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Durch seinen Sieg in Ungarn übernimmt Mark Webber die WM-Führung © getty

Pole-Setter Sebastian Vettel verliert beim Ungarn-GP den sicher geglaubten Sieg an seinen Red-Bull-Kollegen Mark Webber.

Budapest - Sebastian Vettel half alles Schimpfen nichts: Durch eine Unachtsamkeit hat der Vize-Weltmeister den Sieg beim Großen Preis von Ungarn 269736 (DIASHOW: Die Bilder des Rennens) und seinen ersten Sprung an die Spitze der WM-Wertung verschenkt.

Die Führung vom frühzeitig ausgeschiedenen Lewis Hamilton übernahm stattdessen Webber, der nach Vettels Patzer vor Ferrari-Pilot Fernando Alonso und seinem Red-Bull-Kollegen seinen vierten Saisonsieg feierte.

"Ich habe gepennt, eigentlich hätte es ein Spaziergang sein müssen. Ich bin sehr enttäuscht", sagte Vettel nach dem Rennen kleinlaut, nachdem man ihm seinen Patzer erklärt hatte.

Vettel, der schon zuletzt in Silverstone und Hockenheim durch schwache Starts Siege verschenkte, hatte beim Neustart nach einer Safety-Car-Phase zu viel Abstand zum vor ihm fahrenden Webber gelassen, die dafür verhängte Durchfahrtstrafe verbüßte er im ersten Frust noch mit erhobener Faust. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Vettel "komplett überrascht"

"Vielleicht habe ich mich zu sehr auf den Funk verlassen, vielleicht auch die Lichter des Safety Cars nicht richtig gesehen. Ich dachte, es fährt noch eine Runde. Als es dann in die Box fuhr, war ich komplett überrascht", sagte Vettel, der sich nach dem Rennen zunächst noch heiße Diskussion mit Rennleiter Charlie Whiting geliefert hatte.

Webber war natürlich glücklich. "Es war ein toller Tag für das Team", meinte der Australier.

Webber führt in der WM

Beim 100. WM-Start seines Red-Bull-Teams, das auch die Führung in der Konstrukteurswertung übernahm, nutzte Vettel damit bereits zum sechsten Mal in diesem Jahr eine Pole Position nicht zum Sieg. Dennoch hat er im momentan besten Auto des Feldes sechs Rennen vor dem Saisonende aber weiterhin beste Chancen auf den Titel.

Webber liegt mit 161 Punkten in der WM-Wertung jetzt vier Zähler vor Hamilton (157), der wegen eines Getriebeschadens ausschied. Vettel hat mit 151 Punkten zehn Zähler Rückstand auf Webber und noch den in Ungarn achtplatzierten Titelverteidiger Jenson Button im zweiten McLaren-Mercedes (146) und Alonso (143) im Nacken.

Durchfahrtstrafe gegen Vettel

Vettel schien nach einem insgesamt eindrucksvollen Wochenende zunächst auf dem Weg zu einem ungefährdeten Sieg, bis ihn eine Safety-Car-Phase zunächst seinen komfortablen Vorsprung kostete.

Weil er beim Neustart dann zu viel Abstand hielt, musste er anschließend eine Ehrenrunde durch die Boxengasse.

Seinen Unmut über die Rennleitung und "Verräter" Alonso, der ihn angeschwärzt hatte, zeigte der 23-Jährige deutlich. Unmittelbar nach Rennende lieferte er sich noch eine heiße Diskussion mit Rennleiter Charlie Whiting. "Ich dachte, das Safety Car fährt noch eine Runde", beschwerte sich Vettel, der bei der Siegerehrung trotzig in die Menge blickte.

"Das war kein fairer Kampf"

Während Formel-1-Debütant Nico Hülkenberg im Williams als Sechster seine bislang beste Platzierung in der Königsklasse erreichte, blieb Rekordweltmeister Michael Schumacher als Elfter zum fünften Mal in dieser Saison ohne Punkt und wurde wie schon auf dem Hockenheimring überrundet.

Zudem wurde er noch wegen eines sehr harten Zweikampfes mit seinem früheren Teamkollegen Rubens Barrichello nachträglich bestraft.

Beim nächsten Rennen am 29. August in Spa werden dem 41 Jahre alten Mercedes-Piloten zehn Startplätze abgezogen. Die Rennkommissare werteten Schumachers Versuch, ein Überholmanöver Barrichellos zu verhindern, als unzulässige Behinderung.

"Kein fairer Kampf"

"Wenn er als Erster im Himmel sein will, dann bitte. Ich will nicht vor ihm da oben sein. Das war kein fairer Kampf", schimpfte der Brasilianer. Schumacher meinte zu der Situation: "Wir haben uns nicht berührt und Rubens ist leider an mir vorbei gekommen. Also muss da genug Platz gewesen sein."

Das erneut desaströse Wochenende von Mercedes komplettierte das peinliche Aus von Nico Rosberg, der unmittelbar nach einem Boxenstopp ein nicht richtig befestigtes Hinterrad verlor.

"Ein Rennen zum schnell Vergessen, bei dem nichts für uns lief", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug, dessen Team wegen dieser Aktion noch 50.000 Dollar Strafe zahlen muss.

Sutil und Kubica kollidieren

Wenige Sekunden danach krachten Adrian Sutil im Force-India-Mercedes und Renault-Pilot Robert Kubica in der Boxengasse zusammen, Sutil schied unverschuldet aus. Auch Renault bekam 50.000 Dollar Strafe aufgebrummt. Timo Glock kam im Virgin als 16. zum besten Saison-Ergebnis.

Vettel wehrte im Gegensatz zu Webber beim Start Alonsos Angriff ab. Nach fünf Runden hatte der Heppenheimer bereits fünf Sekunden Vorsprung und zog zunächst einsam seine Runden.

Bereits im elften Umlauf überrundete er im Japaner Sakon Yamamoto den ersten Fahrer. Alonso beschränkte sich auf die Absicherung des zweiten Platzes.

Ereignisse überschlagen sich

Vorjahressieger Hamilton, dessen Rennstall McLaren zuletzt dreimal in Serie in Budapest triumphiert hatte, wurde beim Start sogar von Neuling Witali Petrow in Renault kassiert, schlug aber umgehend zurück, ehe ihn der technische Defekt stoppte.

Schumacher, der zum fünften Mal in Folge von einem zweistelligen Startplatz aus ins Rennen ging, konnte nur noch Schadensbegrenzung betreiben. Gleiches galt für Button, der beim Start sogar noch vom 11. auf den 14. Rang zurückgefallen war.

In der 16. Runde überschlugen sich dann die Ereignisse. Rosbergs verlorenes Rad rollte durch die Boxen und traf einen Williams-Techniker, der zwischenzeitlich sogar ins Krankenhaus musste. "Mein Mechaniker hat die Schraube nicht richtig draufbekommen. Ich habe das zu spät bemerkt", meinte der Wiesbadener: "Aber es lief auch vorher schon nicht."

"Du bist schneller"

Kubica fuhr danach auf Anweisung seines Teams zu früh los und rammte Sutil aus dem Rennen. Kurz bevor das Safety Car auf die Strecke ging, fuhr Vettel gerade noch in die Box und reihte sich zunächst hinter Webber ein. Den Vorsprung auf Alonso baute er zunächst zügig wieder aus, ehe er als Strafe noch einmal durch die Box musste.

Webber dagegen wartete lange mit dem ersten Stopp. Die Strategie ging auf, der Australier hielt die Führung. Vettel attackierte derweil Alonso, Teamchef Christian Horner motivierte seinen Schützling per Funk: "Du bist schneller. Schnapp ihn dir!"

Doch ein Fahrfehler warf den Deutschen 16 Runden vor dem Ende weiter zurück.

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