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Sebastian Vettel wurde 2009 Vizeweltmeister hinter Jenson Button © getty

Nicht Fernando Alonso, sondern sein Teamkollege ist für Sebastian Vettel der Fahrer, den es im Kampf um den Titel zu schlagen gilt.

Von Julian Meißner

München - Fernando Alonso ist nach zwei Siegen in Folge so ziemlich für jeden Beobachter der Mann der Stunde in der Formel 1.

Für Sebastian Vettel nicht.

Vier Rennen vor Schluss sieht der 23-jährige Heppenheimer nicht im Ferrari-Star, sondern in seinem Stallgefährten Mark Webber den härtesten Rivalen im Kampf um den WM-Titel.

"Aus meiner Sicht ist mein Teamkollege der Hauptgegner. Mark liegt in der WM vorne", sagte Red-Bull-Pilot Vettel nach dem 15. Saisonrennen gegenüber "auto motor und sport".

Immer noch fünf Titelkandidaten

Immer noch machen sich fünf Fahrer Hoffnungen auf den Titel. 25 Punkte, der Wert eines Sieges, liegen Webber (202) und der auf Rang fünf platzierte Titelverteidiger Jenson Button (177) auseinander. Dazwischen rangieren Alonso (191), Lewis Hamilton (182) und Vettel (181).

"Es sah schon einmal schlechter aus. Ich habe noch immer alle Chancen", betonte Vettel, der in Singapur auf Platz zwei hinter Alonso über den Zielstrich gefahren war. "Wir kriegen sie", kündigte er über den Teamfunk an, nachdem er den Spanier in 61 Runden nicht in einen entscheidenden Fehler hatte hetzen können.

Optimum aus zwei Rennen

In der Tat sind die Aussichten auf den Titel nach dem Flutlicht-Grand-Prix größer als noch vor dem Rennen in der südostasiatischen Metropole.

30 Punkte holte Vettel aus den letzten zwei Grands Prix und zeigte sich damit zufrieden. "Meiner Meinung nach haben wir in den vergangenen beiden Rennen mehr oder weniger das Optimum für uns heraus- und auch aufgeholt", so Vettel.

"Wir belauern uns"

Die verbleibenden Strecken würden seinem Boliden RB6 zudem entgegenkommen.

Klar ist aber auch: Einen Ausfall darf sich Vettel angesichts der Leistungsdichte in der Fahrer WM nicht mehr leisten, jeder Fehler kann das Aus bedeuten.

"Wir belauern uns, sagte Vettel: "Die Frage ist: Wer verliert zuerst die Nerven?"

Hamiltons dritter Ausfall im vierten Rennen

In Singapur gingen mit Hamilton die Gäule durch, der nach einem übermütigen Manöver gegen Webber vorzeitig ausschied. Und um ein Haar hätte es auch Vettels Teamkollegen erwischt.

Wie nahe Webber einem Ausfall war, erklärte Bridgestones Motorsportchef Hirohide Hamashima nach dem Rennen. "Sehr glücklich" sei Webber gewesen, so der Japaner in Diensten des Reifenlieferanten der Formel 1.

Riesenglück für Webber

Einer von Webbers Reifen lief nach der Kollision mit Hamilton in Runde 35 Gefahr, von der Felge zu rutschen und einen Platten zu verursachen. Laut Hamashima hätte ein Reifen in einer ähnlichen Situation noch ein paar Runden halten können, 25 Umläufe seien aber "unglaublich".

"So etwas habe ich noch nicht gesehen", staunte auch Christian Horner.

Horner rechnet mit Herzschlagfinale

Der Red-Bull-Teamchef rechnet damit, dass der Titelfight noch bis zum Saisonfinale in Abu Dhabi andauern wird. Zuvor steigen noch die Rennen in Japan, Südkorea und Brasilien.

"So wie es hin- und hergeht, ist es fast unvermeidlich, dass sich dies bis nach Abu Dhabi hinzieht", sagte der Brite, der auf ein Finish wie zuletzt 2008 gerne verzichten könnte. Damals hatte sich Lewis Hamilton den Titel erst in allerletzter Sekunde gesichert, Felipe Massa wurde zum Weltmeister der Herzen.

"Ich hoffe aufrichtig, dass es nicht so sein wird und einer von uns die Sache vorzeitig klar macht", sagte Horner: "Aber angesichts der Qualität der beteiligten Fahrer und Teams wird es wahrscheinlich ein Kampf bis zum Schluss."

Gute Erinnerungen an Japan

Beim nächsten Grand Prix in Suzuka am 10. Oktober ist Red Bull klar favorisiert.

Vettel siegte im Vorjahr ebenso überlegen wie beim Saisonfinale in Abu Dhabi, in Sao Paulo beim Erfolg von Webber von Startplatz 15 erreichte er noch Rang vier. Die neue Strecke in Yeongam, die die FIA jetzt erst 13 Tage vor dem Rennen am 24. Oktober abnehmen will, ist für alle Neuland.

Vettels Plan: "Man gewinnt ein, zwei Rennen, dann ist man wieder dabei."

Gegen welchen Gegner auch immer.

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