vergrößernverkleinern
Der eine feiert, der andere trauert: Fernando Alonso und Felipe Massa (l.) © Getty Images

Ferrari lotst Alonso per Stallorder zum Sieg in Hockenheim und kommt glimpflich davon. Schumi macht sich für die Roten stark.

Von Marc Ellerich

München - Nicht Sebastian Vettel, nicht Nico Rosberg oder Michael Schumacher - das Fahrergespann des Ferrari-Teams hat das Heimrennen der deutschen Piloten auf dem Hockenheimring dominiert. Und das in jeglicher Hinsicht. (267268Die Bilder)

Mit einem Doppel-Erfolg - Fernando Alonso siegte vor Felipe Massa - verdarben die Fahrer des italienischen Rennstalls den Deutschen überlegen den großen Auftritt in der Heimat. (BERICHT: Alonso siegt dank Stallorder - Vettel Dritter)

Immerhin: Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel, am Samstag Erster im Qualifying, grüßte nach verkorkstem Start noch als Dritter vom Podium des Deutschland-Grand-Prix. "Unser Maximum", so Vettel, der technische Probleme für seinen schlechten Beginn verantwortlich machte. (DATENCENTER: Rennergebnis)

Vorwurf Stallorder

Die Schlagzeilen jedoch wird Ferrari beherrschen - wenngleich aus einem anderen Grund, als es den Italienern lieb ist.

Stallorder, so lautete der Vorwurf nicht nur der Red-Bull-Crew nach dem elften Rennen des Jahres. Ferrari habe Alonso in Runde 49 verbotener Weise am bis dahin führenden Massa vorbei zum Sieg gelotst.

"Fernando ist schneller als du. Kannst du bestätigen, dass du diese Nachricht verstanden hast?", bekam der Brasilianer von seinem Renningenieur Rob Smedley aufs Ohr gefunkt. Massas Antwort kam wenig später: Er verlor sichtlich an Tempo, Alonso zog vorbei.

"Guter Junge, sorry!"

Wem dies als Bestätigung für einen laut Formel-1-Reglement verbotenen Stallbefehl nicht ausreichte, der dürfte sich nach dem folgenden Ferrari-Funkspruch endgültig sicher sein. "Guter Junge, sorry!", funkte Smedley eine Entschuldigung ins Massa-Cockpit.

Massas Miene nach der Zieldurchfahrt sprach Bände, aber auch seine Worte in der Pressekonferenz verrieten viel. "Ich glaube, ich muss dazu nicht viel sagen", wand sich der Pilot, der vor genau einem Jahr in Ungarn schwer verunglückt war, um eine klare Einordnung - und tat es dennoch.

"Ich denke ja", antwortete Massa auf die Frage des Moderators, ob er den Sieg verdient gehabt hätte. Dann rang er sich noch zu ein paar allgemeinen Floskeln durch.

Ferrari: Fahrer haben entschieden

Sein Team wollte von einer Stallorder anschließend nichts wissen. "Das war keine Teamorder", kommentierte Ferrari-Vorsteher Stefano Domenicali das strittige Manöver.

Stattdessen behauptete er, man habe den Fahrern die Entscheidung überlassen: "Wir haben Felipe die Information übermittelt, wie die Situation ist", so Domenicali: "Wir überließen es den Fahrern das zu verstehen und sicherzustellen, dass das Ergebnis herauskommt, das für das Team am besten ist."

100.000 Dollar Strafe

An dieser Version befielen die Rennkommissare offenbar gewisse Zweifel. Unmittelbar nach Rennende hatten sie die Ferrari- Teamführung zu Untersuchungen einbestellt.

Am Sonntagabend verhängten die Funktionäre des Automobil-Weltverbands FIA dann ihr Urteil: Ferrari muss eine Geldstrafe von 100.000 Dollar bezahlen. Der Fall wird dem Motorsport-Weltrat zur Untersuchung übergeben. Kurios allerdings: Das Rennergebnis bleibt zunächst einmal bestehen.

Wie reagiert Red Bull?

Wie Red Bull auf den halbherzigen Richterspruch reagierte, war offen. Man wollte die Reaktion der Kommissare abwarten, hatte es am Nachmittag geheißen.

Für das Vettel-Team war der Fall eine glasklare Angelegenheit. "Das war ganz klar eine Teamorder. Die haben die Positionen gewechselt und sich sogar noch bei Felipe entschuldigt. Eine Schande", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Das Rennen sei manipuliert worden.

"Offensichtlicher kann man eine Teamorder nicht vorführen, als Ferrari das gemacht hat", sagte auch Red Bulls Motorsportbeauftragter Helmut Marko: "Das ist so offensichtlich. All die Aussagen und dann die Entschuldigung an Massa. Es ist Aufgabe der FIA und des Sportgerichts, hier etwas zu unternehmen."

Ob Red Bull sich mit dem Spruch der FIA-Kommissare nun zufrieden geben wird? Immerhin hatte Marko im selben Atemzug "drastische Konsequenzen" gefordert.

Schumi: "Was ist Stallorder?"

Während zahlreiche Experten nach dem Rennen Ferraris Regelverstoß kritisierten, stellte sich Mercedes-Pilot Michael Schumacher auf die Seite seines früheren Rennstalls.

"Man muss mal ehrlich sein", sagte Schumacher, der 2002 auf dem A-1-Ring in Zeltweg von einer Anweisung seines damaligen Arbeitgebers Ferrari profitiert hatte ("Let Michael pass?"): "Das hier ist keine Kaffeefahrt, sondern es geht um eine Weltmeisterschaft, und da geht es um Punkte."

"Was ist Stallorder?", fragte Schumacher: "Ich muss gestehen, dass ich das ziemlich anders sehe. Es kann nur ein Fahrer Weltmeister werden, und das ist derjenige, der am Ende die meisten Punkte hat."

Wer ab einem gewissen Zeitpunkt die meisten WM-Zähler angesammelt habe, so der in Hockenheim Neuntplatzierte weiter, "wird nun einmal auf die Meisterschaft gesetzt". Würden am Ende der Saison wenige Punkte zum Titel fehlen, "dann sagt jeder: 'Was für Deppen seid ihr in Hockenheim gewesen.' Insofern kann ich das nachvollziehen".

Vettel: Team hat Priorität

Und sogar Sebastian Vettel hatte offenbar ein gewisses Verständnis für das unlautere Verhalten seiner Rivalen. "Das Team hat Prioriät. Von ihnen bekommen wir unsere Schecks", sagte der Hesse, der zuletzt ebenfalls in Querelen mit seinem Teamkollegen Mark Webber geraten war.

Anschließend räumte Vettel das Feld für die Ferrari-Konkurrenten. Der Heppenheimer wusste, dass er an diesem Tag bei seinem Heimspiel nur die Nebenrolle innehatte.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel