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Sebastian Vettel hat sieben Siege bei 57 Grand-Prix-Starts auf dem Konto © getty

Der Red-Bull-Pilot sieht nicht sich, sondern seine WM-Rivalen unter Druck - und das Rennen offen. Lob kriegt Vettel auch von Lauda.

München - Der vierte Platz von Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel beim Italien-Grand-Prix in Monza hält den Deutschen nicht nur im Rennen um die WM - er bringt ihn auch in eine altbekannte Lage.

Der 23-Jährige befindet sich nach dem Sieg von Fernando Alonso in der Verfolgerrolle: "Es sind die anderen, die sich Sorgen machen und ihren Abstand verteidigen müssen. Wir müssen uns nun ins Zeug legen und versuchen aufzuholen."

"Eine der Lektionen des letzten Jahres ist, niemals aufzugeben", ergänzte Vettel bei "autosport.com".

"Kein Grund, in Panik zu verfallen"

In Italien hat Vettel hoch gepokert und nun ein besseres Blatt für die letzten fünf Rennen auf der Hand. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

"Ich habe nie Grund gehabt, in Panik zu verfallen oder die Welt andersrum zu drehen, auch wenn das vielleicht manche so gesehen haben", sagte Vettel, der 52 der 53 Rennrunden auf seinem ersten Gummi-Satz gefahren war und mit dieser ungewöhnlichen Taktik in letzter Sekunde auf einen Schlag noch drei Plätze gutgemacht hatte.

Ein Schachzug, der aus der Not heraus geboren war, nachdem Vettel Mitte des Rennens für zwei Runden plötzlich etwas langsamer geworden war und sein Teamkollege Mark Webber ihn überholt hatte.

Lob von Surer und Lauda

Das Team machte nach dem Rennen eine kurzzeitig festsitzende Bremse als Grund dafür aus, die sich zum Glück für Vettel aber wieder gelöst hatte. Danach gab es für ihn nur noch die Devise alles oder nichts. (286257DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

"Sebastian muss angreifen, etwas riskieren. Das hat er absolut richtig gemacht. Das hat mir gefallen", sagte der frühere Formel-1-Pilot Marc Surer.

Auch der dreimalige Weltmeister Niki Lauda lobte Vettel. "Das habe selbst ich noch nicht gesehen, dass einer so abgezockt spät wechselt. Strategisch super", sagte der Österreicher.

[kaltura id="0_jwnb3gsk" class="full_size" title="Eine Runde in Monza"]

Zufrieden mit dem Maximum

Wichtig für Vettel war im Endeffekt vor allem, dass er durch diesen Schachzug zwei Plätze vor seinem Teamkollegen Mark Webber landete und den Punkterückstand auf den Australier, der wieder die WM-Führung übernahm, auf 24 Zähler verringerte.

"Natürlich will man die Nase vorne haben, in dieser Situation bin ich aber nun einmal nicht. Wir können nur immer wieder versuchen, das Maximale herauszuholen. Heute war nur der vierte Platz drin, nächstes Mal vielleicht der Sieg."

Damit reduziert sich für Vettel außerdem die Gefahr, dass sein Team sich vielleicht doch irgendwann im Titelrennen auf Webber konzentrieren könnte. "Je näher er an Webber dran ist, desto weniger kann ihm das passieren", sagte Surer.

Vorteile für Red Bull

Zwar ist Vettel mit 163 Punkten bei noch fünf ausstehenden Rennen hinter Webber (187), Lewis Hamilton (182), Alonso (166) und Titelverteidiger Jenson Button (165) nur noch Fünfter in der Gesamtwertung.

Auf den kommenden Strecken in Singapur, Japan, Südkorea, Brasilien und Abu Dhabi dürfte sein Red Bull aber anders als in Monza wieder das Maß der Dinge sein.

Und den Rückstand auf Webber kann Vettel ohne fremde Schützenhilfe aus eigener Kraft aufholen.

25 Punkte sind "nicht viel"

Der Deutsche gibt sich kämpferisch: "Wir haben noch fünf Rennen vor uns und es sind noch eine Menge Punkte zu vergeben. Wenn man an vergangene Jahre denkt, sind zehn Punkte Rückstand, was heute mehr oder weniger 25 Punkten entspricht, bei noch fünf ausstehenden Rennen nicht viel."

Auf weitere Aussetzer seiner vier Titelrivalen zu hoffen, ist allerdings nicht Vettels Art.

Er will die WM aus eigener Kraft entscheiden. "Wir müssen auf uns schauen", sagte er: "Was der Rest macht, kann uns ziemlich wurscht sein."

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