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Mark Webber liegt in der WM mit 161 Punkten auf dem ersten Platz © imago

Sebastian Vettel sieht sich nach turbulentem Qualifying beim Belgien-GP nicht chancenlos. Selbst Abgeschlagene hoffen.

Von Marc Ellerich

München - Der Belgien-Grand-Prix (So. 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) und das Wetter - es ist eine unendliche Formel-1-Geschichte, die nach der diesjährigen Ausgabe des Ardennen-Klassikers um ein Kapitel reicher ist.

Das Qualifying jedenfalls durfte nach den Wetterkapriolen getrost als turbulent bezeichnet werden, und keiner der Piloten vergaß nach der spektakulären Zeitenjagd von Spa an die unberechenbaren Bedingungen zu erinnern. (280492DIASHOW: Bilder des Qualifyings)

Auch nicht Pole-Setter Mark Webber, der an diesem Tag, an dem sich Sonne, Regen und Wolken ein bewegtes Stelldichein gaben, der größte Glückspilz war. Einen Tag nach seinem 34. Geburtstag beschenkte sich der Red-Bull-Pilot mit der fünften Pole-Position des Jahres. (DATENCENTER: Die Startaufstellung).

"Dermaßen unberechenbar"

"Das Wetter war dermaßen unberechenbar, selbst für Spa-Verhältnisse", kommentierte Webber seinen gelungenen Sturm auf Startplatz eins: "Wir wussten, dass die erste Runde (im dritten Durchgang, d. Red) sehr wichtig sein würde. Eben weil es so wechselhaft war." (STIMMEN: Kein Drama)

Webber geriet in den Schlusssekunden der Rundenhatz zwar noch einmal gehörig unter Druck, als ihm McLaren-Pilot Lewis Hamilton im letzten Versuch bedrohlich nahe kam. Der Engländer verfehlte als Zweiter Webbers Bestzeit von 1:45,778 Minuten schließlich nur um eine knappe Zehntelsekunde.

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"Sauberes Qualifying"

Dritter wurde Renault-Pilot Robert Kubica, der sich selbst bereitwillig als Profiteur eines überraschenden Regengusses einordnete. "Ich lag auf Rang zwei und habe einfach auf Regen gehofft. Dann sind auch schon die ersten Tropfen runtergekommen."

Webber freute sich anschließend über ein "ziemlich sauberes Qualifying". Dass er seine Spitzenposition allein dem Wettergott zu verdanken habe, davon wollte er allerdings nichts wissen.

"Die meisten Fahrer stehen auf dem Startplatz, auf dem man sie zurecht hätte erwarten können", führte der Pilot aus Queyanbeyan selbstbewusst aus: "Es hat keine allzu großen Verschiebungen gegeben."

Webber wagt keine Prognose

Für den dreizehnten Grand Prix des Jahres, in dem er seinem österreichischen Arbeitgeber die zwölfte Pole-Position der Saison bescherte, wagte er dann jedoch keinerlei Prognose. "Spa ist ein schöner Platz für eine Pole-Position. Ich hoffe, dass wir daraus im Rennen Kapital schlagen können."

Denn natürlich weiß auch der WM-Leader, wie schnell man im Wetter-Lotto eine Niete statt des großen Loses in Händen hält. Wenn nicht, kann er sich bei seinem deutschen Kollegen Sebastian Vettel erkundigen.

Der Hesse wurde letztlich Vierter, 0,349 Sekunden hinter dem Australier - und sah sich mit der zweiten Startreihe immer noch gut bedient.

Vettel rettet sich

Viel hätte nämlich nicht gefehlt und Vettel hätte den zweiten Qualifikationsdurchgang verpasst. Erst im letzten Anlauf schob sich der 23-Jährige vom 17. Platz aus in die rettende Zone. Vettels Kommentar: "Das Wichtigste war heute, dass wir es in den dritten Durchgang geschafft haben. Man hat im ersten Teil ja gesehen, wie schnell es anders ausgehen kann."

Er räumte, ein, dass sein Anlauf auf die fünfte Pole in Serie nicht allein aufgrund des tückischen Wetters scheiterte. "Die Zeit, die vorne gefahren wurde, war absolut drin", bilanzierte er: "Heute habe ich es leider nicht zusammenbekommen." Einige kleinere Fehler und eine zu zaghafte Flügelabstimmung hätten ein besseres Ergebnis verhindert.

"Alles drin"

Für den Grand Prix sieht der junge Deutsche sich jedoch keineswegs chancenlos. "Morgen ist alles drin, bei diesem Wetter sowieso. Wichtig ist, dass das Auto schnell ist."

Und ein Regenrennen, wie er es erwartet, stelle weitere Anforderungen: "Es bedarf der höchsten Konzentration, solche Rennen sind die schwierigsten im ganzen Jahr. Es geht nicht nur um die pure Geschwindigkeit, sondern sehr viel auch um die Taktik und den Verstand. Also Augen auf morgen!"

Entscheidend sei, "das Rennen zu Ende zu fahren und auf der Strecke zu bleiben", orakelte Vettel.

Schlüsselfaktor Reifen

Dass das womöglich nicht reichen wird, deutete sein Vorgesetzter Christian Horner an.

"Unter dem Strich wird niemand mehr genug Regenreifen haben", gab der Red-Bull-Teamchef zu bedenken. Gebe es ein ähnliches Hin und Her wie im Qualifying, werde es ein vollkommen chaotisches Rennen geben, so Horner.

Wegen solcher Unwägbarkeiten blickten in Spa sogar die Abgeschlagenen des Qualifikationsnachmittags halbwegs zuversichtlich dem Rennsonntag entgegen, selbst wenn die Hoffnung auf Regen für manchen Fahrer zugleich die letzte Hoffnung auf eine Verbesserung ist.

"Wir werden versuchen, alle zu schlagen. Vielleicht können wir das Rennen ja noch gewinnen", überraschte der auf Startplatz zehn erstaunlich tief abgestürzte Ferrari-Star Fernando Alonso mit riskanter Prognose.

Rosberg mit Regen-Abstimmung

Und selbst bei Mercedes GP hoffen sie vom tückischen Ardennen-Regen im Klassement nach oben geschwemmt zu werden.

Nico Rosberg, durch diverse strafbedingte Verschiebungen letztlich 14. Starter, wird seinen MGP-W01 auf nasses Wetter abstimmen, denn: "Ich bin schnell, wenn es nass und rutschig ist. Ich hoffe, dass wieder solche Bedingungen herrschen."

Schumi: Lotterie sondergleichen

Dass derlei Hoffnungen allerdings auch enttäuscht werden können, berichtete Michael Schumacher nach dem Qualifying.

Der Rekord-Weltmeister, der nach seiner Ungarn-Strafversetzung nur von Platz 21 in den Grand Prix gehen wird, verfügt schließlich über vertiefte Kenntnisse des belgischen Rennens und seiner speziellen Umstände.

"Das Wetter ist eine Chance", offenbarte Schumi also: "Man kann aber auch daneben liegen, denn es ist ein Lotteriespiel sondergleichen."

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