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Sebastian Vettel liegt in der WM-Wertung mit 163 Punkten auf Platz fünf © getty

Sebastian Vettel wahrt in Monza mit einer riskanten Strategie seine WM-Chance. Sieger Alonso will über die WM nicht sprechen.

Von Marc Ellerich

München - Der Italien-Grand-Prix 2010 hatte im Grunde genommen zwei Sieger gesehen: Den echten natürlich, Fernando Alonso, der sich mit seinem dritten Saisonsieg zum König von Monza krönte und die Ferrari-Tifosi in einen roten Jubelrausch versetzte. (BERICHT: Alonso sorgt für Party in Rot - Vettel-Poker belohnt)

Und dann Sebastian Vettel, der nach einem grandiosen Pokerspiel Vierter wurde und seine WM-Chancen intakt hielt. "Letzten Endes haben wir gerade so die Kurve gekriegt", freute sich Vettel nach dem Rennen, das für ihn bereits verloren zu sein schien. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

In der 21. Runde hatte der Red-Bull-Pilot plötzlich über den Bordfunk lauthals Motorenprobleme beklagt, sich dann aber rasch wieder stabilisiert und alle Beobachter mit einem kuriosen Reifenwechsel in der allerletzten Runde verblüfft.

Riskante Strategie

"Unsere Strategie war riskant. Wenn das klappt, bist du der König, aber wenn nicht, bist du der Idiot", kommentierte der junge Deutsche das riskante Wechsel-Manöver in letzter Minute. (286257DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

Die Probleme seines Boliden konnte er später nicht erklären. "Ich weiß nicht genau, was da war. Es hat sich so angefühlt, als hätte ich keine Leistung mehr. Man hat ja auch gesehen, dass für knapp zwei Runden der Speed weg war", schilderte er die aufregende Szene. Wie sich später herausstellte, war eine Bremse, die sich nicht gelöst hatte und das Auto abstoppte, Ursache der Probleme.

[kaltura id="0_jwnb3gsk" class="full_size" title="Eine Runde in Monza"]

"Können stolz sein"

Letztlich hielt der RB6 also, Vettel holte mit "dickem Hals" auf, stoppte riskant und war anschließend mit sich und der Welt wieder im Reinen. "Wir können stolz auf uns sein", stellte der Hesse lächelnd fest: "Der vierte Platz war unter dem Strich das Maximum, damit kann ich zufrieden sein."

Im engen WM-Rennen - 24 Punkte trennen ihn auf Platz fünf von seinem führenden Red-Bull-Kollegen Mark Webber - will Vettel nun nach eben jenem Prinzip verfahren, das ihn bei seiner Rettungstat in Monza zum Erfolg geführt hatte. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

"Man muss weiter an sich glauben und das Maximum herausholen", berichtete er: "24 Punkte Rückstand sind eigentlich egal. Aber das neue Punktesystem scheucht die Leute doch noch mehr auf als notwendig. Wir müssen weitermachen wie bisher. In der Ruhe liegt die Kraft."

Frust bei Hamilton und Webber

Das sahen andere nach dem turbulenten Renn-Sonntag im Königlichen Park durchaus weniger entspannt. McLaren-Star Lewis Hamilton und Vettels Kollege Webber standen nach dem 14. Grand Prix der Saison als Verlierer-Duo da.

Hamilton verabschiedete sich frühzeitig aus dem Rennen. Nach einer Kollision mit Felipe Massa schied er kurz nach dem Start mit gebrochener Vorderachse aus und musste tatenlos erleben, wie sein McLaren-Kollege, Weltmeister Jenson Button, den zweiten Platz einfuhr, während er selbst die WM-Führung verlor.

"Solche Fehler kosten einen die Weltmeisterschaft", ärgerte sich Hamilton und hatte nur einen Schuldigen ausgemacht: sich selbst. (STIMMEN: So was kostet die WM)

Ärger über Hülkenberg

Webber wiederum wurde Sechster und luchste Hamilton so den Spitzenplatz im Titelrennen wieder ab. Zufrieden war er damit keineswegs. "Wir haben als Team zu wenig geleistet", ärgerte sich der Pilot: "Wir hätten mehr Kapital daraus schlagen können."

Webbers Ärger richtete sich vor allem gegen Nico Hülkenberg im Williams, der lange vor ihm fuhr und sich gegen ein Überholmanöver nach Kräften wehrte. Laut Webber auf unlautere Art: "Er fuhr jede zweite Runde durch die Schikanen, wurde aber nicht bestraft. Schließlich konnte ich ihn mir schnappen, aber ich habe viel Zeit hinter ihm verloren."

Horner: Mehr als erwartet

Doch letztlich fand auch er Trost: "Es hätte heute für uns schlimmer laufen können."

So kann man es sehen, oder auch weitaus weniger skeptisch, wie es Webbers Teamchef Christian Horner nach dem italienischen Rennwochenende auf dem Red-Bull-feindlichen Italien-Parcours tat. "Unser Ziel vor dem Wochenende lautete, den Schaden zu begrenzen", urteilte Horner: "Nun führt Mark in der WM, und wir haben auch die Führung in der Konstrukteurs-Wertung ausgebaut. Das ist mehr als wir erwarten konnten."

18. Ferrari-Sieg in Monza

Und Alonso, der dominierende Fahrer des italienischen Renn-Wochenendes, der seinem Arbeitgeber die Pole-Position und den 18. Sieg im Autodromo Nazionale beschert hatte? Freute sich über "ein fantastisches Gefühl", richtete warme Worte an sein Ferrari-Team - und blieb doch skeptisch.

"Dieses Ergebnis ist für uns alle eine gute Motivation", kommentierte der Pilot aus Oviedo seinen dritten Saisonerfolg zurückhaltend, "aber jetzt kommen die wichtigen fünf Rennen und die guten Punkte. Wir müssen in den letzten fünf Rennen Konstanz finden. Das wird der Schlüssel sein."

Über die unkonstante WM, in der sich weiterhin kein Trend in Richtung eines Fahrers ablesen lässt, wollte Alonso in Monza nicht mehr Worte verlieren: "An die Meisterschaft können wir später denken."

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