vergrößernverkleinern
Mark Webber liegt in der WM mit 128 Punkten auf Platz drei © imago

Bei Red Bull herrscht dicke Luft. Silverstone-Sieger Mark Webber teilt aus. Sein Teamchef versucht, die Lage zu beruhigen.

Von Marc Ellerich

München - Es war der Satz des englischen Rennwochenendes, mit dem Mark Webber seine Triumphfahrt beim Silverstone-Grand-Prix beendete: "Nicht schlecht für einen Nummer-zwei-Fahrer", sprach der Australier nach der Zieldurchfahrt ins Bordmikrofon - und wehrte mit diesem bösen Satz die Glückwünsche seines Teamchefs Christian Horner ab.

Danach brannte es endgültig lichterloh beim österreichischen Red-Bull-Team, von dem sich der Sieger so ungerecht behandelt fühlte. (Webber-Eklat: Hätte nie unterschrieben)

Anlass für den Groll des Australiers war die Vergabe des einzigen neuen Frontflügels an Sebastian Vettel vor dem samstäglichen Qualifying. Nachdem der Hesse den ersten Flügel im Abschlusstraining ruiniert hatte, wurde das zweite Exemplar von Webbers Auto abmontiert. (Red Bull verleiht Flügel - aber nur an Vettel)

Für Webber ein klares Signal: Red Bull bevorteilt den Deutschen. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Webber: Hätte nie verlängert

Er hätte seinen Vertrag mit den Österreichern nie um ein weiteres Jahr verlängert, wenn er geahnt hätte, wie sich die Dinge entwickeln würden, zürnte der 33-Jährige auf der Pressekonferenz nach dem englischen Rennen. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Sein Vorgesetzter Horner hatte danach alle Hände voll zu tun, der interessierten Öffentlichkeit zu versichern, dass Webber mit seinem Urteil falsch liege.

"Mark hat keinen Vertrag als Nummer zwei unterschrieben", stellte Horner klar: "Er weiß, wie viel wir getan haben, um ihn zu unterstützen."

Horner: Keine Nr. 1

Eine Festlegung auf Vettel als Red Bulls Vorfahrer, von der spätestens seit den Umständen rund um den fatalen Teamcrash beim Türkei-Grand-Prix gemunkelt wird, sei keineswegs erfolgt. "Es wird irgendwann einen Zeitpunkt geben, wenn ein Fahrer keine realistische WM-Chance mehr hat", sagte Horner: "Dann wird sich das Team hinter einen Fahrer stellen. Alles andere wäre dumm. Aber noch ist es viel zu früh, um einem Fahrer zu sagen, dass er nur noch die Nummer zwei ist."

Der Team-Vorsteher rechtfertigte erneut "die schwierige Entscheidung", die er bei der Flügel-Vergabe an Vettel habe treffen müssen. "Wir befanden uns in einer Situation, die wir nicht wollten. Wir hatten nur noch einen Flügel und wollten ihn unbedingt einsetzen. Egal, welcher Seite wir ihn gegeben hätten, die andere wäre unglücklich gewesen. Der plausibelste Weg schien mir, diese Entscheidung auf Basis der WM-Position zu treffen."

Sollte sich eine ähnliche Situation wiederholen, würden dieselben Regeln gelten, bekräftigte Horner. "Ich bleibe bei dieser Logik."

"Mark ist der König der Einzeiler"

Webbers Worte im Ziel tat Horner als leichtfertig ab. "Mark ist der König der Einzeiler", sagte er: "Das war nicht bösartig gemeint. Er war wütend über unsere Entscheidung gestern und hat sich geärgert, dass er den Flügel nicht bekommen hat. Aber ich kann das Ding ja nicht in zwei Teile schneiden."

Webber werde dem Team gewiss nicht den Rücken kehren, glaubt der Teamchef. "Er hat einen Vertrag mit uns. Wir haben ihm ein Auto hingestellt, mit dem er Rennen und sogar die gewinnen kann. Ich bezweifle sehr, dass er darauf verzichten wird."

Horner bot dem Australier ein klärendes Gespräch an: "Wenn dicke Luft herrscht, werden wir das klären."

Eine Spaltung des Teams in ein Webber-Lager und ein Vettel-Lager, befürchtet ihr Vorgesetzter "absolut nicht. Als Team halten wir mehr zusammen denn je."

Lauda: Red Bull hat nichts gelernt

Horner sprach sogar von einem positiven Effekt des erbitterten Teamduells für den österreichischen Rennstall. "Es ist gut, so ein Problem zu haben, zwei so starke Fahrer. Als Team tun wir unser Bestes, um ihnen jede Woche die gleichen Teile zu geben. Aber ob es dann Sebastian oder Mark ist der gewinnt, Hauptsache eines unserer Autos ist vorne."

Eine Theorie, die der frühere Weltmeister Niki Lauda für falsch hält. Red Bull habe aus der Kollision zwischen Vettel und Webber in Istanbul nichts gelernt, sagte der Österreicher: "Es kann nicht sein, dass ein Top-Team seine beiden Fahrer so pervers gegeneinander fahren lässt."

Vettel hält sich zurück

Das Verhältnis zwischen dem Australier und dem Deutschen dürfte nach dem zehnten Saisonrennen jedoch endgültig zerrüttet sein.

Webbers eiskalter Blick, als Vettel ihm mit flüchtigem Handschlag gratulierte, verriet mehr als die vielen Worte nach dem Klassiker auf der Insel.

Aber der Pilot aus Queanbeyan attackierte seinen jüngeren Kollegen in Silverstone auch direkt. Viele Kollegen hätten ihm bei der Fahrer-Parade vor dem Grand Prix einen ihrer Frontflügel angeboten, "Seb hat das nicht getan."

Vettel hielt sich in seinen Kommentaren zurück. "Ich will da nicht noch mehr Salz in die Wunde streuen. Wir haben sein sehr starkes Auto und können uns eigentlich nur selbst im Weg stehen."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel