Experte Jacques Schulz räumt Red Bull im Power-Ranking zum Deutschland-GP gute Chancen ein, die Wende in der WM zu schaffen.

Hallo Formel-1-Fans!

Mit dem Großen Preis von Deutschland (Training, Fr. ab 10 Uhr LIVE im TICKER und im TV auf SPORT1) und dem Ungarn-GP am Wochenende darauf stehen noch vor der Sommerpause zwei ganz entscheidende Rennen an.

Hockenheim ist zunächst einmal das Heimspiel der sechs deutschen Fahrer. Toll, dass dieser Grand Prix, der ja lange auf der Kippe stand, wieder soviel Berücksichtigung findet. Einem absoluten Motorsport-Highlight steht jedenfalls nichts im Wege. Ich erwarte ein spannendes Rennen mit super Atmosphäre auf einer tollen Bahn mit stadionartigem Charakter.

Zum Power-Ranking: Der Zweikampf zwischen Red Bull und McLaren geht auch in Baden weiter.

[image id="23591b87-65b9-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Ich erwarte, dass der Vorsprung Red Bulls größer sein wird als noch in Silverstone. Dort hatte ich mehr erwartet von McLaren. In der Summe der Eigenschaften wie Streckenlayout und Reifenwahl kommt Hockenheim dem Red Bull entgegen. Der Ring ist fast schon eine Vorzeigestrecke für den RB6.

Sebastian Vettel hat den Heimspiel-Bonus, aber Mark Webber darf man auf keinen Fall unterschätzen. Was er in den letzten Wochen gezeigt hat, bedarf einer enormen psychischen Stärke. Vettel steht extrem unter Druck. Er hat beim Heimspiel das beste Auto und liegt gegenüber seinem Teamkollegen nach Punkten zurück.

Glaubt man den Äußerungen der Teamführung, dass der Führende mehr Unterstützung erhält, muss Vettel in den nächsten zwei Rennen an Webber vorbeiziehen - das ist eine Mammutaufgabe. Aber ich traue Sebastian zu, Nachfolger Michael Schumachers in Hockenheim zu werden, der hier vor 15 Jahren zum ersten Mal gewann.

[image id="2368d1c5-65b9-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Die Plätze zwei und vier für McLarens Lewis Hamilton und Jenson Button in England täuschen etwas über das Kräfteverhältnis hinweg und sind unter glücklichen Bedingungen zustande gekommen. Zudem hat die Briten der Rückbau des neuen angeblasenen Diffusors auf den Stand von Valencia Zeit, Kraft und auch ein paar Zehntel gekostet.

Und selbst sollte das System jetzt funktionieren, bringt es keinen so großen Vorteil, da es auf schnelle Kurven und Geraden abzielt.

McLaren braucht einfach noch mehr Erfahrungswerte mit dem neuen Auspuff, um auf das Level von Adrian Neweys (Red Bulls Chef-Designer, d. Red.) Boliden zu kommen. Selbst wenn man perfekt aufgestellt sein sollte: Red Bull schläft ja auch nicht und ist für mich klarer Favorit für die nächsten beiden Rennen.

[image id="2388f0e9-65b9-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

An Position drei sehe ich Ferrari. Besondere Umstände haben die Ergebnisse der Scuderia in den letzten Rennen verwässert. Der F10 hat mehr Speed und mehr Potenzial als das Tableau es darstellt. Wobei wir hier nur von Fernando Alonso reden, der nahezu im Alleingang die Punkte holt.

Das Rennen in Hockenheim dürfte bei einem problemlosen Verlauf die Chance sein, hinter Red Bull und McLaren gute Punkte einzuheimsen. Und sollte an der Spitze etwas schiefgehen, ist Alonso da.

Ein gutes Ergebnis wäre elementar, denn Ferrari holt bislang nicht das Maximale aus seinen Möglichkeiten heraus. Wenn Luca di Montezemolo sich zu Wort meldet - wie diese Woche geschehen - ist das ein untrügliches Zeichen dafür.

[image id="23a197c8-65b9-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Mercedes ist beim Heimspiel nahe Stuttgart vierte Kraft, denn Renault sehe ich hier nicht so stark. Es gibt wenig positive Indikatoren für die Franzosen, außer vielleicht dem Kubica-Faktor - und der ist zu wenig gegen die hoch motivierte Mercedes-Mannschaft.

Der dritte Podiumsplatz von Nico Rosberg in England war gut für die Stimmung, und auch Schumacher wird natürlich heiß sein. Der Altmeister braucht ein gutes Ergebnis, um seinen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Aber Hockenheim und Schumacher - das passt schon!

Ich erwarte von der Nationalmannschaft auf deutschem Boden ein Top-Ergebnis. Sie müssen dazu das Auto im Qualifying auf eine Runde gut hinbekommen. Dann kann man aufs Podium schielen und muss sich nicht sofort wieder nach hinten abschirmen.

[image id="23b0e98c-65b9-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Renault spielt in Hockenheim keine große Rolle, was aber in Budapest sieben Tage später ganz anders aussehen wird.

Denn Ungarn ist wie in Monaco, nur mit Leitplanken und Bodenwellen.

Der Kurs ist eine Referenzstrecke für den Renault, mit Robert Kubica dort ist auf jeden Fall zu rechnen.

Red Bull hat mittlerweile seine Schwäche in den langsamen Sektoren abgelegt, deswegen sind sie auch in Ungarn der Top-Favorit. Sie haben in den kommenden zwei Rennen eine Riesenchance, den zum Teil selbst verschuldeten Rückstand in der WM umzudrehen und sich vor der Sommerpause eine tolle Ausgangslage für die zwei verbleibenden Europarennen und die finale Überseephase zu schaffen.

Vorausgesetzt, man bekommt sich nicht wieder intern in die Haare. Beim kleinsten Malheur fühlt sich jetzt einer der beiden Fahrer benachteiligt und in die Enge getrieben.

Das Luxusproblem hat sich zu einem Brandherd wie 2007 bei McLaren entwickelt...

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel