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Sebastian Vettel fuhr in Monza sein schlechtestes Qualifying-Resultat 2010 ein © getty

Sebastian Vettel sucht Gründe für sein schwaches Qualifiying in Monza. Ferrari-Pole-Setter Fernando Alonso bekämpft den Druck.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel war ratlos und gab sich nicht die geringste Mühe, es zu verbergen.

"Wir haben noch einmal alles auf Hochglanz poliert, aber anscheinend verwachst", suchte der junge Red-Bull-Pilot nach einer Erklärung für ein Qualifying-Resultat, welches seine Erwartungen für den Italien-Grand-Prix (So., 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) reichlich gedämpft hat. (BERICHT: Pole für Alonso - Vettel kann nicht folgen)

Platz sechs hinter allen WM-Rivalen, allen voran Pole-Setter Fernando Alonso im Ferrari, das war auch für den Geschmack des Dauer-Optimisten zu wenig: "Wir waren heute nicht gut genug. Das ist enttäuschend, denn gestern und heute Morgen habe ich mich im Auto richtig gut gefühlt. Aber im Qualifying hat es einfach nicht gepasst." (SERVICE: Das Quali-Ergebnis)

Rätselhafte Leistungsschwankung

Worauf Vettel anspielte - und was aus seiner Sicht schwer wiegt - ist die rätselhafte Leistungsschwankung des Red-Bull-Renners zwischen Training und Zeitenjagd.

Der Freitagsbestzeit und dem hauchdünnen zweiten Platz im Training am Samstagvormittag folgte am Nachmittag im Königlichen Park von Monza der Absturz. (285873Die Bilder des Qualifyings)

Anders als sein McLaren-Konkurrent Lewis Hamilton, der als Fünfter ebenfalls enttäuscht war, dabei allerdings seinen Verzicht auf den tempofördernden F-Schacht beklagen konnte, fand Vettel keine plausible Erklärung für den Leistungsverlust. (Die Stimmen zum Qualifying)

"Das ist komisch"

"Ich weiß nicht, wo die Geschwindigkeit hin ist", rätselte er: "Wenn ich mir die Telemetrie-Daten ansehe, verliere ich die Rundenzeit wohl auf der Geraden. Ich war am Morgen um drei bis vier km/h auf jeder Geraden schneller. Das ist komisch."

Veränderungen im Setup habe es keine gegeben, behauptete der 23-Jährige. Und: "Wir waren am Vormittag weder schwer noch leicht, auch der Wind hat keine Rolle gespielt."

Umso ernüchternder fiel das Ergebnis aus. Schon bis zur zweiten Schikane habe er zwei bis drei Zehntelsekunden auf seinen internen Widersacher Mark Webber verloren. Der Australier stahl auch in Monza dem Deutschen die Show und geht als Vierter in den vierzehnten Saison-Grand-Prix.

[kaltura id="0_jwnb3gsk" class="full_size" title="Eine Runde in Monza"]

Prinzip Hoffnung

Eine Idee, wie er das italienische Rennen doch noch in einen Erfolg verwandeln könnte, hatte der Hesse nicht - zumindest nicht am Samstag.

"Vor mir stehen fünf Autos. Wenn ich nach den Experten gehe, dann müsste ich die in der ersten Kurve wegkegeln. Mal sehen, ob ich mich zusammenreißen kann", sagte Vettel voller Galgenhumor.

Tatsächlich wird der Youngster auf dem Highspeed-Parcours, auf dem er vor zwei Jahren im Toro Rosso seinen ersten Grand-Prix-Sieg feierte, wohl dem Prinzip Hoffnung freien Lauf lassen. "Mal sehen, was hier noch für uns geht. Das Rennen ist lang, es kann noch alles passieren. Wenn sich die Chance bietet, werde ich angreifen."

Horner: Hier kann man fighten

"Monza ist eine Strecke, auf der man fighten kann", sprach ihm sein Teamchef Christian Horner Mut zu: "Hier gibt es noch richtig viel Windschatten. Es wird sicher ein interessantes Rennen."

Ein wenig hofft Vettel offenbar auf ein verändertes Fahrverhalten seines vollgetankten RB6. "Mit viel Sprit wird es hier anders aussehen", orakelte er.

Alonso: Nette Überraschung

An derlei Strohhalme muss sich Fernando Alonso nicht klammern, wenngleich auch er sich nach seiner ersten Pole-Position für seinen italienischen Arbeitgeber, der 19. seiner Karriere, erstaunt gab.

"Eine nette Überraschung", nannte der Pilot aus Oviedo seinen ersten Startplatz, den ersten für Ferrari seit dem Brasilien-Grand-Prix 2008. Der Spanier, der nach seiner besten Runde (1:21,962 Minuten) frühzeitig in die Boxengasse abgebogen war, hatte dort nach eigener Aussage noch seine Ablösung durch McLaren-Star Jenson Button oder seinen Teamkollegen Felipe Massa erwartet.

Dass diese ausblieb - Button startet als Zweiter vor Massa - nahm Alonso äußerlich recht gelassen auf.

Ferrari unter Zugzwang

Ferraris Starpilot war nach seiner Pole-Fahrt sichtlich bemüht, den Druck von sich selbst und seinem roten Rennstall zu nehmen. Es gebe "keinen großen Stress, dieses Rennen oder die folgenden Rennen zu gewinnen", behauptete Alonso.

Und räumte im nächsten Atemzug selbst ein, unter welchem Zugzwang die Scuderia unter den Augen des italienischen Publikums und ihres Präsidenten Luca di Montezemolo beim Heim-GP in Monza steht.

"Einen weiteren Ausfall oder ein schlechtes Ergebnis können wir uns nicht erlauben", rechnete der Fahrer vor, der in der WM-Wertung 41 Zähler hinter dem führenden Hamilton auf Platz fünf liegt.

"Morgen brauchen wir mindestens einen Podiumsplatz um im Rennen zu bleiben", führte Alonso seine WM-Arithmetik fort. Noch wichtiger aber sei Konstanz in den kommenden Grands Prix: "Wenn wir gewinnen können - großartig. Aber wir brauchen Konstanz, etwas das wir in der Meisterschaft bisher nicht hatten."

Webber wünscht sich Langeweile

Unterkühlt gab sich auch Vettels Kollege Webber vor dem sonntäglichen Showdown auf dem Autodromo Nazionale.

Er wünsche sich 53 langweilige Runden, behauptete der WM-Zweite allen Ernstes: "53 Runden, sehr langweilig, und hoffentlich sitze ich dann morgen mit ein paar guten Punkten hier. Ein langweiliges Rennen wäre sehr fein. Und, wer weiß, vielleicht kann ich mich noch ein wenig weiter nach vorne schieben."

Coolness also - auch das könnte die richtige Methode im spannenden WM-Rennen sein.

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