Im Power-Ranking zum Belgien-GP hat Experte Jacques Schulz eine harte Nuss zu knacken. Welches Team liegt nach der Pause vorne?

Hallo Formel-1-Fans!

Dieses Power-Ranking ist für mich beinahe das kniffligste des ganzen Formel-1-Jahres. Es ist wirklich äußerst schwierig einzuschätzen, wer in der Sommerpause die besten Ideen hatte, um sie in der Woche vor dem Belgien-Grand-Prix (Training, Fr. ab 10 Uhr LIVE im TICKER und im TV auf SPORT1) noch schnell ans Auto zu bringen.

Jegliche Arbeit im Büro oder am Computer war den Teams offiziell verboten, die Fabriken waren geschlossen, die Mitarbeiter im Urlaub. Aber den Kopf kann man nicht abschalten. Die Tüftelei fand sozusagen am Strand statt. Es kommt nun letztlich darauf an, wer jetzt geistig am besten vorbereitet in die entscheidende Phase der Saison einbiegt.

Für die Top-Teams Red Bull, McLaren und Ferrari beginnt in Spa der europäische Endspurt. Bei den Übersee-Rennen nach Monza wird es wesentlich schwieriger, Updates zu installieren. Wer also vor dem Sprung nach Asien am meisten geistiges Potenzial freimachen und den Produktionsprozess am schnellsten ins Laufen bringen konnte, wird unter dem Strich am besten aufgestellt sein.

Das alles einzuschätzen, ist fast unmöglich. Meine Prognosen wage ich nur unter großem Vorbehalt.

Fest steht: Spa und Monza sind Angststrecken von Red Bull. In Belgien zählt die Power bergauf. Red Bull kommt mit dem Auto mit dem besten Abtrieb zwar gut durch die legendäre Eau Rouge, aber den Berg hoch fehlt dann der Qualm. Und: Es gibt nicht genügend schnelle Kurven, in denen der RB6 seine Vorteile ausspielen kann. Anschließend, in Monza, brauchen die Autos keinen Abtrieb, McLaren baut sogar - nach jetzigem Stand - den F-Schacht aus. Das ist die noch größere Horrorstrecke für Red Bull.

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Meine Prognose: Wenn es Red Bull in den Europa-Rennen gelingt, ihre Führung zu konservieren, sind sie gut aufgestellt fürs Finale. Die Strecken in Asien liegen ihnen deutlich besser. Nimmt man alle Kriterien zusammen, ist der Red Bull das beste und schnellste Auto und sollte beide Titel einfahren können.

Umgekehrt gilt: Wenn Ferrari und McLaren dank ihrer Motoren-Power punkten, wird die Geschichte spannender. Für alle drei Teams sind die beiden nächsten Grands Prix daher definitiv Schlüsselrennen. Für Rot und Silber war die Chance nie größer, die Sache für die fünf Übersee-Rennen offen zu halten bzw. zu ihrem Vorteil zu verändern.

Zum Ranking: Wegen der vielen Fragezeichen, die hinter dem Leistungsstand der Top-Teams stehen, fange ich heute von hinten an. Dort ist die Prognose etwas leichter.

Um Platz vier streiten sich Force India, Mercedes, Renault und Williams.

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Bei Mercedes wird Michael Schumacher mit dem Auto und seiner Strafversetzung nach dem Barrichello-Manöver überhaupt nichts reißen können. Mit der Zehn-Plätze-Strafe ist es für ihn hoffnungslos. Schumacher und Mercedes sollten gedanklich ohnehin schon längst im kommenden Jahr und der Entwicklung des neuen Autos sein.

Renault hat den F-Schacht am Auto, Force India war in Spa nie schlecht, und Williams hat einfach einen großen Sprung gemacht. Das wird die Ebene sein, auf der sich Schumachers Kollege Nico Rosberg herumschlagen muss. Einen Favoriten zu küren, verkneife ich mir besser.

Vor diesem Quartett liegt Red Bull. Wie schon gesagt: Auf den Kursen in Belgien und Italien müssen sie sehen, dass sie so gut wie möglich abschneiden. Sie haben nicht genug Leistung. Eau Rouge oder Blanchimont fahren inzwischen alle voll. Da holst du nicht so viel Zeit heraus, wie zum Beispiel in der Kurve acht in der Türkei. Mark Webber und Sebastian Vettel können um das Podium fahren, aber den Sieg anzupeilen, wäre sehr vermessen. Da sind die Pakete von Ferrari und McLaren definitiv besser.

Wer von den beiden dann ganz vorne stehen wird, ist besonders schwierig zu sagen - es geht hauchdünn zu.

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Dazu muss man wissen: Die Entwicklung in der Formel 1 findet immer in Zyklen statt. Mal hat der eine ein Update, dann hat der andere eine neue Entwicklungsstufe. Zum Beispiel hatte Red Bull in Ungarn die neuen Frontflügel, die kommen jetzt von McLaren. Ferrari hat einen neuen Diffusor. Es gibt also Schwankungen.

Dennoch tendiere ich dazu, Ferrari in Spa ganz vorne zu sehen. Die Italiener haben in den letzten Rennen das Heck besser im Griff gehabt als McLaren. Sie hatten früher den flexiblen Frontflügel, und in Belgien war Ferrari immer sehr stark. Zuletzt 2009 mit Kimi Räikkönens Sieg. Warum sollten sie das nicht wiederholen können mit Fernando Alonso?

Der Spanier will es jetzt echt wissen. Dazu sollten der bessere Diffusor und die flexiblen Frontflügel Argumente sein, weshalb die Roten in Belgien leicht favorisiert sein könnten. In Monza kann das Ganze schon wieder ganz anders aussehen.

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Der Italien-Grand-Prix ist die Highspeed-Schlacht des Jahres. Dort kommt es auf Top-Speed an. Dafür ist der McLaren wie geschaffen. Die Ferrari werden sich bei ihrem Heimspiel sicherlich erneut einen Fight mit den Engländern liefern, Red Bull spielt nur die dritte Geige.

Erst in Asien sind Vettel und Webber dann wieder besser aufgestellt.

Fest steht auf alle Fälle: Die WM bleibt eng wie nie, spannend wie selten und sehr, sehr offen!

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

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