SPORT1-Experte Peter Kohl kritisiert in den Tops und Flops des Italien-GP die McLaren-Strategie. Der Platzhirsch kriegt ein Sonderlob.

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TOPS

Ferrari: Eine gute Performance mit Pole, schnellster Rennrunde und Sieg. Mit einer perfekten Strategie haben sie fast das Optimum beim Heim-GP erreicht, die Tifosi waren komplett aus dem Häuschen, die Bilder bei der Siegerehrung waren dementsprechend mitreißend - lediglich Jenson Button vor Felipe Massa ist ein kleiner Schönheitsfleck.

Fernando Alonso: Ein gnadenlos gutes Rennen von ihm, vor allem die Duelle mit Button direkt nach dem Start. Und das unter dem Druck, gewinnen zu müssen, wenn er sich noch Chancen auf den WM-Titel ausrechnen will. Ein meisterhafter Auftritt.

Jenson Button: Viele halten ihn für zu weich in harten Zweikämpfen - gegen Alonso hat er knallhart dagegen gehalten nach famosem Start. Der Titelverteidiger hätte den Sieg verdient gehabt, zumal er entgegen allen Erwartungen mit F-Schacht und steil aufgestelltem Heckflügel gefahren ist. Er ist überzeugt von seinem Weg, strahlt viel Selbstvertrauen aus.

Sebastian Vettel: Er hat die Ruhe behalten nach der zuletzt teilweise heftigen Kritik, trotz Motorproblemen viele Punkte mitgenommen mit einer Risiko behafteten Strategie - denn niemand konnte wissen, dass die weichen Reifen 53 Runden plus Q3 aushalten!!! Mehr als Platz vier war einfach nicht drin auf dieser Strecke.

Nico Rosberg: Sein Turbostart war erste Sahne, wieder hatte er Teamkollege Michael Schumacher das gesamte Wochenende im Griff.

Schikane nach dem Start: Nirgendwo sonst ist der Start so Adrenalin geladen wie in Monza, wenn die 24 Boliden mit Affenzahn auf die enge Schikane zufliegen. Das ist eine Garantie auf prickelnde Action, die es dann ja auch reichlich gegeben hat.

Nico Hülkenberg: Er war das gesamte Wochenende schneller als Teamkollege Rubens Barrichello, seine Steigerung in der zweiten Saisonhälfte ist unübersehbar. Dass er in der Schikane allerdings mehrfach abkürzte, schmälert die Rennleistung etwas.

FLOPS

Rennkommissare: Jaime Alguersuari wurde mit einer Drive-Through-Strafe wegen Abkürzens in der Schikane belegt, Hülkenberg, der das mehrfach tat, nicht. Diese unterschiedliche Regelauslegung ist schwer nachzuvollziehen.

Red-Bull-Starts: Sie bekommen es einfach nicht in den Griff! Vettel und vor allem Mark Webber kamen erneut nur zäh in die Puschen, dadurch verlieren beide wieder einmal entscheidend auf den ersten Metern und sehen dabei schlecht aus. Eines Topteams nicht würdig!

McLaren-Strategie: Ferrari auf dem Leim gegangen, als die Roten ihre Mechaniker für einen vermeintlichen Stopp für Alonso rausschickten, deshalb sofort Button reingeholt, und dadurch die Führung verloren: Das war überhaupt nicht weltmeisterlich!

Lewis Hamilton: Die Kollision mit Massa war eindeutig sein Fehler, den hat er auch klar zugegeben. Dieser dritte Nuller der Saison könnte am Ende aber richtig weh tun.

Bridgestone: Weiche Reifen, die hart wie Beton sind und eine komplette Renndistanz durchhalten ohne Rundenzeitenverlust - so was darf's nicht geben! Dann kann man ja gleich auf den Pflichtboxenstopp verzichten.

Nach Spa durfte man davon ausgehen, dass das Titelrennen nur noch zwischen Hamilton und Webber bestritten wird - seit Monza ist es wieder ein echter Fünfkampf. Eine verrückte Saison - deshalb freu ich mich schon sakrisch auf Singapur.

Bis dahin!

Ihr Peter Kohl

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