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"Nicht schlecht für einen Nummer-zwei-Fahrer": Mark Webber © imago

Trotz Mark Webbers Sieg beim Grand Prix in Silverstone kommt Red Bull nicht zur Ruhe. Der Australier legt im Flügelzwist nach.

Von Marc Ellerich

München - Red Bull hat den Großbritannien-Grand-Prix in Silverstone dominiert - und das in jeglicher Hinsicht.

Samstags sicherte sich das Gespann des österreichischen Rennstalls überlegen die erste Startreihe, tags darauf raste Mark Webber ebenso unangefochten zum Sieg beim zehnten Saisonrennen. Zweiter wurde McLarens WM-Leader Lewis Hamilton vor Mercedes-Pilot Nico Rosberg und seinem Landsmann und Teamkollegen Jenson Button. (BERICHT: Webber siegt - und ätzt - Vettel im Pech)

Sebastian Vettel, der seinen australischen Kollegen im Qualifying noch hauchdünn hinter sich gelassen hatte, fiel nach einem Plattfuß in der Startphase bis auf den letzten Platz zurück, kämpfte sich aber mit furioser Fahrt zurück bis auf Platz sieben. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Webbers vergiftete Worte

Doch das blieben bei weitem nicht die einzigen Schlagzeilen, die das schnelle Team aus Österreich beim Grand Prix zum 60. Jubiläum der Formel 1 schrieb.

Vermutlich werden die internen Streitigkeiten des Limonaden-Rennstalls sogar länger im Gedächtnis haften bleiben, als der sportliche Erfolg. Denn womöglich hat Red Bull nach Silverstone genau das, was man nach dem fatalen Crash in der Türkei samt anschließendem öffentlichen Friedensgipfel nach Kräften vermeiden wollte: den offenen Stallkrieg zwischen Vettel und Webber.

Denn der Australier scherte sich nach seiner Siegfahrt einen Teufel um das Betriebsklima. Als sein Teamchef Christian Horner ihn nach der Zieldurchfahrt über das Bordmikrofon beglückwünschte, gab Webber vergiftete Worte zurück. "Nicht schlecht für einen Nummer-zwei-Fahrer", tönte es aus dem Radio. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Streit wegen Frontflügel

Was den 33-Jährigen aus Queanbeyan derart vergrätzt hatte, war die offene Bevorzugung Vettels im Qualifying. Das Team hatte das letzte Exemplar eines neuen Frontflügels von Webbers RB6 abmontieren und dem Deutschen ans Auto schrauben lassen. (Red Bull verleiht Flügel - aber nur an Vettel)

Mehrfach sprach Horner von einer "schwierigen Entscheidung", die er mit Vettels besserer Platzierung in Abschlusstraining und in der WM-Wertung begründete. Ein abgekartetes Spiel gegen den Australier schloss er kategorisch aus, beide Piloten würden weiterhin gleich behandelt.

Webber hat das offensichtlich nicht geglaubt. Er verdächtigte sein Team wohl, den Deutschen zu bevorzugen.

"Seb hat das nicht getan"

Und nach seiner Siegfahrt war der Groll gegen seinen Arbeitgeber noch immer nicht verflogen. "Ich hätte niemals einen Vertrag für das kommende Jahr unterschrieben, wenn ich damit gerechnet hätte, dass es so weitergeht", sagte Webber: "Ehrlich, ich glaube nicht, dass das hätte passieren dürfen. Ich war natürlich gegen die Entscheidung, aber so läuft es manchmal."

Webber attackierte Vettel sogar direkt. Einige Piloten hätten ihm während der Parade-Runde ihre Frontflügel angeboten, "Seb hat das nicht getan".

Der Australier rechnet nun damit, dass man das Thema besprechen werde. "Gestern war ich nicht glücklich, klar. Aber ich bin sicher, dass wir uns darüber morgen ordentlich unterhalten werden."

Horner wiegelt ab

Man werde sehen, wie es in Zukunft weitergehe, fügte der Sieger hinzu, allerdings dürfe derartiges nicht immer wieder vorkommen. Man dürfe die Piloten nicht fortwährend gegeneinander ausspielen. "Das kann dich zu sehr belasten. Nur wenn die Balance stimmt, kann das etwas mehr Leistung herauskitzeln."

Sein Vorgesetzter Horner versuchte Webbers Wut nach der Zieldurchfahrt herunterzuspielen. "Die Australier machen gerne mal Witze. Wir geben unser Bestes, um beide Fahrer gleich zu behandeln", sagte der Engländer: "Ich weiß, dass er vom Frontflügel spricht, aber wir konnten ihn nicht teilen."

Webber habe gute Arbeit geleistet. "Er ist gut gefahren, aber das Wichtigste ist das Ergebnis für das Team."

Vettel: Habe meine Meinung

Vettel wollte die Äußerungen seines Kollegen nicht kommentieren.

"Ich konzentriere mich auf mich selbst, besonders nach dem, was in der Vergangenheit passiert ist", sagte er: "Menschen haben verschiedene Meinungen, ich habe meine eigene. Manchmal lernt man Leute etwas besser kennen. Aber ich denke, ich habe meine Lektion gelernt, und schaue auf mich."

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