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Düpiertes Duo: Fernando Alonso (r.) und Felipe Massa nach Silverstone © getty

Bei Ferrari läuft auch in Silverstone alles schief. Massa lamentiert, sein Chef erinnert an Räikkönen, Alonso glaubt an die WM.

Von Marc Ellerich

München - München - Die Lage im roten Team ist ernst, und der Teamchef wählte daher den ganz großen Vergleich. "Man muss sich mal an 2007 erinnern", sagte Ferrari-Anführer Stefano Domenicali nach dem Großbritannien-Grand-Prix in Silverstone: "Damals lagen wir auch lange Zeit teilweise erheblich zurück."

Worauf der Italiener mit seinem Rückblick anspielte, war natürlich jedem Ferraristi klar. Domenicali erinnerte an jenes triumphale Jahr, in dem Kimi Räikkönen das in der WM führende McLaren-Duo Lewis Hamilton und Fernando Alonso beim Saisonfinale ein- und überholte und der Scuderia kurz vor Toreschluss den Titel bescherte.

Domenicali lieferte die Essenz seiner kleinen Geschichte gleich mit: "Es ist noch lange nicht vorbei. Wir müssen positiv in die Zukunft schauen." (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Das nächste Debakel

Aber genau das fällt manchem aus der roten Crew im Moment nicht leicht. Beim Rennen auf der Insel erlebte Ferrari, zwei Wochen nach dem katastrophalen Europa-Grand-Prix in Valencia das nächste Debakel. (RENNBERICHT: Webber siegt und ätzt - Pech für Vettel)

Am Ende eines finsteren Rennens standen für Fernando Alonso und Felipe Massa die Plätze 14 und 15 zu Buche, macht in der Endabrechnung null Punkte. In der WM rangiert Alonso 47 Zähler hinter dem Führenden Lewis Hamilton an fünfter Stelle, Massa hat 67 Zähler und ist Achter.

Das rote Traditionsteam droht die WM also aus den Händen zu verlieren, und die Statements der Beteiligten klingen von Rennen zu Rennen verzweifelter. (STIMMEN: "Das ist gigantisch")

Alonso schlitzt Massas Reifen auf

"Wir scheinen im Moment wirklich verflucht zu sein, wenn alles was schiefgehen kann, schiefgeht", lamentierte Domenicali nach dem zehnten Saisonrennen, das für sein Team bereits fatal begann. Beim Start touchierten sich Alonso und Massa, und der Spanier schlitzte dem Brasilianer den Reifen auf.

"Ich weiß nicht, was ich machen soll", klagte Massa später: "Aber ich muss einen Weg finden, um dem Pech zu entkommen, das mich verfolgt. In den vergangenen paar Rennen ist mir alles passiert: Heute war mein Rennen vorbei, als ich Fernando berührte und einen Platten bekam."

Fortan kurvte der Vize-Weltmeister von 2008 eine Position vor Sebastian Vettel am Ende des Feldes herum.

Durchfahrtsstrafe gegen Alonso

Bei Alonso lief es kaum besser. Auch der Pilot aus Oviedo fiel nach einem "schrecklichen Start" vom dritten Platz ins Feld zurück. Schlüsselszene seines Rennens war jedoch ein Überholmanöver gegen Robert Kubica, bei dem Alonso in der Kurve abkürzte. Die Rennleitung ahndete das Manöver mit einer Durchfahrtsstrafe, der Ferrari-Pilot fiel auf den 18. Platz zurück. Der befreundete Pole im Renault musste übrigens kurz darauf sein Auto mit einem Defekt zurück in die Garage lenken.

"Die Strafe fiel mit der Safety-Car-Phase zusammen", kommentierte der Ferrari-Star sein Missgeschick: "Anstatt ein paar Positionen zu verlieren, verlor ich ein Dutzend. Selbst nach meinem schwierigen Start war ich überzeugt, dass ich Dritter hätte werden können, stattdessen kam ich mit leeren Händen ins Ziel."

"Wir werden gewinnen"

Aufgeben will der Weltmeister der Jahre 2005 und 2006 trotz des bisher holprigen Saisonverlaufs noch lange nicht (nur den Start-Grand-Prix in Bahrain gewann er vor Massa). Er glaubt angeblich nach wie vor fest an den Titelgewinn.

"Ich denke, wir werden gewinnen", sagte er. Man habe in den Grands Prix in Valencia und Silverstone Punkte liegen lassen. "Aber das ist nun der Moment in der Meisterschaft, in dem wir zeigen müssen, dass wir den Titel wollen und ein echter Anwärter sind. Ich glaube noch mehr als vor dem Rennen, dass wir die Weltmeisterschaft gewinnen werden."

Was Alonso offenbar derart zuversichtlich stimmte. "Das Auto ist besser geworden. Ich flog, als ich wirklich eine freie Strecke vor mir hatte."

Sein Appell ans Team: "Wir müssen weiter arbeiten und an uns selber glauben."

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