Die Ferrari-Stallorder-Affäre führt das Dilemma der Formel 1 vor Augen: Ist sie Einzel- oder Teamsport? Die FIA ist gefordert.

Die Formel 1 steckt nicht erst seit der Stallorder-Affäre von Hockenheim in der Glaubwürdigkeitsfalle.

Doch Fernando Alonsos befohlener Sieg führte der Welt das Problem der PS-Liga wieder einmal drastisch vor Augen: Die Fans wünschen sich einen anderen Sport als jenen, wie ihn die Rennställe betreiben wollen - selbst um den Preis, dass sie dabei gegen geltende Regeln verstoßen und sich obendrein vor aller Welt blamieren.

Während die Anhänger der Formel 1 offenbar ein wenig naiv an die hehren Ideale jeglichen Sporttreibens glauben, nämlich, dass dem besten Mann (oder der besten Frau) der Sieg im Wettkampf gebührt, ist das Kalkül der Rennställe ein völlig anderes: Chancengleichheit interessiert sie nicht, so oft sie das auch betonen mögen.

Für die Teams der Königsklasse geht es immer zu allererst um den Erfolg des Kollektivs, den sie sich für Abermillionen erkaufen wollen.

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Und demjenigen Piloten, dem sie die besten Chancen zutrauen, die Marke zum Strahlen zu bringen, fällt schließlich die Gunst des Arbeitgebers zu. Wer das ist, ist letztlich egal, das bekamen auch Sebastian Vettel und Mark Webber nach der Flügel-Affäre in Silverstone von Red-Bull-Teamchef Christian Horner zu hören.

Ist die Formel 1 nun ein Einzel- oder ein Mannschaftssport, so lautet die entscheidende Frage. Beide Seiten - Fans wie Teams - haben eine jeweils passende Antwort gefunden - verdammen sollte man keine der beiden Sichtweisen.

Was die Angelegenheit allerdings unwürdig macht, ist das Verbot der Stallregie, das seit 2003 existiert. Es zwingt die Teams, die ihre Interessen auf Gedeih und Verderb durchsetzen wollen, zu Lug und Trug und eben jenem erbärmlichen Schauspiel wie es Ferrari am Wochenende vorführte.

Der Automobil-Weltverband muss also langfristig die Antwort auf obige Frage finden: Einzelsport? Mannschaftssport?

Entscheidet sich die FIA für die erste Lösung, müssten jegliche Anzeichen für eine Regieführung eines Teams künftig drakonisch bestraft werden.

Entscheidet sich der Verband für letztere Wahl, muss das Stallorder-Verbot weg.

Fest steht: Die jetzige Lösung ist die schlechteste aller Möglichkeiten. Denn sie ist eine Peinlichkeit - für das Publikum und für die Formel-1-Teams.

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