keine Punkte. Obendrein verlor er erstmals das Qualifying-Duell gegen Lucas di Grassi und musste sich auch Schuld an einer Kollision mit Bruno Senna anlasten lassen.

Glock zerschnitt sich nach einem Überholmanöver sein Hinterrad am Frontflügel des Brasilianers.

"Natürlich habe ich ihm die Türe etwas zugemacht", rechtfertigte sich Glock: "Aber wir sind hier zum Rennenfahren und nicht, um Vortrittsregeln zu studieren."

Nur ein Trost

Nur eines richtete Glock am Ende eines verkorksten Wochenendes auf: Der deutsche WM-Sieg gegen England.

"Jetzt muss ich mir von meinen englischen Mechanikern nichts anhören", freute er sich im "Motorsport-Magazin".

Viel mehr Freuden hat er im Moment nicht.

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