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Sebastian Vettel liegt in der WM auf Platz drei - zwölf Punkte vor Mark Webber (v.) © imago

Überlegen besetzt Red Bull in Silverstone die erste Startreihe. Doch Mark Webber fühlt sich von seinem Team benachteiligt.

Von Marc Ellerich

München - Für die Konkurrenz geriet das Qualifying zum Großbritannien-Grand-Prix in Silverstone zur Demütigung. Für das Red-Bull-Duo Sebastian Vettel und Mark Webber war die Zeitenjagd ein teaminternes Ausscheidungsfahren. (BERICHT: Pole für Vettel)

Mit dem besseren Ende für den Deutschen. Mit der Winzigkeit von eineinhalb Zehntelsekunden sicherte sich Vettel die bessere Ausgangsposition für das zehnte Rennen der Saison. Hinter Webber fehlten Ferrari-Star Fernando Alonso bereits acht Zehntelsekunden auf den Pole-Setter. (DATENCENTER: Das Qualifying-Ergebnis)

WM-Leader Lewis Hamilton, vor dem Grand Prix nach seinen letzten Resultaten gewiss als schärfster Widersacher des Deutschen gehandelt, betrieb auf Platz vier halbwegs Schadensbegrenzung für seinen Rennstall, nachdem Weltmeister Jenson Button auf Platz 14 abgestürzt war. 261583(DIASHOW: Das Qualifying)

Ein ähnliches Bild wie bei den Engländern bot sich auch beim deutschen Silberteam: Nico Rosberg plauderte als Fünfter aufgedreht in die Kameras, Mercedes-Star Michael Schumacher war nach Platz zehn enttäuscht. (STIMMEN: Hamilton schwärmt, Button flucht)

Red Bull droht Ärger

Das Maß aller Dinge an diesem Samstag blieben jedoch die Blauen vom Red-Bull-Rennstall. Aber ob sie ihre Triumphfahrt wirklich genießen konnten? Nach der so erfolgreichen Qualifikation droht dem österreichischen Rennstall neuer Unfrieden.

Zwar gab Vettel die zehnte Pole-Position seiner jungen Laufbahn sichtlich Auftrieb. "Es war alles in allem ein fantastischer Tag", schwärmte er nach seiner Fahrt: "Ich bin glücklich auf der Pole zu stehen. Ich denke, dass dies der Schlüsselmoment für das morgige Rennen ist."

"Wäre lieber Dritter geworden"

Seinem australischen Teamkollegen hingegen lag der 5:5-Ausgleich des Deutschen im Quali-Duell schwer im Magen. Webbers finstere Miene nach dem Ende des finalen Durchgangs verriet mehr als tausend Worte.

Und doch wurde der Pilot aus Queanbeyan nach der Rundenhatz deutlich. Webber, dem nach dem Crash in Valencia bereits vor dem englischen Grand-Prix-Wochenende Vettels altes Chassis als Ersatz verpasst worden war, sah sich offenbar von seinem Team benachteiligt.

"Ich denke, das Team ist mit dem heutigen Resultat glücklich", kommentierte er zähneknirschend den Ausgang des Qualifyings und schickte dann einen bösen Satz hinterher: "Ich wäre aber lieber Dritter geworden. Wir wissen, dass Platz zwei in der Startaufstellung auf den meisten Strecken scheiße ist. Wenn Fernando tauschen will, werden wir sehen, ob es geht."

Webber muss Flügel abgeben

Was dem Australier so übel aufstieß: Sein junger Rivale war vom österreichischen Rennstall offen begünstigt worden. Vettel bekam vor der Qualifikation den einzigen von zwei neuen Frontflügeln ans Auto montiert. Der erste war im dritten Training am Vormittag zu Bruch gegangen.

Webber musste danach seinen abgeben und mit dem älteren Modell Vorlieb nehmen. Dass Teamchef Christian Horner später davon sprach, Webber sei sehr glücklich mit der Balance seines Autos gewesen, dürfte dem Australier wie Hohn vorgekommen sein.

Scharfe Fragen

Nach dem Qualifying musste Horner scharfe Fragen der Journalisten beantworten, etwa jene, ob Vettel nun in der WM der bevorzugte Fahrer sei und ob es sich um ein abgekartetes Spiel gehandelt habe.

Horner bestritt beides kategorisch und sprach wiederholt von der "schwierigen Entscheidung", die er habe Treffen müssen. Entsprechend der Position in der WM - Vettel ist Dritter, Webber liegt zwölf Punkte dahinter - und dem Ergebnis des Abschlusstrainings sei der Flügel an Vettel gegeben worden.

"Mark weiß, wie wir als Team arbeiten. Er weiß, dass hinter der Entscheidung keine böse Absicht oder Manipulation gesteckt hat", rechtfertigte sich Horner.

Horner: Entscheidung des Teams

Hart blieb er dennoch: Die Entscheidung werde bei Red Bull vom Team gefällt, nicht von den Fahrern, "das haben sie nicht und das werden sie auch niemals".

Bei der Flügelvergabe an Vettel sei es um die Siegchance beim englischen Rennen gegangen, nicht um eine Bevorzugung des jüngeren Deutschen, von der bereits in den Wochen nach der teaminternen Kollision beim Türkei-Grand-Prix immer wieder gemunkelt wurde.

"Wir werden weiterhin beide Fahrer bestmöglich und so gerecht wie möglich unterstützen", beteuerte Horner. Unter umgekehrten Vorzeichen wäre Webber der Flügel überlassen worden.

Warme Worte

Dass die Argumente des Teamchefs und die vielen warmen Worte in Webbers Richtung ("brillant gefahren") den Australier davon überzeugen werden, dass ihm bei Red Bull ab sofort nicht die Rolle als Nummer zwei zugedacht ist, darf getrost bezweifelt werden.

Die Atmosphäre, die nach dem fatalen Türkei-Crash zumindest vordergründig befriedet worden war, scheint durch das Flügel-Dilemma endgültig vergiftet, auch wenn Horner angeblich nicht an den Stallkrieg glauben mag.

"Team immer wichtiger"

Beide sind bei Red Bull angestellt und fahren für das Team", führte Horner aus: "Und ich bin sicher, sie werden die bestmögliche Arbeit für uns abliefern."

Dass Webber sauer sei, könne er zwar verstehen: "Keiner wird gern vom Teamkollegen bezwungen, schon gar nicht so knapp. Aber letztlich fahren beide für das Team, und wir mussten heute eine schwierige Entscheidung treffen."

Er würde sich jederzeit wieder so entscheiden, bekräftigte der Red-Bull-Vorsteher: "Denn das Team ist immer wichtiger als der Einzelne."

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