Experte Jacques Schulz sagt im Power-Ranking zum Großbritannien-GP einen engen Fight zwischen Red Bull und McLaren voraus.

Hallo Formel-1-Fans!

Silverstone ist ein Klassiker, der Gänsehaut verursacht - wie Monaco, wie Monza, wie Spa. Der Grand Prix muss einfach im Kalender bleiben, egal wie schlecht die Anreisebedingungen sind.

2010 erwartet uns in England ein richtungsweisendes Rennen (Training, Fr. ab 11 Uhr live im TICKER und im TV auf SPORT1). Zur Mitte der Saison müssen die Upgrades soweit entwickelt sein, dass die Teams für die zweite Saisonhälfte gut aufgestellt sind.

Im "Home of British Motor Racing" gibt es eine große Neuerung: ein Infield, dem unsere geliebte Vollgas-Rechtskurve "Bridge" leider zum Opfer fiel. Dieses Infield bringt Silverstone jedoch mit neuer Boxengasse und einer neuen Hospitality auf einen moderneren Stand.

Zudem gibt es hier sogar eine Überholmöglichkeit - aber eben auch viele Unbekannte, die es sehr schwer machen, das Wettrennen zwischen Red Bull und McLaren einzuschätzen.

Im Power-Ranking geht es auch deshalb ganz eng zu zwischen den beiden dominierenden Teams.

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Die schnellen Kurven passen perfekt zu Adrian Neweys Red Bull, was man ja schon im vergangenen Jahr beim sicheren Sieg Sebastian Vettels gesehen hat.

Doch McLaren bringt mit dem angeblasenen Diffusor eine elementare Ausbaustufe. Und entwickeln kann dieses Team, auch das wurde 2009 deutlich. Wenn dieses Upgrade richtig zum Tragen kommt, sehe ich McLaren auf Augenhöhe mit Red Bull.

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Natürlich hängt viel auch von der Tagesform der Fahrer ab. Vettel hat mit dem Rückenwind aus Valencia sehr gute Chancen, seinen Sieg aus dem Vorjahr zu wiederholen. Mark Webber dagegen sitzt nach seinem Crash in einem "alten" Chassis und ist psychologisch im Nachteil. Lewis Hamilton und Jenson Button werden auf der Gegenseite bei ihrem Heimspiel super motiviert sein, hinzu kommt die positive Energie im Team.

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Auch bei Ferrari gibt es massive Veränderungen, die aufgrund des Safety Cars in Valencia etwas untergegangen sind. Die Scuderia hat bereits das Update der zweiten Stufe, das McLaren erst jetzt einführt.

Einige Details: Um den neuen Auspuff am F10 nutzen zu können, muss man das Getriebe wechseln. Hier ist Fernando Alonso in einem anderen Rhythmus als Felipe Massa, erst jetzt zieht der Spanier nach. Außerdem gibt es noch ein Aero-Update für die schnellen Kurven.

Und Alonso ist ja trotz einiger Fehler noch dran in der WM, er will mit allen Mitteln auf Tuchfühlung bleiben. Der Spanier droht den Anschluss zu verlieren. Massa kann man im Moment in Sachen WM ohnehin ausklammern

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Mercedes hat ein grundlegendes Problem, das jede Verbesserung am Fahrzeug verpuffen lässt: Im Entwickeln sind sie sensationell, aber sie verstehen die Wirkung ihrer Arbeit nicht - die vier Reifen. Solange Mercedes das Potenzial der Reifen nicht nutzen kann, bringt das beste Update nichts. Der Brawn GP hatte dieses Problem schon in der Saisonhälfte 2009.

Ein weiterer Faktor: Die Simulationsprogramme bei Mercedes sind nicht auf dem Stand wie bei Red Bull und McLaren. Das ist natürlich auch eine Frage des Geldes. Ross Brawn ist jetzt gefragt, an den richtigen Stellschrauben zu drehen. So langsam sollte man aber die Konzentration auf 2011 richten.

Die Kritik an Michael Schumacher halte ich übrigens für übertrieben. Auch wenn Nico Rosberg momentan besser aussieht, holt Michael das Mögliche aus dem Auto raus.

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Ich denke, dass sich Mercedes zwar strecken muss, Renault hinter sich zu halten, aber insgesamt das stärkere Paket hat. Den Franzosen kommen die schnellen Kurven nicht wirklich entgegen. Aber da ist eben Robert Kubica, der nach seiner Vertragsverlängerung nun auch Planungssicherheit hat.

Hätte Witali Petrow nicht eine so flache Lernkurve, wäre Mercedes in der Konstrukteurs-WM von hinten massiv unter Druck. So aber muss Renault sich eher mit Adrian Sutils Team Force India herumschlagen, das ebenfalls neue Teile an den Start bringt.

Noch ein paar Worte zur Diskussion um den flexiblen Heckflügel: Verbesserung der Show in allen Ehren, aber mit diesem Teil wird der Fahrer als "moderner Gladiator" entwertet und darf nach Gnaden der Rennleitung einen Knopf drücken. Das ist der schwächste Ansatz aller Zeiten. Richtig wäre eine aerodynamische Abrüstung, weniger technische Gimmicks. Das Können der Piloten sollte wieder in den Vordergrund rücken.

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

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