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Sebastian Vettel (l.) und Fernando Alonso trennen in der WM 13 Punkt © getty

Ferrari muss nach der Stallorder-Affäre eine härtere Bestrafung befürchten. Darauf setzt offenbar auch das Vettel-Team.

München - Sie spielten standhaft die Unschuldslämmer und verzichteten nach dem Urteil der Rennkommissare "im Sinne des Sports" auf einen Einspruch gegen die 100.000-Dollar-Geldstrafe. (Nachbericht: Ferrari: Milde Strafe und Schumis Beistand)

Dennoch muss Ferrari nach dem Teamorder-Skandal von Hockenheim weiter zittern. "Die Sportkommissare überweisen diese ganze Angelegenheit ja nicht umsonst an das World Motor Sport Council", sagte Sebastian Vettels Red-Bull-Teamchef Christian Horner gegenüber "motorsport-magazin.com" stellvertretend für viele im Formel-1-Zirkus.

Der Engländer hofft offenbar auf eine härtere Bestrafung des italienischen Traditionsteams: "Warten wir doch mal ab, was da noch rauskommt." (267708DIASHOW: Die härtesten Strafen der Formel 1)

Schlüsselrolle für Todt

Die Rennkommissare waren überzeugt, dass das Überholmanöver des späteren Siegers Fernando Alonso gegen seinen zu dem Zeitpunkt führenden Teamkollegen Felipe Massa auf Anweisung des Teams zustande kam. Die Teamorder ist allerdings seit 2003 explizit verboten, nachdem Ferrari 2002 in Zeltweg schon einmal die gesamte Formel-1-Welt vor den Kopf gestoßen hatte. (BERICHT: Alonso siegt dank Stallorder - Vettel Dritter)

Damals hatte Rubens Barrichello Michael Schumacher kurz vor dem Ziel passieren lassen. Der Mann, der Barrichello seinerzeit am Ferrari-Kommandostand den berühmten Befehl "Let Michael pass for the Championship!" gegeben hatte, war Jean Todt.

Inzwischen ist der Franzose Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA und steht in dieser Funktion auch dem World Motor Sport Council vor, das jetzt über die Hockenheim-Affäre urteilen soll. Pikanterie am Rande: Todts Sohn Nicolas ist Massas Manager.

Wann tagt der Weltrat?

Ein Termin für die Sitzung steht noch nicht fest, das nächste turnusmäßige Treffen des 26-köpfigen Gremiums ist erst für den 10. September vorgesehen. Es ist aber davon auszugehen, dass die FIA versuchen wird, schon vorher eine außerordentliche Sitzung einzuberufen.

In der dürfte dann wohl Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali die gleiche Erklärung abgeben, die ihm offensichtlich schon die Rennkommissare in Hockenheim nicht abgenommen hatten.

Domenicali zuversichtlich

"Was wir ihm gesagt haben, war eine Information über die Situation hinter ihm", sagte Domenicali über den entscheidenden Funkspruch von Massas Renningenieur Rob Smedley an den Brasilianer: "Fernando ist schneller als du. Kannst du bestätigen, dass du diese Nachricht verstanden hast?"

Eine Parallele zum Skandal 2002 wollte Domenicali nicht sehen. Der Italiener ist zuversichtlich, "dass das World Council weiß, wie es die vorliegenden Fakten einordnen muss".

Seine Fahrer eierten in Hockenheim mit ihren Aussagen herum.

Alonso wehrt sich

Massa, der immerhin zugab, dass er genau ein Jahr nach seinem fast tödlichen Unfall in Budapest gerne wieder ein Rennen gewonnen und sich auch als verdienter Sieger gesehen hätte, sprach einerseits über Reifenprobleme, andererseits über professionelles Handeln im Sinne des Teams.

Alonso wehrte sich vehement gegen den Vorwurf eines schmutzigen Sieges und sprach immer wieder davon, er sei am gesamten Wochenende der schnellere der beiden Ferrari-Piloten gewesen.

Böse Kommentare

Kein Wunder, dass es vor allem aus dem Fair-Play-Mutterland England, wo man schon vor zwei Wochen in Silverstone heftig den Flügelwechsel bei Red Bull kritisiert hatte, böse Kommentare hagelte.

Auch der dreimalige Weltmeister und frühere Ferrari-Pilot Niki Lauda zeigte keinerlei Verständnis für die Scuderia. "So einen Betrug am Publikum und an den Zuschauern zu Hause habe ich noch nicht erlebt. Teamorder ist verboten", schimpfte der TV-Experte.

Er will die weitere Entwicklung sehr interessiert verfolgen: "Todt, ein ehemaliger Ferrari-Mann, ist der Präsident der FIA. Ich bin gespannt, wie Jean entscheidet, denn so etwas darf man nicht durchgehen lassen."

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