SPORT1-Experte Peter Kohl geht in den Tops und Flops des Deutschland-GP hart mit Ferrari ins Gericht. Vettel gibt er einen Rat.

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FLOPS

Ferrari: Was für ein Schmierentheater! Mit der Art und Weise, wie der Platztausch zwischen Massa und Alonso für die gesamte Welt durch den Funkspruch nachvollziehbar vollzogen wurde, zeigt, mit welcher Arroganz Ferrari dem Rest der Welt gegenübersteht. Kein Respekt vor dem Reglement, den Rennstewards, den Zuschauern auf den Tribünen, die sehr viel Geld bezahlen für ihre Sitzschalen, um Racing zu sehen, sowie den Millionen Formel-1-Fans weltweit vor den Fernsehschirmen.

Über den Sinn oder Unsinn der Stallorderregel darf man gerne diskutieren ? aber die Regeln gelten für alle, und so lange es sie gibt, muss man sie beachten.

Wie Ferrari damit umgegangen ist, gehört bestraft! Nicht nur mit lächerlichen 100.000 Dollar!

Dass Teamchef Stefano Domenicali Massa nach der Siegerehrung nochmal aufs Podest zwang, nachdem er ihn im Rennen enteiert hatte, um der Welt zu demonstrieren wie harmonisch und toll doch die Ferrari-Familie ist, war die Krönung der Farce und eine Verachtung des Menschen Massa.

Ebenso die Interviews nach dem Rennen. Nehmt ihnen alle Punkte in der Konstrukteurswertung - mindestens.

Fernando Alonso: Sein Speed war überragend während des gesamten Wochenendes, er war im Rennen schneller als Teamkollege Massa. Aber sein Funkspruch, in dem er die Verteidigungsversuche von Massa, der das Rennen anführte, als lächerlich bezeichnete, zeugt von brutaler Arroganz.

Er sieht sich als klare Nummer 1 im Team und beansprucht diese Rolle auch in aller Konsequenz ohne Respekt dem eigenen Teamkollegen gegenüber. Ich bleibe dabei: Alonso ist der kompletteste Fahrer derzeit im Feld, aber deshalb muss man ihn trotzdem nicht unbedingt mögen.

Mercedes GP: Sorry, aber diese Leistung war eines Heim-Grand-Prix' unwürdig. In der Woche vor dem Rennen sprach Michael Schumacher noch von Podestplatzierungen - am Ende wurden er und Nico Rosberg überrundet! An den Fahrern liegt's nicht, dass der Stern nicht strahlt und funkelt.

Force India: Weit von der bisherigen Performance der Saison entfernt - dieser Grand Prix von Deutschland war für das Team ein glatter Griff ins Klo bis zum Ellbogen.

Sebastian Vettel: Perfektes Qualifying, die sechste Pole der Saison - aber nur einmal kam er vom besten Startplatz aus auch als Sieger ins Ziel. Starts üben! Sonst wird's nichts mit dem WM?Titel.

Williams: Schade! Super Freie Trainings, tolles Qualifying, und im Rennen war ab dem Start die Luft raus.

Toro Rosso: Der Trend der letzten Wochen verstärkt sich, da man selber konstruieren muss, und nicht mehr auf Red Bull Technology zurückgreifen kann, fällt das Team immer weiter zurück. Das Alguersuari in der ersten Runde seinem Teamkollegen Buemi ins Heck drosch und für dessen Ausfall sorgte, passt da leider ins Bild.

Formel-1-Euphorie in Deutschland: Der Blick auf die Tribünen war zum heulen. Sechs deutsche Starter, die Comeback-Saison von Michael Schumacher, und Sebastian Vettel kämpft um den WM-Titel. Was soll denn noch kommen, um Arenen hierzulande zu füllen?

Sakon Yamamoto: Wer braucht den eigentlich in der Formel 1?

TOPS

Felipe Massa: Er wurde hart kritisiert in den letzten Wochen, auch von mir, war deutlich angezählt. Wie er am Hockenheimring zurückgeschlagen hat, imponiert mir! Leider Opfer einer unsäglichen Schmierenkomödie!

Sauber: 40 Jahre Motorsport mit Peter Sauber, und die Jungs werden derzeit von Rennen zu Rennen schneller! Ich hoffe inständig, dass diese sympathische Mannschaft aus der Schweiz bald einen potenten Hauptsponsor für die nächsten Jahre vorweisen kann!

Witali Petrow: Gott und die Welt spekulieren über sein Cockpit bei Renault. Teamchef Boullier hat ihn öffentlich unter Druck gesetzt ? und der 25 jährige reagiert mit einem starken Wochenende und einem Punkterang. Respekt!

Timo Glock: Egal, wie dick die Prügel sind, die ihm zwischen die Beine geworfen werden - der Wersauer beißt sich durch, wird seinem Spitznamen Kampfdackel vollauf gerecht!

Alexander Wurz: Ein Mann klarer Worte!

Der Kessel brodelt, am Freitag geht's schon weiter - ich bin gespannt auf Budapest und die Diskussionen rund um Ferrari!

Bis dahin, Ihr

Peter Kohl

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