Formel-1-Experte Jacques Schulz sieht im Power-Ranking zum Singapur-Grand-Prix das Momentum auf Seiten des WM-Leaders.

Hallo Formel-1-Fans!

In Singapur (Training, Freitag, 14 Uhr LIVE im TICKER und im TV auf SPORT1) erwarten uns ein klassischer Stadtkurs und eine einmalige Atmosphäre, das Flutlicht sorgt für eine unvergleichliche Stimmung. Der Kurs ist gekennzeichnet von Bodenwellen, Schikanen, engen Ecken aber auch schnellen Stücken. Die Wände stehen brutal dicht, es ist staubig und der Asphalt bietet nur geringe Haftung.

All das in Verbindung mit dem tropischen Klima und dem Faktor Jetlag schafft einen mörderisch anstrengenden Kurs. Diese Strecke ist die ultimative Herausforderung und bekommt auf meiner Zehn-Punkte-Skala eine glatte Zehn.

Ganz oben im Power-Ranking steht unangefochten Red Bull - sofern sie keine technischen Defekte haben. Im Vorjahr wurde ja die Schaltelektronik angeblich von Signalen der U-Bahn gestört. Das kann man glauben oder nicht, aber die Anfälligkeit des Autos bringt das Team doch etwas ins Zittern. Auf dem Papier ist Red Bull mit maximalem Abtrieb und den flexiblen Flügeln jedenfalls Top-Favorit.

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Von der Mathematik her muss man im internen Vergleich eigentlich auf WM-Leader Mark Webber setzen. Zudem trat in den letzten Rennen ein Faktor extrem hervor: seine mentale Stärke. Nach schwachem Saisonstart ist er zurückgekommen und hat dabei einiges wegstecken müssen. Die Ruhe, die er ausstrahlt, ist ein Riesenargument.

Sebastian Vettel wiederum hatte einige technische Probleme, aber auch eine gewisse Ungeduld macht sich verstärkt bemerkbar. Es scheint, als wolle er unbedingt ein Ergebnis wie im Vorjahr verhindern, als er in Brasilien die Quali verpatzte.

Mit seinem Rückstand muss er nun natürlich mehr Risiko gehen, aber er hat recht, wenn er immer wieder betont: in der Ruhe liegt die Kraft. Vettel muss den Rhythmus von Monza weitergehen, wo er alles richtig machte. Er hat die Chance, die Lücke zuzufahren, aber der ärgste Gegner liegt im eigenen Bett - und Webber hat einen saftigen Vorsprung. Das wird ein heißes Duell zwischen den beiden, in dem Vettel cool bleiben muss!

Dahinter sehe ich zwischen Ferrari und McLaren einen Kampf auf Augenhöhe.

Man darf nicht vergessen, dass 2009 Lewis Hamilton in einem Auto gewann, dass man nicht unbedingt auf der Rechnung hatte. Der Engländer muss nach seiner ungestümen Aktion von Monza viel gutmachen. Die Fahrkunst spricht für ihn.

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Doch es gibt einen Punkt, der Ferrari in den Vordergrund rückt: Die Italiener haben schon vor Monza noch einmal ein großes Upgrade ans Auto gebracht, was dort aber aufgrund der Strecke nicht richtig zum Tragen kam. Die Scuderia sieht sich aufgrund erhöhten Abtriebs, der über den hinteren Teil des Diffusors generiert wird, vor McLaren. Diese Einschätzung teile ich zumindest in Ansätzen.

McLaren hat sich andererseits im letzten Jahr gegen Ende der Saison extrem verbessert. Ferrari hat zudem den Nachteil, mit dem Motor im Malus zu sein.

Zwischen Hamilton und Fernando Alonso wird es ein Duell auf des Messers Schneide. Da entscheidet auch die Tagesform - und beide lieben die Strecke. Jenson Button und Felipe Massa bekommen hier von mir ein kleines Fragezeichen.

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Platz vier geht ganz klar an Renault. Die Franzosen haben hier das bessere Paket als Mercedes, Force India und Williams, wobei man Letztere nicht ganz außer Acht lassen darf.

Renault hat seinen R30 mit dem F-Schacht endlich auf einem ähnlichen Abtriebsniveau wie die Top-Teams. Und die enge Strecke ist ja wie gebaut für Robert Kubica. Der Pole wird im Alleingang mitnehmen, was die großen sechs übrig lassen, auch wenn es nicht für ganz vorne reicht.

Ein paar Takte noch zu Mercedes: Michael Schumachers Auftritt in Monza wirkte gerade in der Quali etwas uninspiriert. Im gesamten Saisonverlauf blitzte der alte Schumacher nur hin und wieder durch.

Ein wichtiger Faktor beim weiteren Verlauf seines Comebacks wird der Pirelli-Reifen sein. Mit den neuen Gummis fängt der Altmeister wie auch die anderen nach der Saison bei Null an. Ich denke, daraus zieht er große Hoffnungen. Der Kämpfer Schumacher wird kaum von seinem Fahrplan abweichen.

Keep Racing,

Ihr Jacques Schulz

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