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In der WM ist es andersherum: Hamilton führt mit 127 Punkten vor Button (121) © imago

Das britische Team will mit neuem Auto in Silverstone siegen, Vettel seinen Vorjahressieg wiederholen. Mercedes gibt Fehler zu.

München - Lewis Hamilton und Jenson Button brennen auf Revanche.

Beim britischen Grand Prix in Silverstone (Training, Freitag, 11 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE im TV auf SPORT1) peilt das McLaren-Duo den Heimsieg an, um sich für Sebastian Vettels Sieg beim Europa-Rennen in Valencia zu revanchieren und sich den Deutschen als schärfsten Konkurrenten im Titelrennen etwas vom Leib zu halten.

Der Red-Bull-Pilot hingegen will den beiden Engländern wie im Vorjahr auf heimischem Boden ein Schnippchen schlagen. (POWER-RANKING: Kopf an Kopf ins Schlüsselrennen)

"Im letzten Jahr hatten wir wirklich einen traumhaften Tag mit dem Doppelsieg", sagte Vettel, der 2009 in Silverstone dem späteren Weltmeister Button die vielleicht bitterste Niederlage der Saison beigebracht hatte: "Wir hoffen natürlich, dass wir das in diesem Jahr wiederholen können und danach ein bisschen feiern dürfen."

WM-Führung im Blick

Die Party soll mit dem Großteil des Teams aus der nur 20 Minuten entfernten Fabrik, da es für die meisten Mitarbeiter die einzige Chance ist, ihren Fahrern mal direkt an der Rennstrecke die Daumen zu drücken.

Vettel setzt darauf, dass die englische Traditionsstrecke, auf der am 13. Mai 1950 das erste Rennen der Formel 1 stattfand, auch nach dem Umbau mit seinen schnellen Kurven das ideale Revier für seine "Randy Mandy" ist. Zudem freut er sich auch auf die englischen Fans, die ihm im vorigen Jahr nach seinem Triumph fair und anerkennend Beifall spendeten.

Mit einem Sieg könnte Vettel sogar erstmals in seiner Karriere die WM-Führung übernehmen. Dafür dürfte Hamilton, der mit 127 Punkten vor Button (121) und Vettel (115) die Gesamtwertung anführt, maximal Vierter werden.

Abgase auf den Diffusor

Der 25-jährige WM-Leader würde allerdings lieber wie 2008 vor heimischer Kulisse gewinnen. "Damals waren die Bedingungen unheimlich nass, doch davon hat sich auf den Tribünen niemand ins Bockshorn jagen lassen. Die Leute haben in jeder einzelnen Runde ihre Fahnen für mich geschwenkt. Wenn dir solch eine Hingabe zuteil wird, musst du etwas zurückgeben", sagt Hamilton: "Daher bin ich fest entschlossen, in Silverstone ein gutes Ergebnis zu erzielen." (Hill prophezeit McLaren-Stallkrieg)

Sein Teamkollege Button hofft, dass die umfangreiche Überarbeitung des McLaren-Mercedes das Team wie in Istanbul und Montreal wieder an die Spitze führt. Vor allem eine neue Heckpartie, die die Auspuffgase wie beim Rivalen Red Bull gezielter in den Diffusor am Heck leitet, soll den entscheidenden Schritt bringen.

"Es ist nicht so einfach, die Abgase auf den Diffusor zu lenken. Deshalb haben wir diese Entwicklung nicht überstürzt", sagt McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, nachdem das Luftschachtsystem der Briten inzwischen auch von Red Bull kopiert wurde.

Schumi: Probleme im Qualifying

Probleme könnten zu hohe Temperaturen im Heckbereich machen. Mercedes musste in Valencia noch einen Teil seiner Neuerungen vor dem Rennen wieder ausbauen, weil die Hitze den Heckbereich des Fahrzeugs beschädigte und den Abtrieb des MGP-W01 nicht verbessern half.

Für Silverstone wurden die neuen Komponenten jetzt verstärkt, sodass Rekordweltmeister Michael Schumacher hofft, dass das komplette Update auch hilft, die Reifen endlich richtig auf Temperatur zu bringen. (260638DIASHOW: Als Schumi dem Tod ins Auge blickte)

"Unser Speed im Rennen war schon bisher recht vielversprechend, aber im Qualifying läuft es noch nicht ideal, und wir haben noch nicht verstanden, die Reifen optimal zu nutzen. An der Lösung dieses Problems arbeiten wir intensiv", sagt der 41-Jährige, der aber keine Prognose wagt: "Wir waren in Valencia nicht so stark wie erhofft, deshalb ist es schwer zu sagen, wie wir beim britischen Grand Prix abschneiden werden."

Haug spricht von Rückschritt

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug ging sogar noch weiter und gab gegenüber "autosport.com" einen Rückschritt seines Teams zu. "Vor dem letzten Rennen haben wir einen zu großen Schritt gemacht und uns dadurch selbst behindert", sagte er über das Mercedes-Update vor Valencia: "Manchmal versuchst du, zwei Schritte nach vorne zu machen und machst dann einen zurück."

Dies sei keine Inkompetenz, beteuerte der Schwabe, sondern passiere wenn man aufholen müsse und die Neuerungen nur freitags testen könne. "Dann ist nicht garantiert, dass alles funktioniert."

Teamchef Ross Brawn ging auf die Reifenprobleme der silbernen Crew ein. Man habe Probleme, die Wirkung neuer Reifen am Auto zu verstehen, so Brawn: "Nach drei oder vier Runden mit den Reifen scheint alles problemlos zu sein und gut zu funktionieren. Aber wenn wir mit wenig Sprit ein oder zwei Runden fahren müssen, dann haben wir zu kämpfen."

Alonso ist skeptisch

Auch Ferrari-Star Fernando Alonso erwartet kein leichtes Rennen in England. Er bezweifelt, dass die schnellen Kurven auf der Insel dem F10 wirklich entgegenkommen. Für schnelle Kurven sei das Auto nicht gemacht, das habe der Grand Prix in der Türkei gezeigt.

Gleichwohl hofft der Spanier auf die generalüberholte Version des roten Renners, mit dem er in Valencia zeitweilig gut im Rennen lag, ehe ihn die Safety-Car-Phase ausbremste.

Ein Erfolg für die Scuderia beim England-Rennen sei wichtig. "Es ist eine entscheidende Phase in der Saison mit drei Rennen innerhalb der nächsten vier Wochen."

"Wir sind bereit"

Ferrari habe sich gut auf die wichtigen Wochen vorbereitet, so der Ferrari-Star: "Wir sind bereit, technisch wie körperlich." Alonso: "Die nächsten Rennen werden alle sehr hart umkämpft sein. Man muss ständig hundert Prozent geben."

Ähnlich sieht es sein Kollege Felipe Massa. Silverstone werde zur wichtigen Wegmarke für die Roten. "Es ist der Türkei am ähnlichsten, wo wir nicht konkurrenzfähig waren. Wenn der F10 hier funktioniert, wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

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