vergrößernverkleinern
Singapur-Sieger Fernando Alonso hat 10 Punkte Vorsprung auf Sebastian Vettel (l.) © getty

Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel geht beim Singapur-Grand-Prix nicht zum Äußersten, um Sieger Fernando Alonso zu stoppen.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel hat ganz offensichtlich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Ungestüm und Angriffslust hatten ihn in der laufenden Saison bereits wichtige Punkte gekostet. Beim Nacht-Grand-Prix in Singapur führte Vettel dem Publikum eine andere Seite vor: Er blieb besonnen. (Das Renn-Ergebnis)

Irgendwann während des 61 Runden langen, gleichermaßen schweißtreibenden wie kräftezehrenden Rennens muss der Red-Bull-Pilot beschlossen haben, auf die Brechstange zu verzichten und Fernando Alonso den Sieg zu überlassen. (BERICHT: Alonso triumphiert - Vettel macht Boden gut)

"Keine großen Fehler"

"Ich habe versucht, Fernando in einen Fehler zu hetzen", beschrieb Vettel nach dem Rennen seine Taktik. (291932DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

Er trieb Alonso nach starkem Start Runde um Runde vor sich her, allerdings ohne Erfolg: "Ein paar kleine hat er gemacht, aber leider keinen großen. Überholen ist schwierig hier, es wäre zu riskant gewesen und hätte wohl nicht funktioniert. Daher war es schlauer, zurückzustecken."

Nuller von Hamilton

Wie clever. Vettel hatte es vermutlich nicht mitbekommen, aber wie die Risiko-Variante auf der engen Piste von Singapur hätte ausgehen können, führte ausgerechnet WM-Mitbewerber Lewis Hamilton vor. Der McLaren-Pilot attackierte Vettels Red-Bull-Kollegen Mark Webber in einer Kurve derart ungestüm, dass beide kollidierten und der Engländer ausschied - null Punkte.

Vettel machte es besser und ließ Alonso ziehen zu dessen viertem Sieg in dieser Saison. Er wusste, dass er wichtige Punkte einsammeln würde im engen WM-Rennen, das durch den Sieg des Spaniers weiter an Brisanz gewonnen hat.

[kaltura id="0_2avpey0p" class="full_size" title="Eine Runde mit Vettel in Singapur"]

Webber glücklich

Vier Grands Prix vor Saisonende sind die Kandidaten auf den Titel noch enger beisammen als zuvor. Auch weil Vettels Teamkollege Mark Webber durch eine mutige Strategie seine Führung in der Fahrer-Wertung verteidigen konnte.

Nur als Fünfter gestartet, wechselte der Australier in der ersten Safety-Car-Phase des Rennens früh auf die harten Reifen, überstand später den Crash mit Hamilton unversehrt und freute sich schließlich über einen unverhofften dritten Platz.

"Ich bin sehr glücklich mit Platz drei", kommentierte Webber das Resultat: "Hätte man mir morgens nach dem Aufstehen den dritten Platz angeboten, ich hätte ihn sofort genommen. Für mich war es ein hartes Wochenende, vielleicht das schwierigste des Jahres."

202 Punkte hat der Pilot aus Queanbeyan nun auf seinem WM-Konto. Alonso folgt mit 191 Zählern vor Hamilton (182), Vettel (181) und Weltmeister Jenson Button (177). (DATENCENTER: WM-Stand)

"Es bleibt sehr eng"

Und während Hamilton sich nach seinem zweiten Null-Punkte-Rennen binnen zwei Wochen bereits aus dem Titelkampf verabschieden wollte, sah Sieger Alonso nach dem 15. Grand Prix der Saison weiterhin alle fünf Bewerber in aussichtsreicher Position.

"Es bleibt sehr eng", sagte Ferraris Vorfahrer: "Jeder von uns fünf hat mehr oder weniger die gleiche Chance." Nur Webber habe einen kleinen Vorsprung und könne sich ein schlechtes Wochenende leisten. "Wir anderen müssen aufholen, wenn wir können."

Alonso kampfeslustig

Sich selbst hatte der Weltmeister von 2005 und 2006 vor dem Rennen durch die asiatische Nacht in einem Interview die besten Aussichten auf die dritte WM-Trophäe eingeräumt. Hinterher wiederholte er die Aussage nicht, dass er vor dem Red-Bull-Duo Webber und Vettel den Titel einfahren werde.

Bissig blieb er aber: "Dieser Sieg bedeutet viel im Kampf um die Weltmeisterschaft. Wir geben alles. Ob es am Ende reichen wird, weiß ich nicht. Aber wir werden bis zum Schluss kämpfen."

Vorbild Alonso

Vettel beurteilte seine WM-Chancen vor dem japanischen Grand Prix in Suzuka "besser als vor dem Rennen. Es sah schon mal schlechter aus. Da ist noch alles möglich."

Man solle auf Alonso blicken. "Fernando hatten die Leute schon zweimal abgeschrieben, jetzt ist er wieder dabei." Konstanz sei wichtig, so Vettel.

"18 Gründe zur Freude", nannte der Vize-Weltmeister daher die Punkte, die er auf seinem Haben-Konto verbuchen durfte: "Der zweite Platz ist unheimlich wichtig."

Ausdauernde Verfolgungsjagd

Dass er Alonso in einer ausdauernden Verfolgungsjagd, in der sein Rückstand meist nicht mehr als ein, zwei Sekunden betrug, nicht einholte, bekümmerte den 23-Jährigen anschließend nicht weiter.

"Es geht einem ein bisschen auf den Keks, und man denkt sich: Könnte er einem keinen Gefallen tun? Aber er ist ein sehr gutes Rennen gefahren", scherzte er.

Vettel räumte schließlich sogar ein, dass er sich selbst tags zuvor in der Qualifikation um ein besseres Resultat gebracht hatte. Das Auto war schnell genug, um auf Platz eins zu fahren", sagte der Deutsche: "Aber im Qualifying waren die Haken ein bisschen zu groß"

Vettels gute Laune konnte an diesem Tag nichts mehr trüben.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel