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Strahlende Sieger sehen anders aus: Felipe Massa bei der Ehrung in Hockenheim © getty

Felipe Massa macht nach dem Teamorder-Skandal von Hockenheim gute Miene zum bösen Spiel, die Experten sind uneins. Die Reaktionen.

München - Es war der Aufreger schlechthin beim Rennen in Hockenheim: Felipe Massa ließ in Runde 48 des Deutschland-GP (267268Bilder) seinen Teamkollegen Fernando Alonso passieren ? auf Anweisung vom Ferrari-Kommandostand.

Alonso erbte seinen zweiten Saisonsieg, der zweitplatzierte Massa machte gute Miene zum bösen Spiel.

"Nun, ich denke schon", sagte der Brasilianer auf der Pressekonferenz auf die Frage, ob er das Gefühl hat, den Sieg verdient zu haben.

Ähnlich sah das der Weltverband FIA, dessen Rennkommissare wegen des Vorwurfs der Teamorder eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Dollar gegen den Traditionsrennstall aus Italien verhängten.

Zudem wird der Fall zur weiteren Untersuchung an das Motor Sports World Council übergeben. Am Rennergebnis von Hockenheim ändert sich allerdings nichts (DATENCENTER: Rennergebnis).

SPORT1 hat die Stimmen zum Großen Preis von Deutschland zusammengestellt.

Fernando Alonso, Ferrari, 1:

"Wir sind glücklich mit diesem Ergebnis, wir arbeiten für ein Team. Man hat dieses Jahr schon Unfälle zwischen Teamkollegen gesehen. Heute hat Ferrari 42 Punkte in der Tasche. Das ist es, wofür wir hier sind."

Felipe Massa, Ferrari, 2:

"Der Start war einfach fantastisch, und die Pace auf den weichen Reifen war auch sehr gut. Dann habe ich etwas mit den harten Reifen gekämpft, aber es war trotzdem ein sehr gutes Rennen für uns. Über den Funkspruch gibt es eigentlich nichts zu sagen. Mein Gefühl war, wir machen gute Arbeit für das Team."

Stefano Domenicali (Teamchef Ferrari):

"Wir haben Felipe die Information übermittelt, wie die Situation ist. Wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass solche Situationen oftmals nicht zu dem Ergebnis führen, das im besten Interesse des Teams ist, also haben wir entschieden, Felipe diese Information zu geben. Wir überließen es den Fahrern, das zu verstehen und sicherzustellen, dass das für das Team beste Ergebnis herauskommt."

Sebastian Vettel, Red Bull, 3:

"Der Start war der Schlüssel. Ich weiß nicht genau, was passiert ist, aber ich bin auf den ersten Metern überhaupt nicht weggekommen und war noch froh, dass der Motor nicht abgestorben ist, weil die Drehzahl in den Keller gefallen ist. Wir waren zum größten Teil im Rennen das entscheidende Zehntel langsamer als die Ferrari. Am Ende war der dritte Platz das Maximum. Außerdem freue ich mich, dass ich beim Heim-Grand-Prix zumindest auf dem Podium stehen und mich von den Fans feiern lassen durfte. Das war sehr emotional."

Christian Horner (Teamchef Red Bull):

"Es war schon überraschend, was mit den beiden Ferrari passierte. Es sah aus wie eine Teamorder, wo die beiden Autos die Positionen tauschen. Wenn das so war, ist es eine Schande für die Formel 1 und die Fans, weil sie eines Rennens zwischen den zwei Ferrari-Fahrern beraubt wurden."

Lewis Hamilton, McLaren, 4:

"Ferrari und Red Bull waren sehr schnell. Wir haben gehofft, dass unser Rückstand im Rennen kleiner ist als noch im Qualifying. So war es auch, aber wir müssen Tempo auf unsere Rivalen aufholen. Wir müssen herausfinden, wo wir uns verbessern können. Wir haben heute alles versucht, aber wir müssen jetzt noch härter arbeiten, um wieder an die Spitze zu kommen."

Nico Rosberg, Mercedes, 8:

"Wir machten heute das Beste aus unserer Situation, aber nach dem Podiumsplatz vor zwei Wochen in Silverstone ist der achte Platz enttäuschend und lediglich eine Schadensbegrenzung. Ich habe auf Robert Kubica nur zwei Punkte verloren. Wir hatten das ganze Wochenende über Probleme."

Michael Schumacher, Mercedes, 9:

"Ich startete recht gut, aber danach konnte ich nicht mehr viel ausrichten. Ursprünglich war geplant, dass ich lange draußen bleiben sollte, doch dann passten wir unsere Strategie den Umständen an, vielleicht wäre ein etwas besseres Resultat drin gewesen. Aber das hätte auch nicht viel geändert, wir waren in diesem Rennen einfach nicht so stark wie erhofft."

Schumacher zur Stallorder-Debatte:

"Man muss mal ehrlich sein. Das hier ist keine Kaffeefahrt, sondern es geht um eine Weltmeisterschaft und da geht es um Punkte. Wer ab einem gewissen Zeitpunkt die meisten Zähler hat, auf den wird nun einmal in der Meisterschaft gesetzt. Wenn am Ende des Jahres diese fünf Punkte zum Titel fehlen würden, sagt dann jeder: 'Was für Deppen seid ihr in Hockenheim gewesen.' Insofern kann ich das nachvollziehen."

Niki Lauda (dreimaliger Weltmeister):

"So einen Betrug am Publikum und an den Zuschauern zu Hause habe ich noch nicht erlebt. Teamorder ist verboten. Ich bin gespannt, wie die FIA reagieren wird. Todt ist der Präsident, ein ehemaliger Ferrari-Mann. Ich bin gespannt, wie er entscheidet, denn so etwas darf man nicht durchgehen lassen."

Marc Surer (Ex-Pilot und TV-Experte):

"Daran, wie es Massa gemacht hat, kann man eindeutig ablesen: Er wollte das nicht, er musste es machen. Ferrari hat hier einen Doppelsieg herausgefahren, aber das machen sie mit dieser Teamorder kaputt, denn jetzt werden alle von der Teamorder reden und niemand von der tollen Ferrari-Leistung. Die war nämlich sensationell."

David Coulthard (Ex-Pilot und TV-Experte):

"Es ist offensichtlich, dass Rob Smedley nicht derjenige sein wollte, der die Nachricht überbringt, und ich finde es ziemlich unfair vom Teammanagement, ihn darum zu bitten. Ich finde das Teamorder-Verbot ehrlich gesagt lächerlich. Genau wie beim Videobeweis im Fußball: Es ist an der Zeit, das zu ändern."

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